In Rom hat sich eine klare Meinung zu den Ergebnissen des vierjährigen Konflikts im Osten Europas gebildet. Der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto äußerte in einer jüngsten Erklärung die Überzeugung, dass die Ukraine bereits den wichtigsten strategischen Sieg errungen hat, trotz der andauernden Kampfhandlungen. Der Schlüsselfaktor für den Erfolg sei aus Sicht des italienischen Politikers, dass Moskau seinen ursprünglichen Plan für die Invasion nicht umsetzen konnte.
Zerschlagene Prognosen und die Evakuierung von Selenskyj
Guido Crosetto erinnerte daran, dass zu Beginn der umfassenden Invasion die meisten Militärexperten und Analysten weltweit den baldigen Fall der ukrainischen Hauptstadt prognostiziert hatten. „Vor vier Jahren dachten alle, dass Russland Kiew innerhalb einer Woche einnehmen würde', betonte der Minister und beschrieb die Stimmung jener Zeit.
Die Lage war so kritisch, dass sogar die Vereinigten Staaten von Amerika ein spezielles Flugzeug für eine mögliche Notevakuierung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vorbereitet hatten. Das Szenario einer schnellen Eroberung des Landes ging jedoch nicht auf, und die Ukraine konnte ihre Staatlichkeit bewahren.
Die „feststeckende' Armee und neue Realitäten des Krieges
Vier Jahre später hat sich die Situation an der Front grundlegend verändert. Laut dem Leiter des italienischen Verteidigungsministeriums ist die russische Armee heute „an der Front feststeckend'. Crosetto nannte schockierende Verluststatistiken: Russland verliert etwa 30.000 Soldaten pro Monat, einschließlich Getöteter und Verwundeter.
Der italienische Minister hob auch hervor, dass die Ukraine nicht nur überlebt hat, sondern auch die Ansätze zur Führung moderner Kriegsführung transformiert hat. Insbesondere der breite Einsatz von unbemannten Fluggeräten durch die ukrainischen Streitkräfte diente vielen Armeen der Welt als Vorbild und hat die Taktik der Kriegsführung im globalen Maßstab verändert.
Eine Demütigung für den Kreml
Crosetto zog den Schluss, dass der Krieg aus Sicht Kiews bereits gewonnen ist, da das Land nie plante, auf russisches Territorium einzugreifen, und ausschließlich im Rahmen der Selbstverteidigung handelte. „Die Ukraine existiert immer noch; sie ist stark und erschwert den Krieg für (den russischen Diktator) Wladimir Putin mit jedem Tag', erklärte er.
Die Position des italienischen Ministers wurde von seinem britischen Kollegen, dem britischen Verteidigungsminister Wes Streeting, unterstützt. Er nannte den von Russland gegen die Ukraine entfesselten Krieg eine „Demütigung für Putin'.
Was die Bedingungen für das Ende des Konflikts angeht, stellte Guido Crosetto eine harte Forderung auf. Nach seiner Meinung kann der Krieg nur dann als beendet gelten, wenn Russland die Beschießung des ukrainischen Territoriums für mindestens 24 bis 48 Stunden einstellt. Seit Beginn der Invasion im Jahr 2022 gab es eine solche Pause noch nie.