Die Zahl der getroffenen feindlichen Ziele unter Einsatz von Künstlicher-Intelligenz-Technologien zur Nachführung ist in der Ukraine seit Beginn des Jahres 2026 um etwa das Zehnfache gestiegen. Vor diesem Hintergrund hat das Unternehmen Brave1 gemeinsam mit dem Hauptamt für Bewaffnung und Militärtechnik des Verteidigungsministeriums den ersten großflächigen Test von Modulen zur automatischen Nachführung auf bewegte Bodenziele durchgeführt, wobei alle Teilnehmer nach einem einheitlichen Szenario handelten. Laut Angaben der Organisatoren zielt die Initiative darauf ab, die Technologien der KI- und Machine-Vision-basierten automatischen Nachführung so weit wie möglich in den militärischen Einheiten zu verbreiten und die autonome Zielansteuerung von einer experimentellen Funktion zu einem regulären Bestandteil des Kampfeinsatzes von unbemannten Systemen zu machen.
Einheitliches Szenario: zwei Kilometer und ein autonomer Treffer
Am Test nahmen Multikopter-Drohnen mit einer Größe ab 10 Zoll und einer Nutzlast von mindestens 2 kg teil. Gemäß den Szenariobedingungen musste die Drohne eine Distanz von 2 Kilometern überwinden, eine bewegte Ziel aus einer Entfernung von mehr als 500 Metern erfassen und sie vollständig autonom treffen – ohne jegliches Eingreifen des Piloten, der im Moment des Angriffs die Hände vom Steuerpult nahm. Dieser Ansatz ermöglichte es, nicht nur die „Unterstützung“ des Operators, sondern die tatsächliche Fähigkeit des Systems zu prüfen, ein Ziel eigenständig zu verfolgen und den Treffer abzuschließen – eine Schlüsselvoraussetzung für den Einsatz unter Bedingungen, in denen die Verbindung zum Operator verloren gehen oder überlastet sein kann.
Ergebnisse: Sechs von sieben Unternehmen haben den Test bestanden
Jedes Teilnehmer-Team hatte bis zu drei Versuche, und der Test galt als bestanden, wenn das Ziel mindestens zweimal von drei Versuchen getroffen wurde. Am Ende der Prüfung haben sechs der sieben teilnehmenden Unternehmen das Szenario erfolgreich gemeistert und Empfehlungen für den Einkauf der entsprechenden Module erhalten. Die Organisatoren betonten, dass die strenge Schwelle „zwei von drei“ gewählt wurde, um zuverlässig funktionierende Lösungen von Demonstrationsmustern zu trennen, die ein Ziel nur unter idealen Bedingungen treffen können. Die Erteilung von Einkaufsempfehlungen bedeutet, dass die bestandenen Module in die tatsächlichen Lieferungen an die Einheiten aufgenommen werden können.
„Schahed“-Abfangdrohnen erreichen ein neues Autonomielevel
Das Thema der autonomen KI-Nachführung geht 2026 über die Bodenangriffsdrohnen hinaus und entwickelt sich aktiv in anderen Segmenten der unbemannten Systeme weiter. Insbesondere setzen Abfangdrohnen, die zur Bekämpfung von „Schahed“-Drohnen eingesetzt werden, zunehmend auf ein System der automatischen Nachführung: Nach dem Erfassen des Ziels durch den Operator steuert die Abfangdrohne eigenständig auf die feindliche Drohne zu. Dies ermöglicht dem Gerät, das Ziel auch unter schwierigen Wetterbedingungen, bei aktiver Einwirkung von elektronischen Kampfmitteln oder bei möglicher menschlicher Ungenauigkeit zu erreichen – was angesichts massiver Drohnenangriffe für die Luftverteidigung von entscheidender Bedeutung ist.
Modulare FPV-Drohnen und Anpassungsfähigkeit an die Front
Während einer jüngsten Online-Präsentation von Verteidigungstechnologien stellte Brave1 eine Reihe neuer Lösungen für FPV-Drohnen vor, darunter Module zur Nachführung und Zielerkennung sowie die ersten modularen FPV-Drohnen mit variablen Frequenzen und Blöcken. Diese Architektur ermöglicht es, das Gerät schnell an die sich ändernde Lage an der Front anzupassen – den Frequenzbereich bei der Gegenmaßnahmen gegen elektronische Kriegsführung zu wechseln oder die Blockkonfiguration an eine konkrete Aufgabe anzupassen. Die Gesamtheit dieser Lösungen deutet auf einen Übergang von einzelnen „intelligenten“ Modulen hin zu einer flexiblen Plattform-Ökosystem, in dem die autonome Zielansteuerung zur Standardoption und nicht zu einem experimentellen Add-on wird.
Wer trifft die Entscheidung über den Einsatz
Brave1 betonte ausdrücklich, dass die Entscheidung über die Anwendung der Funktion zur automatischen Nachführung während konkreter Missionen unmittelbar von den Militärangehörigen selbst getroffen wird. Die Technologie positioniert sich somit als Werkzeug, das die Möglichkeiten des Operators erweitert, und nicht als System, das eigenständig Kampfbeschlüsse fasst. Diese Einschränkung ist aus der Perspektive der Einsatzdoktrin wichtig: Die Autonomie ist auf die Phase der Nachführung nach der Erfassung des Ziels durch den Menschen beschränkt, was dem Militärangehörigen die endgültige Kontrolle über den Treffer erhält.