Verguny, auch „Hrustyk“ oder „Vergunzi“ genannt, gehören zu jenem hausgemachten Gebäck, das einen sofort in die Kindheit zurückversetzt. Der Duft von frischem Teig, goldbraune Stücke auf dem Küchentisch und eine Tasse warmer Tee — ein einfaches, aber unglaublich gemütliches Szenario, das viele aus der Großmutterküche kennen. Im Gegensatz zu Schichtkuchen oder Hefeteigbrötchen benötigen Verguny weder Hefe noch eine lange Wartezeit zum Gehen des Teigs. Die Grundlage des Rezepts ist Kefir, der in Kombination mit Natron eine leichte, lockere Struktur ganz ohne zusätzliches Backpulver erzeugt. Genau wegen dieser Einfachheit bleiben Verguny eine der zugänglichsten und beliebtesten Arten von Hausgebäck in der ukrainischen kulinarischen Tradition.

Das Geheimnis des Teigs: Warum Kefir und Natron besser wirken als Hefe

Der Schlüsseltrick, der Verguny weich und zart macht, liegt in der chemischen Reaktion zwischen saurem Kefir und Natron. Kefir hat ein ausgeprägtes saures Milieu, und genau dieses setzt die Aktivierung des Natrons in Gang, wodurch der Teig aufgeht und locker wird. Styler-Redakteurin Natalija Kryschanowska empfiehlt, den Kefir rechtzeitig aus dem Kühlschrank zu nehmen: Bei Raumtemperatur aktiviert sich das Natron gleichmäßiger, und der Teig wird homogen. Ihrer Ansicht nach reicht es aus, den Kefir etwa eine Minute in die Mikrowelle zu stellen, damit er die gewünschte Temperatur annimmt. In eine tiefe Schüssel gibt man den Kefir, fügt Ei, Zucker und eine Prise Salz hinzu, verrührt alles mit dem Schneebesen oder einer Gabel, gibt dann das Natron hinzu und lässt die Mischung einige Minuten ruhen, um die Reaktion ablaufen zu lassen. Etwa 400 Gramm Mehl werden gesiebt und schrittweise untergerührt, zuerst mit einem Löffel und dann mit den Händen geknetet. Der fertige Teig sollte weich, elastisch und nicht zu klebrig sein; ein allzu fester Teig macht die fertigen Verguny hart, weshalb das Mehl nach Bedarf und nicht strikt nach Gewicht hinzugefügt wird.

Formen: Vom Romben zum charakteristischen „Knoten“

Nach dem Kneten wird der Teig mit einem Handtuch oder Frischhaltefolie abgedeckt und 10 bis 15 Minuten ruhen gelassen. Diese kurze Pause macht ihn geschmeidiger: Das Ausrollen und Formen fällt deutlich leichter. Die Arbeitsfläche wird leicht mit Mehl bestäubt, der Teig wird etwa 5 Millimeter dick ausgerollt und in Streifen oder Rauten geschnitten. In der Mitte jeder Raute wird ein kleiner Schnitt gemacht, durch den ein Ende des Teigs gezogen wird — so entsteht die charakteristische Form eines Vergunets, die auf den ersten Blick erkennbar ist. Wer möchte, kann sich auf einfachere Formen wie Streifen oder kleine Rechtecke beschränken; das beeinträchtigt den Geschmack nicht. Eine wichtige Warnung: Rollen Sie den Teig nicht zu dünn aus. Ist die Schicht fast transparent, werden die Verguny trocken und übermäßig knusprig, während eine zu dicke Schicht im Gegenteil mehr Zeit zum Durchbacken im Inneren benötigt.

Frittieren: Temperatur und Ölmenge entscheiden über alles

Zum Frittieren der Vergunzi verwendet man eine tiefe Pfanne oder einen kleinen Topf mit reichlich Pflanzenöl — es sollte so viel sein, dass die Teigstücke frei von allen Seiten schwimmend frittiert werden und nicht nur auf einer Seite anbräunen. Das Öl wird gut erhitzt, aber eine Überhitzung wird vermieden: Die optimale Frittiertemperatur liegt bei etwa 170–180 Grad. Wer kein Küchenthermometer hat, kann ein kleines Teigstück ins Öl geben: Es sollten Blasen aufsteigen und sich allmählich eine goldbraune Kruste bilden. Die Verguny werden in kleinen Portionen hineingegeben und von beiden Seiten goldbraun frittiert, wobei sie regelmäßig gewendet werden. Es ist von entscheidender Bedeutung, nicht zu viel Teig auf einmal in die Pfanne zu geben: Das senkt die Öltemperatur drastisch, und die „Hrustyki“ beginnen, überschüssiges Fett aufzusaugen. Die fertigen Verguny legt man auf Papiertücher, um überschüssiges Öl zu entfernen, lässt sie leicht abkühlen und bestäubt sie nach Wunsch mit Puderzucker.

Servieren und Geschmackserhalt

Seinen besten Geschmack entfaltet das Hausgebäck warm oder bei Raumtemperatur — zu Tee, Kaffee, Milch oder der Lieblingsmarmelade. Das Rezept ist besonders wertvoll, da es keine Hefe und kein langes Warten erfordert: Nur wenige einfache Zutaten und etwas Zeit — und schon steht duftendes Hausgebäck auf dem Tisch, das die Kaffeerunde der Familie perfekt ergänzt. Zu den Allergenen im Rezept gehören Eier, Milchprodukte (Kefir) und Weizen (Gluten), was bei der Bewirtung von Gästen mit Ernährungseinschränkungen berücksichtigt werden sollte. Kefir-Verguny sind nicht nur ein Dessert, sondern ein kleines Ritual, das Generationen verbindet und eine gewöhnliche Küche in einen Ort verwandelt, der nach Kindheit duftet.