Die Agrartechnologie-Unternehmen «Kernel» hat über den Abschluss einer Schlüsselphase der Validierung seines Kohlenstoffprojekts nach dem internationalen Standard Verified Carbon Standard (VCS) berichtet, der von der Organisation Verra verwaltet wird. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf eine Erklärung des Unternehmens selbst. Die Feldprüfung war eine der strengsten Phasen der Vorbereitung eines Kohlenstoffprojekts: Ein unabhängiger Auditor reiste vor Ort und bewertete, wie die Klimamaßnahmen in der Praxis und nicht nur in Berichten angewendet werden. Für den ukrainischen Agrarsektor, der unter Bedingungen eines großangelegten Krieges arbeitet, wird dieses Ereignis als Nachweis der Einhaltung globaler Klimastandards positioniert.

Was genau hat der Verra-Auditor geprüft

Der unabhängige Auditor besuchte 11 Felder des Clusters «Druzhba-Nowa» in der Oblast Tschernihiw, um die Anwendung der Klimamaßnahmen vor Ort zu überprüfen. Während des Besuchs führte der Experte eine Reihe von Interviews mit der agronomischen Dienstleistung und der Cluster-Führung durch und bewertete zudem die Bodenbearbeitungstechnologien, das System zur Erfassung und zum Nachweis von Daten, die Arbeit des Labors und die agronomische Kontrolle. Nach Angaben des Unternehmens hob der Auditor am Ende der Prüfung das hohe Niveau des Projektmanagements und die Genauigkeit der Feldanalyse hervor, auf der die Berechnung der Kohlenstoffspeicherung im Boden basiert.

Bewertung durch Sylvera und die Rolle von Sentinel Earth

Gleichzeitig wurde das Projekt in die Bewertung der führenden internationalen Ratingagentur für Kohlenstoffmärkte, Sylvera, in der Kategorie pre-issuance, also vor der Ausgabe der ersten Zertifikate, aufgenommen. Laut Unternehmensangaben zeugt dies von der hohen Datenqualität und Transparenz der Vorbereitung. Das Projekt wird von «Kernel» gemeinsam mit Sentinel Earth auf einer Fläche von 15.000 ha in der Oblast Tschernihiw umgesetzt: Das Unternehmen ändert bestimmte Ansätze der Bodenbearbeitung, um Emissionen zu senken und die Kohlenstoffspeicherung im Boden zu erhöhen. Sentinel Earth ist laut Beschreibung auf die Entwicklung und Begleitung von Kohlenstoffprojekten spezialisiert – von der Potenzialbewertung und Methodologieauswahl bis hin zur Validierung und Kommerzialisierung von Kohlenstoffzertifikaten.

Was als Nächstes kommt: Registrierung und Ausgabe der Zertifikate

Die Entscheidung über die finale Validierung und Registrierung des Projekts bei Verra wird im Januar erwartet. Danach erhält «Kernel» das Recht, verifizierte Kohlenstoffzertifikate internationalen Formats auszugeben. Eine Erinnerung an die Rolle der Institutionen: Verra verwaltet den VCS-Standard, nach dem die Einhaltung der festgelegten Anforderungen von Kohlenstoffprojekten und die Zuverlässigkeit der behaupteten Emissionsminderung oder -absorption unabhängig geprüft werden, während Sylvera die Qualität von Projekten und Zertifikaten bewertet – insbesondere die Zuverlässigkeit der Berechnungen und die Beständigkeit des behaupteten Klimaeffekts; diese Ratings werden von Unternehmen und Investoren bei der Bewertung von Kohlenstoffaktiven genutzt.

Widersprüchliche Daten

In den Formulierungen zweier ukrainischer Medien gibt es eine Abweichung darüber, in welcher Phase sich der Prozess befindet. RBC-Ukraine und das Unternehmen selbst sprechen davon, dass «Kernel» den Verra-Audit bestanden und eine Schlüsselphase der Validierung durchlaufen hat. Gleichzeitig beschreibt die Überschrift von Interfax das Ereignis als Beginn eines internationalen Audits nach dem Verra-Standard für die Ausgabe eigener Kohlenstoffzertifikate. Dies kann eine unterschiedliche Chronologie der Veröffentlichungen widerspiegeln (Interfax dokumentierte vermutlich den Start des Verfahrens, RBC – seine abschließende Phase), jedoch wird in den öffentlichen Quellen kein einheitliches genaues Datum der Feldprüfung angegeben, was eine Unstimmigkeit in der Beschreibung der aktuellen Phase hinterlässt.

Bedeutung für den ukrainischen Agrarsektor

Die Leiterin des Bereichs nachhaltige Entwicklung bei «Kernel», Marta Trofimowa, erklärte, dass es für das Unternehmen wichtig ist, nachzuweisen, dass die Emissionsminderung in der Landwirtschaft klar messbar und belegbar ist, und da «Kernel» diese Maßnahmen auf eigenen Feldern umsetzt, ist es sowohl für das Ergebnis als auch für die Datenqualität verantwortlich. In Zukunft soll diese Erfahrung, so ihre Worte, auch anderen ukrainischen Agrarproduzenten den Weg zu internationalen Klimainvestitionen eröffnen. Das Unternehmen betont, dass das Feldaudit bestätigt hat, dass die ukrainische Agrarproduktion selbst während des Krieges nach strengen internationalen Klimastandards arbeiten kann.