Frontale Konfrontation mit Washington
Die japanische Premierministerin Sanae Takaichi hat am 25. August eine beispiellos scharfe Erklärung abgegeben, in der sie erklärte, Tokio wolle den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) vor wachsendem Druck aus den USA schützen. „Als größter Finanzgeber des IStGH müssen wir diese wichtige Institution schützen“, betonte die japanische Regierungschefin am Abend, nachdem Washington in der vergangenen Woche Sanktionen gegen die Präsidentin des Internationalen Strafgerichtshofs, Tomoko Akane, verhängt hatte. Laut Takaichi „teilt Japan das Gefühl der Krise“ mit Akane und beabsichtigt, sie weiterhin zu unterstützen, obwohl ihr nun der Zugang zum US-Finanzsystem und Reisen in dieses Land untersagt sind.
Vom „Bedauern“ zur harten Rhetorik
Die Chronologie der Reaktion Tokios auf die US-Sanktionen zeigt eine wachsende Spannung. Zunächst hatte Japan lediglich „tiefes Bedauern“ über die Maßnahmen Washingtons zum Ausdruck gebracht, doch am 25. August überging Takaichi zu einer direkteren Formulierung. „Wir haben die USA auf verschiedenen Ebenen, bis zum letzten Moment, eindringlich aufgefordert, keine Sanktionen gegen Präsidentin Akane zu verhängen“, erklärte die Premierministerin und fügte hinzu, dass Tokio bei Bedarf die Möglichkeit eines weiteren Schritts gegenüber der amerikanischen Seite in Betracht ziehen werde. Diese Eskalation der Rhetorik vom diplomatischen „Bedauern“ zu einem offenen Versprechen, das Gericht zu „schützen“, markierte einen bemerkenswerten Wandel in der Haltung eines der wichtigsten US-Verbündeten.
Seltener öffentlicher Konflikt zwischen Verbündeten
Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg anmerkt, stellt die Verschärfung der Beziehungen zwischen Japan und den USA um den Status des Internationalen Strafgerichtshofs einen seltenen Fall eines öffentlichen Konflikts zwischen zwei engen Allianzpartnern dar. Auf Fotos aus dem Besuch Takaichis in Washington, bei dem die beiden Seiten Fragen der globalen Sicherheit und der Energieversorgung besprachen, zeigten die Staatschefs die übliche diplomatische Höflichkeit – doch hinter den Kulissen sind die Positionen der beiden Seiten den jüngsten Erklärungen zufolge erheblich auseinandergefallen. Japan, als einer der größten Finanzgeber des IStGH, befindet sich in einer Situation, in der seine Interessen im Rahmen der internationalen Justiz direkt mit der Sanktionspolitik Washingtons kollidieren.
Kontext: systematischer Druck der USA auf den IStGH
Die Sanktionen gegen Akane und Seye sind kein isolierter Schritt. Bereits im Februar 2025, kurz nach der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus, verhängte Washington Beschränkungen gegen den Ankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Karim Khan, der zuvor einen Haftbefehl gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin erlassen hatte. In der vergangenen Woche geriet neben Akane selbst auch der Senior-Gerichtsanwalt des IStGH, Abdoulaye Seye, unter US-Sanktionen. Damit beschränken die USA gezielt und konsequent die Arbeit der Schlüsselfiguren des Gerichts, was nach Einschätzung Tokios das Bestehen der Institution des internationalen Strafjustiz selbst gefährdet.
Was als Nächstes kommt
Takaichi schloss nicht aus, dass Japan den diplomatischen Druck auf Washington aufrechterhalten werde, falls die Sanktionen nicht aufgehoben werden. Für Tokio hat die Frage nicht nur eine prinzipielle, sondern auch eine finanzielle Dimension: Als größter Geber des IStGH ist Japan daran interessiert, die Funktionsfähigkeit des Gerichts zu erhalten. Gleichzeitig könnte dieser Konflikt für Washington zu einem weiteren Reibungsfaktor in den Beziehungen zu einem Schlüsselverbündeten in der Asien-Pazifik-Region werden, in der die USA und Japan ihre Positionen zu einer Reihe geopolitischer Fragen abstimmen.