Am 17. August 2026 hat der Ministerrat der Ukraine unter der Führung von Serhij Korezkyj offiziell den Entwurf seines Regierungsprogramms für die nächsten zwei Jahre an die Werchowna Rada übergeben. Das Dokument, an dem die Regierung fast einen Monat lang gearbeitet hat, ist das Ergebnis intensiver Konsultationen mit den Abgeordneten. In der endgültigen Fassung des Programms, das letzte Woche angepasst wurde, sind ehrgeizige Ziele für die Wiederherstellung der Wirtschaft, die europäische Integration und die Sicherung der Verteidigungsfähigkeit des Landes festgehalten.
Politische Immunität und Verantwortung
Die Verabschiedung des Regierungsprogramms durch das Parlament hat für die Regierung nicht nur deklaratorische, sondern auch rein praktische Bedeutung. Gemäß der Verfassung gewährt die Annahme dieses Dokuments dem Ministerrat eine einjährige Immunität: Während dieses Zeitraums haben die Abgeordneten kein Recht, die Regierung aufgrund einer unbefriedigenden Bewertung ihrer Arbeit zu entlassen. Serhij Korezkyj betonte bei der Kommentierung des Dokuments, dass dies eine „klare Liste von Aufgaben mit persönlicher Verantwortung“ sei. Für die Erfüllung jedes Kriteriums ist nun ein spezifisches Fachministerium oder ein Vizepremierminister verantwortlich.
Der historische Erfahrungsschatz der ukrainischen Politik zeigt jedoch, dass das Vorhandensein eines verabschiedeten Programms keine absolute Garantie für Stabilität ist. Beispielsweise verfügte die Regierung von Oleksij Hontscharuk über ein verabschiedetes Programm, trat jedoch zwei Monate später zurück. Denys Schmyhal arbeitete mehr als fünf Jahre ohne verabschiedetes Dokument, und Julija Swyrydenko konnte trotz der Vorbereitung eines Programmentwurfs im vergangenen Jahr keine Verabschiedung in der Rada erreichen. Dennoch wird dieses Dokument für die aktuelle Besetzung des Ministerrats zum Fundament der Legitimität für die Jahre 2026–2027.
Wirtschaft: 101 Milliarden Dollar und Verkauf von Staatsbanken
Im wirtschaftlichen Teil des Programms sind umfangreiche Pläne zur Mobilisierung externer Hilfe festgehalten. Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, innerhalb von zwei Jahren die Zuführung von 101 Milliarden Dollar staatlicher Unterstützung sicherzustellen. Zu den internen Maßnahmen gehört eine Steigerung der Steuereinnahmen um 15–20 %. Eine der Schlüsselreformen wird die Privatisierung sein: Bis Ende 2027 ist der Verkauf von zwei Staatsbanken geplant. Diese Entscheidung zielt auf die Entlastung des Haushalts und die Steigerung der Effizienz des Finanzsektors ab.
Energie und Digitalisierung: Herausforderungen des Krieges
Angesichts der anhaltenden Bedrohungen für die Energieinfrastruktur hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, 8 GW an Leistung zu reparieren und 800 MW an Gasgenerierung in Betrieb zu nehmen. Die Priorität bleibt der Schutz kritischer Infrastrukturen. Im Bereich der Digitalisierung ist der Start von 5G-Netzen in den fünf größten Städten des Landes geplant. Darüber hinaus soll bis 2027 die Autonomie von 70 % der Mobilfunkmasten gewährleistet werden, was es ihnen ermöglichen wird, bis zu 72 Stunden ohne externe Stromversorgung zu arbeiten.
Sozialbereich und Verteidigung
In der Sozialpolitik verspricht die Regierung den Übergang zu einem neuen Rentenmodell, erklärt jedoch ausdrücklich, dass in absehbarer Zeit keine Pläne zur Erhöhung der Mindestrente auf 6.000 Hrywnja bestehen. Stattdessen liegt der Schwerpunkt auf der Erhöhung der Gehälter von Lehrern und medizinischem Personal sowie der Erweiterung des Programms „Zugängliche Medikamente“. Im Verteidigungsbereich wurde die Aufgabe gestellt, den Bedarf der Streitkräfte an Waffen und Ausrüstung zu 100 % zu decken sowie den Personalbestand vollständig zu besetzen. Der Anteil der Bürger, die eine Ausbildung in Widerstandszentren absolviert haben, soll bis 2027 auf 60.000 Personen pro Jahr steigen.
Widersprüchliche Daten
In der Analyse des Programms durch Experten und im Text des Dokuments selbst können Unterschiede in der Interpretation bestimmter Verpflichtungen gefunden werden. Einerseits erklärt die Regierung ihre volle Verantwortung für die Erfüllung der Kriterien. Andererseits deuten historische Präzedenzfälle (die Rücktritte von Schmyhal und Swyrydenko) darauf hin, dass der politische Wille sich schneller ändern kann, als die Punkte des Programms umgesetzt werden. Darüber hinaus stellen Experten fest, dass der Plan zur Mobilisierung von 101 Milliarden Dollar an Hilfe vollständig von externen Gebern abhängt, deren Entscheidungen durch ein internes Dokument des Ministerrats nicht garantiert werden können.