Im Vorfeld des für den 10. November 2026 in Abu Dhabi geplanten trilateralen Treffens bleiben die Positionen von Kiew und Moskau zur Frage einer Feuerpause weiterhin entgegengesetzt. Laut einem Bericht des Instituts für Kriegsstudien (ISW), auf den sich RBK-Ukrajina beruft, hat die Ukraine ihre Bereitschaft bestätigt, sowohl einen vollständigen als auch einen teilweisen Waffenstillstand zu erörtern, während russische Regierungsvertreter entsprechende Vorschläge konsequent ablehnen und keine Absicht zeigen, ihren militärischen Kurs zu mildern.
Kiew bekräftigt Bereitschaft zu Waffenstillstand
Am 25. Oktober hat Präsident Wolodymyr Selenskyj öffentlich die Bereitschaft der Ukraine zu einer Feuerpause bestätigt. Seinen Angaben zufolge kann es sich dabei sowohl um einen vollständigen Waffenstillstand als auch um Einzelvereinbarungen handeln – insbesondere um ein Moratorium für Angriffe auf die Energieinfrastruktur oder auf Kampfhandlungen im Schwarzen Meer. Damit baut Kiew eine Verhandlungsposition auf, in der die Frage der Deeskalation in mehreren Varianten betrachtet wird, von der vollständigen Einstellung der Kampfhandlungen bis hin zu punktuellen Einschränkungen.
Format und Termin der trilateralen Gespräche
Die Ukraine beabsichtigt, diese Fragen auf die Ebene trilateraler Verhandlungen unter Beteiligung von Vertretern der Ukraine, der USA und Russlands zu bringen. Das Treffen ist für den 10. November 2026 in Abu Dhabi angesetzt. Das Format sieht eine direkte Erörterung der Bedingungen für eine Feuerpause unter Vermittlung Washingtons vor, was die bevorstehende Runde zu einem Schlüsselschritt auf dem diplomatischen Weg macht.
Kreml-Position: Keine Einschränkungen für Militäroperationen
In Moskau hingegen zeigt man keine Bereitschaft, solche Initiativen zu unterstützen. Am 20. Oktober erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow, dass die Fortsetzung der trilateralen Gespräche keine Einschränkungen für Militäroperationen vorsehe, und betonte, dass die russischen Truppen die Kampfhandlungen gegen die Ukraine fortsetzen werden. Am 25. Oktober erklärte Präsidialamtes-Berater Juri Uschakow, dass die Verhandlungen „nicht viel lösen werden“ und äußerte die Vermutung, sie würden ein „Probelauf“ sein. Das ISW weist darauf hin, dass diese Erklärungen die Unveränderlichkeit der Kreml-Position im Vorfeld der Verhandlungen belegen: Ablehnung von Waffenstillstandsvorschlägen.
Mögliche russische Forderungen an die NATO
Über den direkten ukrainischen Strang hinaus könnten die Verhandlungen einen breiteren Themenkreis berühren. Berichten der Tageszeitung The Telegraph zufolge könnte Russland versuchen, die Verhandlungen zur Beendigung des Krieges gegen die Ukraine zu nutzen, um Zugeständnisse von der NATO zu erringen. Insbesondere könnte Wladimir Putin, so die Einschätzung des Blattes, eine Reduzierung der militärischen Präsenz des Bündnisses in Europa auf das Niveau von 1997 fordern, was potenziell den Abzug von NATO-Truppen aus Polen, den baltischen Staaten und Finnland bedeuten würde.
ISW-Einschätzung: Auseinanderklaffen der Positionen bleibt bestehen
Die zusammenfassende Einschätzung des Instituts für Kriegsstudien verweist auf eine anhaltende Kluft: Kiew und Washington unterbreiten Vorschläge für eine vollständige oder teilweise Feuerpause, während russische Vertreter diese ablehnen. Damit bleibt zum Zeitpunkt des Treffens in Abu Dhabi die diplomatische Lücke zwischen den Parteien in der Frage der Deeskalation bestehen, und genau deren Überwindung wird der Haupttest für die kommende Verhandlungsrunde sein.