Washington reagierte scharf auf die Veröffentlichung der Financial Times über eine angeblich bevorstehende Wechsel der US-Verhandlungsmannschaft für die Ukraine. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Anna Kelly, bezeichnete den Beitrag als „absoluten Fakenews“ und betonte, dass keine Gespräche über eine Übertragung der entsprechenden Befugnisse an den CIA-Direktor geführt würden. Die Erklärung kam vor dem Hintergrund einer Bemühung des Mediums, darzustellen, dass der diplomatische Track zur Ukraine und Russland faktisch in eine Sackgasse geraten sei und einen neuen Impuls benötige.

Rückmeldung im Weißen Haus

Laut RBK-Ukraine erklärte Anna Kelly, dass Präsident Donald Trump Steve Witkoff und Jared Kushner „vollkommen vertraue“, den Verhandlungsprozess im Namen der USA zu führen. „Die ganze Geschichte ist absoluter Fakenews, der von niedrigrangigen anonymen „Quellen“ zugeschrieben wird, die keine Ahnung haben, wovon sie reden. Keiner dieser angeblich stattgefundenen Gespräche findet statt. Sondergesandter Witkoff und Jared Kushner arbeiten weiterhin unglaublich beharrlich an der Erreichung eines Friedensabkommens“, sagte sie. Damit hat die Administration öffentlich festgehalten, dass die Zusammensetzung und die Befugnisse der Verhandlungsführer nicht geändert wurden.

Was die Financial Times berichtete

Zuvor hatte die Financial Times berichtet, dass CIA-Direktor John Ratcliffe eine gewichtigere Rolle in den US-Verhandlungen mit der Ukraine und Russland erhalten könnte. Laut FT versucht Washington auf diese Weise, dem diplomatischen Prozess neuen Impuls zu verleihen, der nach Einschätzung von Quellen seit langem faktisch in einer Sackgasse stecke. Gleichzeitig behielt Witkoff laut der Veröffentlichung voraussichtlich seinen Posten als US-Sonderbeauftragter für Friedensmissionen, der auch die Verhandlungen auf dem Nahen Osten umfasst. Das heißt, laut der Version des Mediums ging es nicht um eine Absetzung, sondern um eine Umverteilung der Rollen innerhalb des Teams.

Widersprüchliche Angaben

Die Versionen beider Seiten weichen im Wesentlichen voneinander ab. Die Financial Times behauptet unter Berufung auf Quellen, dass eine Stärkung der Rolle des CIA-Chefs und eine Reduzierung der Beteiligung von Witkoff und Kushner vorbereitet werde. Das Weiße Haus leugnet den Fakt solcher Gespräche kategorisch und bezeichnet den Beitrag als Produkt „niedrigrangiger anonymer Quellen“. Ein weiteres Widerspruch betrifft das Verfahren der Stellungnahme: FT und einige Beobachter wiesen darauf hin, dass die Administration den Journalisten angeblich die Stellungnahme verweigert habe, während Kelly erklärte, dass das Medium den Beitrag vor dem vereinbarten Termin veröffentlicht habe, weshalb das Weiße Haus schlicht keine Zeit hatte, eine offizielle Position abzugeben. Die Sprecherin warf der FT zudem vor, „sich auf das Niveau einer linken Boulevardzeitung“ herabgelassen zu haben, die kein Interesse an glaubwürdigen Informationen habe.

Kontext des Verhandlungstracks

Vor dem Hintergrund des öffentlichen Konflikts um die Veröffentlichung bleibt eine Tatsache unverändert: Formal, so das Weiße Haus, habe sich die US-Verhandlungsmannschaft für die Ukraine nicht geändert, und Witkoff und Kushner arbeiten weiterhin an einem Friedensabkommen. Der tatsächliche Zustand des diplomatischen Tracks und ob er, wie die Quellen der FT behaupten, in einer Sackgasse steckt oder, wie Washington behauptet, aktiv voranschreitet, bleibt umstritten. Endgültig klären kann diese Frage nur die Dynamik der Verhandlungen selbst in den kommenden Wochen.