Am 16. August 2026 fand im Zentrum von Kiew eine Großdemonstration statt, die den 32. Tag ununterbrochener ziviler Protestaktionen markierte. Tausende Teilnehmer zogen vom Europaplatz zum Regierungsviertel und forderten den Rücktritt der interimistischen Führung des Verteidigungsministeriums sowie die Rückkehr des ehemaligen Ministers Michail Fedorow in sein Amt. Das Ereignis erhielt in den Medien die Bezeichnung „Kartonmarsch', da die meisten Parolen auf einfachen Kartonplakaten angebracht waren.

Chronologie und visuelle Merkmale der Aktion

Bis zum Abend des 16. Augusts hatte der Marsch die wichtigsten Verkehrsadern der Hauptstadt erfasst. Auf den Bildern, die von Nachrichtenagenturen verbreitet wurden, ist deutlich eine Menschenmenge mit selbstgemachten Plakaten zu sehen. Die Teilnehmer skandierten Parolen wie „Fedorow!', „Drohnen statt Menschen' und „Diener des Volkes, tretet vor das Volk'. In den Nachrichten, die in sozialen Netzwerken kursieren, wird der religiöse Unterton ironisch aufgegriffen, indem die Aktion als „Prozession' und das Skandieren des Namens des Politikers als „Wallfahrt' bezeichnet wird. Die Organisatoren positionieren die Veranstaltung jedoch ausschließlich als zivile politische Demonstration.

Politischer Kontext: Personalkrise im Verteidigungsressort

Die Protestaktivität entflammte vor dem Hintergrund des Rücktritts des Ministerrats im Juli 2026, infolgedessen Michail Fedorow das Amt des Verteidigungsministers verließ. Trotz des Angebots des Präsidentenbüros, alternative Positionen (insbesondere den Vizepremierminister für Innovationen) anzutreten, lehnte der ehemalige Minister die Angebote öffentlich ab und erklärte, nur bereit zu sein, in die leitende Position im Verteidigungsministerium zurückzukehren. Als interimistischer Amtsinhaber wurde General Jewgeni Chmara ernannt, dessen Tätigkeit von Fachabgeordneten, darunter der Volksabgeordneten Maryana Bezuhla, kritisiert wird.

Eine große Menschenmenge von Teilnehmern des 'Kartonmarsches' in Kiew mit Plakaten und Schildern, die die Rückkehr von Michail Fedorow fordern, vor einem Sonnenuntergang.

Wahrung der öffentlichen Ordnung und Abwesenheit von Razzien der TSK

Im Bereich der Demonstration waren erhebliche Kräfte der Nationalpolizei und der Streifenabteilungen konzentriert. Laut Augenzeugen und Medienvertretern wurden keine mobilen Gruppen der territorialen Rekrutierungszentren (TSK) inmitten der Protestierenden registriert. Experten verbinden dies mit der Notwendigkeit, eine Eskalation der Spannungen und gewaltsame Zusammenstöße unter den Bedingungen des andauernden Kriegszustands zu verhindern. Die Polizei beschränkte sich auf das Absperrungsband und die Kontrolle des Perimeters und griff nicht zu Zwangsmaßnahmen gegen die Teilnehmer des Marsches.

Massenprotest in Kiew: Teilnehmer des 'Kartonmarsches' mit ukrainischen Flaggen und Plakaten fordern die Rückkehr von Mychajlo Fedorow

Widersprüchliche Daten

Es bestehen Diskrepanzen bei der Interpretation der Parolen und Ziele der Aktion. In mehreren Telegram-Kanälen und Nachrichten wird die Aktion unter Verwendung religiöser Rhetorik („Prozession', „Pilger') beschrieben, was nach Ansicht der Organisatoren ein Versuch ist, die politische Position der Demonstranten zu diskreditieren. Offizielle Vertreter der Bewegung „Für Dialog und Verantwortung' bestehen darauf, dass die Parole „Ukraine ist nicht Russland' ausschließlich im Kontext des Schutzes demokratischer Verfahren und des Rechts auf offene Debatten verwendet wird und nicht als geografische Aussage. Darüber hinaus variieren die Einschätzungen der Teilnehmerzahl: Befürworter sprechen von Zehntausenden, während offizielle Quellen von mehreren Tausend Personen sprechen.