Am 23. September 2026 wurden infolge eines russischen Angriffs auf die Infrastruktur Kiews gleich drei Rechenzentren beschädigt, in denen die Ausrüstung lokaler Internetanbieter untergebracht war. Laut Angaben, die Mitgründer und CEO des Unternehmens Adaptis, Nikolai Kalinitschenko, in einem Kommentar für RBC-Ukraine machte, traten bei etwa 100.000 Haushalten der Hauptstadt und der Oblast Kiew Probleme mit der Internetverbindung auf. Der Experte betonte: Wenn der Schaden auf Ebene des Anbieterknotens entstanden ist, kann selbst ein aufgeladener Powerbank den Internetzugang für den Endnutzer nicht wiederherstellen. Die Geschwindigkeit der Wiederherstellung der Verbindung hänge, so seine Worte, weitgehend vom Zustand der Ausrüstung außerhalb der Wohnräume ab.

Mobilfunk als erste Reserve

Während die Techniker der Anbieter an der Reparatur des beschädigten Netzes arbeiten, nannte Kalinitschenko den Mobilfunk als schnellste verfügbare Option zur Wiederherstellung der Verbindung. Der Experte empfiehlt Nutzern, den mobilen Datenhotspot am Smartphone zu aktivieren und bei instabiler Verbindung auf einen anderen Mobilfunkanbieter umzusteigen. Gleichzeitig warnt er: Bei großflächigen Ausfällen können die Mobilfunknetze überlastet sein, und die zweite SIM-Karte oder eSIM garantiert keinen stabilen Internetzugang. Dennoch sollte die Reserve-SIM-Karte oder eSIM im Voraus aktiviert und genau in jener Wohnung oder jenem Büro getestet werden, in dem sie im Notfall verwendet werden soll.

GPON: Glasfaser, die unabhängig von Strom ist

Für die Vorbereitung der Heimverbindung auf mögliche Wiederholungen von Vorfällen rät Kalinitschenko, im Voraus beim eigenen Anbieter zu klären, ob ein Anschluss nach GPON-Technologie verfügbar ist und wie die Stromversorgung der entsprechenden Ausrüstung sichergestellt wird. „GPON ist ein Glasfaseranschluss mit passiver Zwischentechnik, die keinen Strom benötigt. Zu Hause muss in der Regel nur der Router und der optische Terminal, an dem das Kabel angeschlossen ist, mit Strom versorgt werden“, erläuterte der Experte. Diese Option ermöglicht es, auch bei Stromausfällen online zu bleiben, allerdings hängt ihre Funktionsfähigkeit weiterhin von der Integrität der Leitung und dem Betrieb des Anbieterknotens ab.

Wi-Fi Calling und Satellitenkommunikation

Ein weiteres Instrument, das in einer Notsituation nützlich sein kann, nannte Kalinitschenko die Funktion Wi-Fi Calling. Sie ermöglicht es, über eine Wi-Fi-Verbindung von der eigenen Nummer aus anzurufen, wenn kein Mobilfunkempfang vorhanden ist. Die Unterstützung dieser Funktion hängt vom Smartphone-Modell und dem jeweiligen Mobilfunkanbieter ab. Der Experte betont einen wichtigen Punkt: Wenn der Heimanschluss infolge der Beschädigung eines Rechenzentrums verloren gegangen ist, stellt die Aktivierung von Wi-Fi Calling das Internet nicht wieder her – sie gewährleistet lediglich die Sprachkommunikation über die bereits vorhandene Wi-Fi-Verbindung.

Satelliteninternet, insbesondere Starlink, betrachtet der Experte als zusätzlichen Anschluss, der die Kabelstrecke des lokalen Anbieters nicht nutzt. Für seinen Betrieb sind jedoch eine stabile Stromversorgung und eine freie Sicht auf den Himmel erforderlich: Nachbargebäude oder Bäume können die Verbindung unterbrechen. Kalinitschenko empfiehlt, vor dem Kauf eines Terminals den Aufstellungsort zu prüfen und nach der Inbetriebnahme die Funktionsfähigkeit der Ausrüstung unter realen Bedingungen zu testen. Die Reserveverbindung sollte, so seine Worte, im Voraus, noch bevor eine Notsituation eintritt, eingerichtet werden, um sicherzustellen, dass die gewählte Option für das konkrete Haus, die Wohnung oder das Büro geeignet ist.

Die Hauptstadt vollständig abschalten ist unmöglich

Trotz des Umfangs der Schäden gelingt es nicht, Kiew mit solchen Angriffen vollständig vom Internet abzuschneiden: Bei den ukrainischen Betreibern sind Reservekanäle der Kommunikation vorgesehen. Dennoch hat der Vorfall vom 23. September erneut die Verwundbarkeit der kritischen digitalen Infrastruktur und die Notwendigkeit gezeigt, dass jeder Nutzer im Voraus eine getestete Reserveverbindungsmöglichkeit bereithalten sollte.