Am 6. September 2026 fanden in Kiew drei Verhandlungsrunden zwischen der ukrainischen Seite und den US-Sonderbeauftragten Steve Witkoff und Jared Kushner statt. Im Anschluss an das Treffen bezeichnete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf einem Briefing das Gespräch als „sehr sachlich“ und bedankte sich bei den amerikanischen Gästen für ihren Besuch in der Hauptstadt. An den Verhandlungen nahmen zudem Vertreter Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands teil, was laut dem Staatschef die Bedeutung der europäischen Spur im Rahmen des gesamten Vermittlungsprozesses unterstreiche.
Drei Runden und ein Scherz über Patriot
Selenskyj teilte mit, dass an dem Tag genau drei Verhandlungsrunden stattfanden, von denen jede einem bestimmten Themenblock gewidmet war. Auf dem Briefing erlaubte sich der Präsident einen ironischen Ton, indem er sagte, die amerikanischen Vertreter hätten „sogar Besseres geschickt als Patriot-Systeme für unsere Bürger, die sich in der Hauptstadt befinden“, und bat sie, öfter zu kommen. Gleichzeitig betonte er sofort, dass die Frage der Luftabwehr für die Ukraine „außerordentlich wichtig“ bleibe und nicht einen Tag lang von der Tagesordnung falle.
Winterpaket: Luftabwehr, Energie und US-LNG
Zentrales praktisches Thema des Treffens war die Vorbereitung auf die Winterperiode. Selenskyj räumte ein, dass es „derzeit so aussieht“, als würden die Kampfhandlungen auch im Winter weitergehen, und genau in diesem Szenario rechne die Ukraine mit dem sogenannten Winterpaket der Unterstützung. Detailliert seien, so der Präsident, drei Richtungen besprochen worden: die Stärkung der Luftabwehr, die Unterstützung der ukrainischen Energieinfrastruktur und die Sicherung des Zugangs zu erheblichen Mengen an amerikanischem verflüssigtem Erdgas (LNG). „Wir hoffen sehr auf eine solche Unterstützung – sowohl Luftabwehr als auch Energieunterstützung, und Sie wissen, dass wir auf ein erhebliches Volumen und die Möglichkeit der Nutzung von amerikanischem LNG hoffen“, erklärte Selenskyj und fügte hinzu, dass er diese Punkte „absolut detailliert“ mit Witkoff, Kushner und den europäischen Partnern besprochen habe.
Sicherheitsgarantien und wirtschaftliche Erholung
Einen eigenen Verhandlungsbildblock bildeten die Sicherheitsgarantien und die nachkriegsrechtliche Ordnung der Ukraine. Selenskyj betonte, dass es nicht nur um die militärische und sicherheitspolitische Komponente gehe. „Wir sprechen nicht nur über Sicherheitsgarantien, sondern über wirtschaftliche Garantien für die Ukraine – sich erholen, wiederaufbauen“, bemerkte der Präsident. Laut seinen Worten verstehen die Partner den Umfang der Herausforderungen, die das Land nach Beendigung des Konflikts erwarten, und diskutierten bereits jetzt über Mechanismen zu ihrer Lösung. Die ukrainische und die amerikanische Mannschaft bewerteten, so Selenskyj, die Möglichkeiten einer weiteren gemeinsamen Arbeit positiv.
Position der amerikanischen Seite: Kushner über Tempo und „hinter den Kulissen“
Auf dem Briefing wurde Jared Kushner gefragt, ob er ein Ende des Krieges bis zum Winter für möglich halte und ob Wolodymyr Putin dazu bereit sei. Der amerikanische Vertreter antwortete mit einer charakteristischen Einschränkung: Im Falle eines Abkommens sei eine volle Gewissheit über das Ergebnis erst möglich, wenn eine Vereinbarung erzielt worden sei. Laut seinen Worten könne der Prozess sowohl schnell als auch langsam abgeschlossen werden, aber ohne Treffen und Dialog werde kein Fortschritt erzielt. Kushner betonte, dass die amerikanische Seite erhebliche Anstrengungen „hinter den Kulissen“ geleiste, um die geeigneten Bedingungen für eine Vereinbarung zu schaffen, und räumte ein, dass dies eine „sehr schwierige Aufgabe“ sei. Bezüglich der Position Moskaus merkte er an, dass der russische Präsident bestimmte öffentlich erklärte Ziele habe und seiner Meinung nach Russland nach der Lösung der Kriegsfrage auch andere Bestrebungen realisieren könne. Kushner versicherte, dass die USA den konstruktiven Dialog und die Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern fortsetzen würden, die, so seine Worte, aktiv an der Suche nach Wegen zur Förderung der Verhandlungen arbeiteten.
Widersprüchliche Angaben
In den Aussagen der Seiten ist eine gewisse Unstimmigkeit bei der Bewertung der zeitlichen Rahmen gegeben. Selenskyj stellt direkt fest, dass es „derzeit so aussieht“, als werde der Krieg im Winter weitergehen, und formuliert die Forderung nach einem Winterpaket genau in diesem Szenario. Kushner hingegen bestätigt auf die Frage nach der Möglichkeit eines Konfliktendes vor dem Winter weder einen solchen Zeitraum noch widerlegt er ihn, sondern sagt lediglich, dass der Prozess „sowohl schnell als auch langsam“ abgeschlossen werden könne. Damit legt die ukrainische Seite faktisch den Szenario der Fortsetzung der Kampfhandlungen in die Verhandlungstagesordnung, während die amerikanische Seite ihre Formulierungen maximal offen lässt. Darüber hinaus wird in den Materialien einer Reihe ukrainischer Medien (insbesondere 24tv) die Zufriedenheit mit den Ergebnissen der Verhandlungen „in Kiew und Moskau“ erwähnt, was auf eine parallele Spur in der russischen Hauptstadt hinweist; im Text des Selenskyj-Briefings und in den Haupterklärungen Kushners liegt der Akzent jedoch ausschließlich auf dem Kiewer Format. Der Unterschied in den Schwerpunkten könnte damit zusammenhängen, dass die Moskauer Spur als ein separater, nicht öffentlich detaillierter Kanal betrachtet wird.
Ergebnis des Tages war die Bestätigung, dass der Verhandlungsprozess zwischen Kiew, Washington und den europäischen Hauptstädten in eine Phase der sachlichen Ausarbeitung konkreter Pakete übergeht – von der Winterversorgung bis zu den nachkriegsrechtlichen Garantien. Die Seiten einigten sich darin, dass weiterer Fortschritt nur bei Aufrechterhaltung des Rhythmus persönlicher Treffen möglich ist, und laut gegenseitigen Erklärungen bewerten die ukrainische und die amerikanische Mannschaft „die Möglichkeiten weiterer Arbeit positiv“.