Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems sind tückisch, da sie sich oft jahrelang ohne offensichtliche Symptome entwickeln. In einem Blitz-Interview für Wave RBC.UA erläuterte die Kardiologin Daria Kortschagina, welche Werte Patienten am häufigsten unterschätzen, ob moderne Gadgets und künstliche Intelligenz helfen können, Rhythmusstörungen rechtzeitig zu erkennen, und ab wann man über Prävention nachdenken sollte. Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Punkte des Gesprächs, die für alle relevant sind, die ihre Herzgesundheit und Aktivität langfristig erhalten möchten.
Cholesterin: Der unsichtbare Faktor, der am häufigsten ignoriert wird
Laut Kortschagina bleibt Cholesterin einer der am meisten unterschätzten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Gegensatz zu Bluthochdruck oder Pulsanstiegen kann ein erhöhter Cholesterinspiegel jahrelang keine Symptome verursachen. Aus diesem Grund stellen einige Patienten die Behandlung der Dyslipidämie eigenmächtig ein – einfach weil sie keinen Unterschied spüren. Die Ärztin betont: Das Fehlen von Symptomen bedeutet nicht das Fehlen eines Risikos, und dies ist die Hauptfalle, in die Patienten geraten.
Bluthochdruck ohne Symptome: Warum „gutes Befinden“ trügerisch ist
Mit zunehmendem Alter werden die Blutgefäße steifer, was zu einem allmählichen Anstieg des Blutdrucks beiträgt. Menschen können sich an hohe Werte anpassen und jahrelang keine Beschwerden haben. Dennoch bleibt unkontrollierter Bluthochdruck unabhängig vom Befinden einer der führenden Risikofaktoren für Schlaganfall und Herzinfarkt. Kortschagina empfiehlt, den Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren, auch bei völligem Fehlen von Beschwerden.
Ganzheitlicher Ansatz: Gewicht, Ernährung und körperliche Aktivität
Einen einzigen „Hauptfaktor“ auszuwählen ist unmöglich: Ernährung, körperliche Aktivität und Körpergewicht sind eigenständige, aber modifizierbare Risikofaktoren, auf die man direkten Einfluss hat. Aus diesem Grund funktioniert nach Ansicht der Kardiologin genau der ganzheitliche Ansatz: Eine bewusste Auswahl der Ernährung, ausreichende Bewegung und Gewichtskontrolle in Kombination, nicht isoliert.
Smartwatches und KI: Helfer, kein Ersatz für den Arzt
Historisch dauerte ein EKG nur wenige Minuten, sodass seltene Rhythmusstörungen unbemerkt blieben; später kam das 24-Stunden-Holter-EKG hinzu, das jedoch auch nicht immer Arrhythmien erfasst, die nur alle paar Monate auftreten. Smartwatches wie Apple Watch können ein 30-Sekunden-EKG aufnehmen und einen Rhythmusstörungs-Episode genau zu dem Zeitpunkt festhalten, an dem sie auftritt, und fungieren so als zusätzliche Hilfe. Die Ärztin definiert jedoch klar die Grenzen: Gadgets ersetzen keine vollständige Untersuchung und sind nicht zur Diagnose aller Herzerkrankungen, insbesondere Ischämie oder Herzinfarkt, bestimmt. Künstliche Intelligenz entwickelt sich ihrer Meinung nach in der Kardiologie rasant – sie analysiert große Datenmengen, findet Muster, bewertet Risiken und unterstützt klinische Entscheidungen –, bleibt aber ein Assistent und kein Ersatz für den Arzt.
Mentale Gesundheit und Prävention: Wann beginnen?
Kortschagina lenkt die Aufmerksamkeit auf einen unterschätzten Faktor – die mentale Gesundheit. Im Jahr 2025 wurden erstmals Leitlinien veröffentlicht, die betonen, dass die psychische Gesundheit ein untrennbarer Teil der körperlichen Gesundheit ist: Angst und Depression dürfen nicht auf einen „schwachen Charakter“ geschoben werden; Patienten sollten getestet und bei Bedarf zur Psychotherapie, medikamentösen Therapie oder einer Kombination aus beiden überwiesen werden. Was die Prävention betrifft, rät die Ärztin, nicht auf ein bestimmtes Alter oder Symptome zu warten: Bei familiärer Vorgeschichte von frühen Herzinfarkten und Schlaganfällen, einem sitzenden Lebensstil, Rauchen oder Übergewicht sollte man einen Hausarzt oder Kardiologen aufsuchen. Das Programm „Screening 40+“ der Nationalen Gesundheitsdienstleistung (NSZU) ermöglicht es, das kardiovaskuläre Risiko auch bei Fehlen von Beschwerden zu bewerten und rechtzeitig mit der Prävention zu beginnen.