Am 4. November erklärte der kasachische Vize-Energieminister Erlan Akkenschenow auf einer Pressekonferenz, dass die Republik voll und ganz darauf vorbereitet ist, den Öltransit nach Europa über die Hauptölpipeline „Druschba“ wieder aufzunehmen. Ihm zufolge hat Astana bereits eine offizielle Anfrage an die russische Seite zur Wiederinbetriebnahme des Transportsystems gerichtet, und die technische Basis für die Umleitung der Ströme befindet sich in einem arbeitsfähigen Zustand. Somit hängt die entscheidende Entscheidung, wie der Beamte betonte, nun ausschließlich von der Position Moskaus ab.

Diplomatischer Kanal: Anfrage persönlich übergeben

Akkenschenow betonte, dass der Appell an die russische Seite nicht im Rahmen des üblichen Briefverkehrs, sondern im Format persönlicher Verhandlungen übermittelt wurde: „Ich habe die offizielle Anfrage der russischen Seite persönlich unter vier Augen übergeben. Derzeit wartet die kasachische Seite auf eine offizielle Antwort der Partner zur Frage der Wiederaufnahme des Transit.“ Der Minister wies zudem darauf hin, dass der Prozess unter ständiger diplomatischer Kontrolle stehe, was auf eine hohe Priorität des Themas für Astana hindeutet.

Technische Bereitschaft der Infrastruktur

Zu den Hauptargumenten des Vize-Ministers gehört die vollständige technische Bereitschaft der kasachischen Infrastruktur. Seiner Behauptung nach verfügen das Pipelinesystem, die Pumpstationen und die dazugehörige Ausrüstung über alle notwendigen Kapazitäten, um die Ölströme in westlicher Richtung umzuleiten. Dies bedeutet, dass von kasachischer Seite keine zusätzlichen Investitionen oder technischen Nachrüstungen zur Wiederherstellung des Transits erforderlich sind – die politische Entscheidung der russischen Seite genügt.

Zahlen: Von 2,1 Mio. Tonnen im Jahr 2025 zu Plänen für 3 Mio. im Jahr 2026

Das Ausmaß des Problems wird durch die Liefermengen verdeutlicht. Im Laufe des Jahres 2025 exportierte Kasachstan insgesamt 2,1 Millionen Tonnen Öl über das „Druschba“-System nach Deutschland. Für 2026 plante die Republik, diesen Wert deutlich auf fast 3 Millionen Tonnen zu steigern. Seit Mai dieses Jahres hat die russische Seite jedoch den Transit kasachischer Rohstoffe durch die Pipeline ausgesetzt, was Astana faktisch eines seiner Hauptzugangswege zu den europäischen Märkten beraubt hat.

Warum „Druschba“ für Kasachstans Export von entscheidender Bedeutung ist

Die „Druschba“-Pipeline bleibt einer der günstigsten und logistisch effizientesten Korridore für die Ausfuhr von Kohlenwasserstoffen in westlicher Richtung. Für Kasachstan, das über große Ölreserven verfügt und eine Diversifizierung der Exportrouten anstrebt, hat die Wahrung des Zugangs zu dieser Route strategische Bedeutung. Die Wiederherstellung des Transits wird die Einnahmen aus dem Sektor stabilisieren und die Abhängigkeit von alternativen, oft teureren Logistiklösungen verringern.

Wie es weitergeht: Warten auf die Antwort aus Moskau

Derzeit befindet sich die kasachische Seite im Wartemodus auf eine offizielle Antwort der russischen Partner. Keine der beiden Seiten hat bisher Details über mögliche Bedingungen für die Wiederaufnahme des Transits bekannt gegeben, und ein Zeitrahmen für die Prüfung der Anfrage wurde nicht genannt. Dennoch zeigt allein die Tatsache des persönlichen Charakters des Appells und der öffentlichen Erklärung auf Vize-Minister-Ebene, dass die Frage der Wiederbelebung von „Druschba“ für Astana auf der Agenda der Energiediplomatie für 2026 Priorität genießt.