Stefan Kaplunow, Stellvertretender Kommandeur des Russischen Freiwilligenkorps (RFK), der nach dem Vorfall in Kiew auf freiem Fuß ist, hat eine Videoansprache veröffentlicht, in der er seine eigene Version der Ereignisse darlegt. Laut seinen Angaben wurde er am 23. August 2026 „bandenmäßig von Mitarbeitern des SBU entführt“, und in den ersten drei Tagen habe „General Poklad (Leiter des SBU – Anm. d. Red.)“ direkt an ihm „psychologischen und physischen Druck“ ausgeübt. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf den Telegram-Kanal des Russischen Freiwilligenkorps. Kaplunow erklärte zudem, das SBU habe versucht, den Stellvertreter des Spezialunternehmens „Timur“, Dmitri Iwanow, sowie den Leiter des Operativen Dienstes, Kirill Budanow, zu diskreditieren, um „Zusammenarbeit mit dem FSB“ anzuhängen.
Chronologie: Von der Festnahme bis zum Schusswechsel in Beresnjaki
Wie das Medium erinnert, meldete der Stabschef des RFK, Alexander Fortuna, am 1. September die Entführung des stellvertretenden Kommandeurs des RFK für Kampfarbeit, Stefan Kaplunow, in Kiew. Laut dem Anwalt des Militärs wurde er bereits am 23. August von Mitarbeitern des SBU festgenommen und ohne Vorwurf festgehalten. In der Nacht zum 2. September und am Morgen im Wohnkomplex Beresnjaki (Juri-Schumski-Straße) kam es zu Schüssen: Ein bewaffneter Konflikt entstand am Haus von Kaplunow, wohin, wie der Anwalt erklärte, SBU-Beamte ihn zur Durchsuchung seiner Wohnung brachten. Laut Angaben des Kommandos des Spezialunternehmens „Timur“ des Hauptaufklärungsstabes (HUR), zu dem der RFK gehört, befindet sich Kaplunow derzeit auf freiem Fuß unter dem Schutz der Kämpfer seines eigenen Einheiten.
Position des SBU: Terrorfall und bewaffneter Angriff
Der Sicherheitsdienst der Ukraine präsentierte ein grundlegend anderes Bild. Das SBU beschuldigte eine „Gruppe von Personen, die den Verteidigungskräften angehören“, eines bewaffneten Angriffs auf eine operativ-ermittlungsgruppe; in Folge des Schusswechsels wurden laut Angaben der Behörde drei Mitarbeiter des HUR verletzt. Das SBU erklärte, es habe einen Terrorfall ermittelt, der vom russischen FSB organisiert worden sei, und behauptet, Kaplunow habe angeblich die Zusammenarbeit mit den russischen Geheimdiensten akzeptiert, einen Anschlag auf einen der Führer der russischen Opposition am Unabhängigkeitstag vorbereitet sowie die Aufgabe gehabt, andere ukrainische Militärs zu liquidieren. „Angesichts des Geständnisses dieses Soldaten über Kontakte zum russischen FSB und der Zusammenarbeit mit der Ermittlung wurde gegen ihn keine Untersuchungshaft verhängt“, erklärte das SBU seine Position. Am selben Tag veröffentlichte die Behörde angebliche Korrespondenz von Kaplunow mit den russischen Geheimdiensten.
Reaktion der Führung und des Präsidenten
Der Kommandeur des Spezialunternehmens „Timur“ des HUR bezeichnete die Handlungen des SBU als „Entführung eines Kampfkommandeurs bei hellem Tag“. Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte den Vorfall seinerseits eine Schande und forderte interne Ermittlungen in den Geheimdiensten sowie personelle Maßnahmen gegen die Beteiligten des Vorfalls. Der Leiter des Operativen Dienstes, Kirill Budanow, rief in einem Kommentar gegenüber RBC-Ukraine zu einer unparteiischen Ermittlung auf. Kaplunow selbst bestritt in einem Medienkommentar das Vorhandensein einer Korrespondenz mit den russischen Geheimdiensten und erklärte, er sei in einem geheimen Gefängnis gehalten worden und habe aufgrund seiner „Lage und des psychologischen Drucks“ gezwungen gewesen, der Version über Kommunikation mit dem FSB zuzustimmen, obwohl „dies nicht der Fall war“. Auf dem Telegram-Kanal des RFK wurde zudem ein Video mit vermummten Personen veröffentlicht, die Kaplunow als Mitarbeiter des SBU bezeichnete und die angeblich versucht hätten, in seine Wohnung einzudringen und unbekannte Gegenstände zu verstecken; er fügte hinzu, dass „unsere Seite sich an das Staatliche Bureau für Korruptionsbekämpfung (GBR) gewandt hat, um diese Situation aufzuklären“.
Widersprüchliche Angaben
Die Versionen der Parteien weichen in allen wesentlichen Punkten voneinander ab. Laut Kaplunow und seinem Anwalt handelt es sich um eine Entführung: Der Soldat wurde am 23. August festgenommen, ohne Vorwurf festgehalten, psychischem und physischem Druck ausgesetzt, und seine „Zustimmung“ zur Zusammenarbeit mit dem FSB sei erzwungen und unzutreffend gewesen. Das SBU besteht hingegen auf der Rechtmäßigkeit seiner Handlungen und beruft sich auf die Ermittlung eines vom russischen FSB organisierten Terrorfalls sowie auf das „Geständnis“ des Soldaten über Kontakte zu den russischen Geheimdiensten, weshalb gegen ihn keine Untersuchungshaft verhängt wurde. Eine Diskrepanz besteht auch in der Bewertung des Schusswechsels in Beresnjaki: Der Anwalt weist darauf hin, dass der Konflikt entstand, als die Beamten Kaplunow zur Durchsuchung der Wohnung brachten, während das SBU das Geschehene als bewaffneten Angriff auf seine operativ-ermittlungsgruppe einstuft, in dessen Folge drei Mitarbeiter des HUR verletzt wurden. Schließlich wird die vom SBU veröffentlichte „Korrespondenz“ mit den russischen Geheimdiensten von Kaplunow selbst direkt bestritten. Diese Widersprüche machen die abschließende Qualifikation des Vorfalls zum Gegenstand einer laufenden Ermittlung.