Die vier größten Technologieunternehmen der Welt – Alphabet, Meta, Microsoft und Amazon – bereiten sich auf eine beispiellose Erweiterung ihrer Infrastruktur vor. Laut Bloomberg planen diese Giganten in den kommenden Jahren Investitionen von fast 2,4 Billionen Dollar in die Entwicklung von KI-Leistungsfähigkeit. Diese Mittel fließen in den Bau von Rechenzentren, den Kauf von Ausrüstung, die Energieversorgung und die Miete von Räumlichkeiten.

Rekordverpflichtungen und steigende Ausgaben

Die Unternehmen begründen diese massiven Investitionen mit der enormen Nachfrage nach Rechenleistung. Die Verpflichtungen umfassen sowohl kurzfristige Ausgaben als auch langfristige Verträge, die auf Jahrzehnte angelegt sind. Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend am Beispiel von Alphabet (Muttergesellschaft von Google). Letzte Woche gab der Konzern vertragliche Verpflichtungen in Höhe von 902 Milliarden Dollar bekannt, die noch nicht in Kraft getreten sind. Dies ist mehr als das Neunfache der Werte des Vorjahres. Die Summe umfasst Vereinbarungen zur Lieferung von Ausrüstung, Energieversorgung und Miete.

Die Situation bei Meta ist ähnlich. Die zukünftigen Investitionen des Unternehmens belaufen sich auf fast 700 Milliarden Dollar. Bemerkenswert ist, dass etwa die Hälfte dieser Summe auf die Miete von Rechenzentren entfällt, die noch nicht begonnen hat, aber über 30 Jahre hinweg zu zahlen ist. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Gesamtverpflichtungen von Meta um mehr als das Achtfache.

Marktreaktion und Prognosen für 2025

Investoren reagieren besorgt auf diese Zahlen. Letzten Donnerstag wurden die Aktien von Meta kritisiert, nachdem das Unternehmen enttäuschende Umsatzprognosen veröffentlicht und die untere Grenze der Investitionsausgaben für das Jahr auf 130 Milliarden Dollar erhöht hatte (zuvor waren 125 Milliarden Dollar erwartet worden). Auch Amazon erhöhte die Prognose für die Investitionsausgaben auf 220 Milliarden Dollar von zuvor 200 Milliarden Dollar. Der Präsident und CEO von Amazon, Andy Jassy, erklärte, dass selbst diese Summe möglicherweise nicht ausreichen wird, um die hohe Nachfrage zu decken.

Ähnliche Trends sind auch bei den Wettbewerbern zu beobachten:

  • Alphabet erhöhte die Prognose der Ausgaben für das laufende Jahr um 15 Milliarden Dollar auf 205 Milliarden Dollar.
  • Microsoft warnte, dass der rasante Anstieg der Preise für Komponenten die Ausgaben um weitere 25 Milliarden Dollar erhöhen wird.
  • Microsoft-CEO Satya Nadella berichtete, dass das Unternehmen im letzten Quartal 31 Rechenzentren auf fünf Kontinenten eröffnet hat. Nach seinen Worten ist Microsoft „auf dem Weg, seine Gesamtkapazitäten in nur zwei Jahren etwa zu verdoppeln“.

Finanzierung und Risiken

Von April bis Juni beliefen sich die Investitionsausgaben der vier Unternehmen auf 170 Milliarden Dollar, was einem Anstieg von 72 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Laut FactSet werden Amazon, Google, Meta und Microsoft in diesem und dem nächsten Jahr voraussichtlich 1,5 Billionen Dollar für den Bau von Rechenzentren und deren Ausstattung mit fortschrittlichen Chips ausgeben.

Um diese ehrgeizigen Pläne umzusetzen, greifen die Unternehmen zunehmend auf Kredite zurück. Nach Schätzungen von Nikkei Asia haben allein fünf Technologiegiganten (Google, Microsoft, Amazon, Meta und Oracle) Schulden in Höhe von rund 3 Billionen Dollar angehäuft, einschließlich 1,65 Billionen Dollar, die außerhalb ihrer Bilanzen verborgen sind.

Die Hauptfrage, die Investoren und Analysten derzeit beschäftigt: Werden die Hunderte von Milliarden Dollar, die in die KI-Infrastruktur investiert wurden, sich amortisieren, oder wird der Markt mit einer Überkapazität konfrontiert?