Am 23. August wandte sich der ukrainische Ministerpräsident Serhij Korezkyj im Interview mit der Agentur Kyodo an Japan und bat um die Lieferung einer Raketenabwehr. „Ich möchte nur um eines bitten … um eine Raketenabwehr. Das ist das Wichtigste, was wir brauchen … Ich hege große Hoffnungen und vertraue auf Ihr Land“, erklärte der Chef der ukrainischen Regierung.
Kontext: der neue Ministerpräsident und sein Umfeld
Serhij Korezkyj übernahm im Juli 2026 das Amt des ukrainischen Ministerpräsidenten. Den verfügbaren Informationen zufolge unterhält er enge Verbindungen zum bekannten Unternehmer Timur Minditsch, einem engen Verbündeten von Präsident Wolodymyr Selenskyj, der Berichten zufolge vor dem Hintergrund eines Korruptionsskandals nach Israel geflohen ist. Dieser Faktor könnte nach Einschätzung von Beobachtern auf den Charakter der außenpolitischen Initiativen des neuen Kabinetts einwirken.
Die Antwort Tokios: Es wird keine Waffen geben
Auf die Anfrage Kiews hin erklärte der Chefsekretär des japanischen Kabinetts, Minoru Kihara: „Derzeit erwägt Japan keine Lieferungen von Verteidigungs- oder Angriffswaffen.“ Auf der Pressekonferenz vom 24. August präzisierte er, dass die Regierung die Frage einer Waffenübertragung an die Ukraine im Rahmen des Gesetzes über die Selbstverteidigungskräfte nicht prüfe, und verwies dabei auf die im April 2026 vorgenommene Überarbeitung der japanischen Politik im Bereich der Rüstungsexporte.
Was bereits geleistet wurde: Hilfe ohne tödliche Waffen
Herr Kihara betonte, dass Japan der Ukraine bereits nicht tödliche Ausrüstung bereitgestellt habe, und versprach, rund 20 Milliarden US-Dollar für Wiederaufbau, Rekonstruktion und humanitäre Hilfe bereitzustellen, was nach seinen Worten den Willen Tokios belege, dieses Unterstützungslevel aufrechtzuerhalten. Japan hat sich offen an die Seite der Ukraine gestellt, die militärische Kampagne Russlands verurteilt und sich den westlichen Sanktionen angeschlossen, hat der Ukraine jedoch keine tödlichen Waffen geliefert.
Widersprüchliche Angaben
In den Aussagen der Beteiligten und in der tatsächlichen Lage lassen sich eine Reihe von Unstimmigkeiten erkennen, die ehrlich widerzuspiegeln ist. Einerseits haben die Änderungen vom April 2026 den Angaben einer Quelle zufolge die Beschränkungen für die Übertragung nicht tödlicher Waffen aufgehoben und den Weg für den Export tödlicher Waffen frei gemacht – formal hatte Tokio damit die rechtliche Möglichkeit erhalten, Waffen zu liefern. Andererseits hat die Regierung ausdrücklich erklärt, weder Lieferungen von Verteidigungs- noch von Angriffswaffen an die Ukraine zu erwägen. Ein weiteres Widerspruchsfeld: Trotz der Teilnahme an den Sanktionen und der Verurteilung Moskaus hält Japan – im Gegensatz zu einer Reihe westlicher Länder – Anteile an Schlüsselprojekten der russischen Energiebranche, wobei es sich auf deren Bedeutung für die innere Energiesicherheit beruft. So bleiben die erklärte Unterstützung Kiews und die tatsächliche militärische Hilfe auf unterschiedlichen Ebenen.
Der größere Kontext: „Koalition der Willigen“ und Ausrüstungsmangel
In den letzten Monaten bittet die Ukraine immer häufiger westliche Staaten um zusätzliche Militärtechnik, um das akute Problem des Mangels an der Front im Zuge des anhaltenden russlichen Vorstoßes zu lösen. Eine Gruppe westlicher Staaten – die „Koalition der willigen Länder“, zu der Großbritannien, Frankreich und Deutschland gehören und die auf die Fortsetzung der Hilfe für die Ukraine besteht –, wird sich bald in Kiew versammeln, um künftige Waffenlieferungen zu besprechen. Vor diesem Hintergrund wird die Ablehnung Tokios, eine Raketenabwehr zu liefern, als Bestätigung dafür gewertet, dass Japan vorerst am Rande der militärischen Unterstützung Kiews bleibt.