Der ehemalige Sonderbeauftragte von US-Präsident Donald Trump, Keith Kellogg, erklärte in einem Interview mit der Journalistin Natalja Mosseitschuk, das von RBC-Ukraine veröffentlicht wurde, dass ein schnelles Ende des russisch-ukrainischen Krieges nicht zu erwarten sei, da Wladimir Putin seiner Einschätzung nach diesen „einfach nicht beenden“ wolle. Der Diplomat räumte ein, dass er noch am Unabhängigkeitstag der Ukraine im vergangenen Jahr geglaubt hatte, der Konflikt werde innerhalb eines Jahres enden – diese Prognose habe sich jedoch nicht erfüllt. „Das Problem dieses Krieges ist, dass Putin ihn einfach nicht beenden will. Er hatte zahlreiche Möglichkeiten und Gipfeltreffen, wie wir sie nennen, um aufzuhören und den Konflikt einzufrieren“, betonte Kellogg. Seiner Ansicht nach habe die Ukraine „unglaubliche Arbeit“ geleistet, um die russische Aggression abzuwehren, doch der Kremlchef werde, so der ehemalige Sondergesandte, nicht aufhören, bis er nicht nur die Region Luhansk, sondern auch die Regionen Odessa und Saporischschja eingenommen habe. Die Krim, erinnerte Kellogg, kontrolliere Russland bereits.
„Das wird ihm niemand umsonst überlassen“: Die territorialen Ambitionen des Kremls
Kellogg wies ausdrücklich auf konkrete Regionen hin, die seiner Einschätzung nach zu den Prioritäten Moskaus zählen. Neben der bereits teilweise besetzten Region Luhansk und der Krim nannte der General die Regionen Odessa und Saporischschja als Ziele weiterer Expansion. „Ich habe immer betont: Wenn er das will, muss er dafür kämpfen. Umsonst wird ihm das niemand überlassen“, erklärte der ehemalige Sondergesandte. Damit beschrieb Kellogg faktisch ein Szenario, in dem Russland nicht bei den derzeit besetzten Gebieten stehen bleibt, sondern den Vormarsch in Richtung Süden und Südosten der Ukraine fortsetzt. Diese Warnung deckt sich mit dem, was zuvor auch andere amerikanische Militär- und Diplomatiequellen betont hatten, wonach der Kreml die Kontrolle über die Küstenregionen als strategische Priorität betrachtet.
Historische Analogie zu Hitler und dem Sudetenland
Besondere Aufmerksamkeit verdient der historische Vergleich, den Kellogg im Interview anführte. Seinen Worten zufolge beunruhige ihn „immer die Analogie zum Zweiten Weltkrieg, als Adolf Hitler den Briten sagte, er brauche nur das Sudetenland der Tschechoslowakei. Und die Briten antworteten: Aber wir haben doch jetzt Frieden. Wie sehr sie sich irrten!“ Der Experte betonte, dass er Putins Aussagen über „begrenzte Ziele“ nicht glaube und nicht daran glaube, dass der russische Führer aufhören werde, sobald er einen Teil der Gebiete erhalte. Im Gegenteil: Kellogg sei überzeugt, dass Moskau bestrebt sein werde, weiter voranzudringen. „Auf Ihre Frage direkt geantwortet, weiß ich es nicht [wann der Krieg endet]. Putin muss sich doch eingestehen, dass er diesen Krieg nicht gewinnen kann. Einfach nicht. Das muss sich in seinem Bewusstsein verankern“, erläuterte der Diplomat. Dabei fügte er hinzu, dass der Konflikt umso länger dauere, umso mehr dies auf Seiten der Ukraine wirke, da sich mit der Zeit im Kreml die Erkenntnis bilde, dass ein militärischer Sieg unmöglich sei.
Die Position der USA in der UN: „Es gibt keine militärische Lösung“
Angesichts der Aussagen Kelloggs rief der stellvertretende ständige Vertreter der USA bei den Vereinten Nationen, Dan Negrea, während einer Sitzung des Sicherheitsrats Russland und die Ukraine auf, Angriffe auf zivile Objekte zu beenden und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Seinen Worten zufolge betone Washington, dass es keine militärische Lösung des Konflikts gebe, und die USA seien bereit, friedliche Verhandlungen zu unterstützen. Diese Position stimmt formal mit der Rhetorik Kelloggs überein, der trotz seiner harschen Bewertung der Absichten Putins eine diplomatische Spur nicht ausschließt und die Rolle der europäischen Länder unterstreicht, die, so seine Worte, „die Herausforderung angenommen und die Ukraine nicht nur für den Westen, sondern für die ganze Welt unterstützen“.
Wirtschaftlicher Kontext: Was Millionen Ukrainer aus dem Ausland zurückbringen wird
Parallel zu den Debatten über die Aussichten auf eine Waffenruhe, wie RBC-Ukraine berichtet, diskutieren Ökonomen, welches Wirtschaftsmodell Millionen Ukrainer aus dem Ausland zurückbringen könnte. Nach Einschätzung der Experten reichen allein hohe Gehälter nicht aus – erforderlich seien Sicherheit, bezahlbarer Wohnraum und Arbeit im erlernten Beruf. Dieser Faktor wird im Wesentlichen zu einem zusätzlichen Argument für den anhaltenden Charakter des Konflikts: Solange keine Sicherheit gewährleistet ist, bleibt das demografische und wirtschaftliche Potenzial der Ukraine teilweise „eingefroren“ im Ausland, was die langfristigen Aussichten des Wiederaufbaus des Landes beeinflusst.