Der Stadtrat von Kiew hat in einer Plenarsitzung beschlossen, den Gesamttarif für Wasserversorgung und Abwasserentsorgung auf 63,79 Hrywnja pro Kubikmeter anzuheben. Damit werden die Kiewer ab dem neuen Abrechnungszeitraum mehr als das Doppelte für Wasser und Kanalisation zahlen wie zuvor. Die Entscheidung wurde während der Übertragung der Sitzung verkündet, wie RBC-Ukraine zitiert, und von mehreren ukrainischen Medien bestätigt.

Was sich genau in den Rechnungen geändert hat

Bevor die Erhöhung erfolgte, belief sich der Gesamttarif für Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Kiew auf 30,38 Hrywnja pro Kubikmeter, davon entfielen 16,16 Hrywnja (inkl. MwSt.) auf die Wasserversorgung und 14,22 Hrywnja (inkl. MwSt.) auf die Abwasserentsorgung. Der neue Wert von 63,79 Hrywnja pro Kubikmeter bedeutet einen Anstieg um 110 % gegenüber dem vorherigen Niveau. Für eine typische Dreipersonen-Familie, die etwa 15 Kubikmeter Wasser pro Monat verbraucht, erhöht sich der monatliche Aufwand um rund 500 Hrywnja.

Begründung durch Bürgermeister Klytschko

Der Bürgermeister von Kiew, Witali Klytschko, betonte bei der Kommentierung des Beschlusses des Stadtrats, dass die Nationale Kommission für Regulierung in den Bereichen Energie und kommunale Dienste (NKRiTKU) bereits 2024 eine Tarifanhebung empfohlen habe. „Die Wasserversorgungsbranche befand sich faktisch am Rand des Überlebens. Wir werden keine wirtschaftlich gerechtfertigten Tarife für die Bevölkerung einführen. Aber der Wasserpreis kann nicht auf dem bisherigen Niveau bleiben“, erklärte Klytschko in der Plenarsitzung. Seinen Worten zufolge überwälzt die Stadt die volle wirtschaftliche Last bewusst nicht auf die Verbraucher, doch ein weiteres Festhalten an den alten Preisen mache ein normales Funktionieren des Wasserversorgungsunternehmens unmöglich.

Kontext: Was in der gesamten Ukraine geschieht

Die kiewische Entscheidung ist keine Einzelfall. Wie RBC-Ukraine bereits berichtete, sind seit dem 1. Juli 2026 in vielen ukrainischen Städten die Tarife für die zentrale Wasserversorgung und Abwasserentsorgung gestiegen: In den meisten Fällen haben sich die Dienstleistungen verdoppelt, in einzelnen Regionen sogar verdreifacht, gemessen an den Tarifen, die seit 2022 nicht überarbeitet worden waren. Auch in Charkiw ist eine Überarbeitung der Tarife für die zentrale Wasserversorgung und Abwasserentsorgung angekündigt, die in zwei Etappen erfolgen soll. Damit fügt sich die kiewische Erhöhung in einen landesweiten Trend des nachholenden Überprüfens der Kommunalpreise nach einer mehrjährigen Moratoriumsphase ein.

Widersprüchliche Daten

In Veröffentlichungen mehrerer Medien (RBC-Ukraine, KP) wird die Erhöhung als „Verdopplung“ des Tarifs beschrieben. Mathematisch beträgt der Anstieg von 30,38 auf 63,79 Hrywnja 110 %, also etwas mehr als das Doppelte. Der Unterschied zwischen der Formulierung „das Doppelte“ und dem tatsächlichen Anstieg um 110 % ist gering, doch für ein genaues Verständnis der Belastung des Haushaltsbudgets ist die konkrete Zahl von 63,79 Hrywnja entscheidend. Außerdem beruft sich Klytschko auf eine Empfehlung der NKRiTKU aus dem Jahr 2024, während die eigentliche Abstimmung des Stadtrats erst im September 2026 stattfand — die zweijährige Lücke zwischen der regulatorischen Empfehlung und der politischen Entscheidung bleibt seitens der Stadtverwaltung ohne öffentliche Erklärung.

Die weitere Beobachtung wird zeigen, ob der kiewische Beschluss in den Verwaltungsgerichten angefochten wird und wie die NKRiTKU darauf reagiert, dass die Stadt nicht auf „wirtschaftlich gerechtfertigte“ Tarife umgestellt, sondern sich auf eine Zwischenanhebung beschränkt hat.