Auf der Harhatna-Straße in Kiew stoppte die Streifenpolizei einen Honda-Fahrer, der auf die Anhaltung nicht reagierte und weiter auf dem Bus- und Bahnspurt fuhr. Laut Angaben des Direktors der Streifenpolizei, Alexej Biloschizkyj, veröffentlicht in seinem Telegram-Kanal, verhielten sich Fahrer und Beifahrer nach der Verfolgung und Anhaltung des Fahrzeugs aggressiv, schimpften mit Schimpfworten auf die Beamten und griffen diese zu einem bestimmten Zeitpunkt physisch an. Der Fahrer habe, wie es heißt, den Streifenpolizisten ins Gesicht geschlagen. Für besonderen Resonanz sorgt der Umstand, dass am Steuer ein Mann mit einer Gliedmaßenprothese saß.
Erklärung Biloschizkyjs: „Das gibt kein Recht, jemanden ins Gesicht zu schlagen“
Alexej Biloschizkyj betonte in seiner Stellungnahme, dass die Streifenpolizei die Militärangehörigen zutiefst respektiere und „Schulter an Schulter mit allen Brüdern und Schwestern der Verteidigungskräfte“ diene. Er wies darauf hin, dass auch in den Einheiten der Streifenpolizei viele Verwundete unterschiedlicher Schweregrade dienten. Der Status eines Militärangehörigen oder das Vorhandensein einer Prothese gebe jedoch, so der Direktor, „kein Recht, jemanden ins Gesicht zu schlagen und mit Schimpfworten zu überziehen, schon gar nicht einen Polizisten bei der Erfüllung seiner Dienstpflichten“. Biloschizkyj appellierte an gegenseitigen Respekt und einen normalen Umgang mit „Alltagssituationen“.
Video im Netz und die Frage der Interpretation
Biloschizkyj wies gesondert darauf hin, dass in den sozialen Medien ein Videofragment vom Ort des Vorfalls aktiv verbreitet werde, das, seinen Worten zufolge, „nicht so dargestellt wird, wie es tatsächlich war“. Der Direktor der Streifenpolizei rief die Bürger auf, sich das vollständige Video anzusehen, um sich ein eigenes Bild vom Geschehen zu machen. Die offizielle Position der Strafverfolgungsbehörden legt damit offen zutage, dass im öffentlichen Raum ein verzerrtes Bild des Konflikts geformt wird, in dem die Aggressionsinitiative auf die Polizisten abgewälzt wird.
Widersprüchliche Angaben
In offenen Quellen und sozialen Medien existieren zwei konkurrierende Interpretationen des Vorfalls. Einerseits behaupten Biloschizkyj und die Streifenpolizei, dass gerade der Fahrer und der Beifahrer zuerst Aggression gezeigt hätten, die in physische Gewalt überging, und dass das im Netz verbreitete Video aus dem Kontext gerissen sei. Andererseits betonen eine Reihe von Nutzern und Teile der Medienberichterstattung, dass am Steuer ein Mensch mit einer Prothese saß – vermutlich ein Veteran des Kriegsdienstes –, und stellen den Vorfall als überzogene Reaktion der Strafverfolgungsbehörden dar. Die tatsächlichen Umstände – Anhaltung wegen einer Verkehrsregelverletzung, Verfolgung, aggressives Verhalten und der Schlag ins Gesicht – wurden von Biloschizkyj selbst bestätigt, die Bewertung, wer die „Ursache“ des Konflikts ist, bleibt jedoch Gegenstand der öffentlichen Debatte.
Kontext: Verschärfung der Haftung für Verkehrsregelverstöße
Der Vorfall auf der Harhatna-Straße ereignete sich vor dem Hintergrund der Vorbereitung von Gesetzesänderungen in der Ukraine, die auf eine Verschärfung der Haftung für Verkehrsregelverstöße abzielen. Zuvor hatte Biloschizkyj über Pläne berichtet, die Strafen für Driften, Fahren unter Alkoholeinfluss und Lärmüberschreitung zu verschärfen. Außerdem dementierte die Streifenpolizei die in den Medien aufgetauchte Information, dass die Streifenfahrzeuge „Phantom“ bereits auf den Straßen der Ukraine unterwegs seien. Parallel dazu fuhr am 19. August im Solomenskyj-Bezirk von Kiew ein 23-jähriger Volkswagen-Golf-Fahrer in eine Bushaltestelle, gegen ihn wurde ein Verdacht ausgesprochen. Diese Ereignisse bilden zusammen das Bild einer systematischen Arbeit der Polizei zur Bekämpfung grober Verkehrsregelverstöße in der Hauptstadt.
Reaktion und weitere Schritte
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels ist in den offenen Stellungnahmen Biloschizkyjs keine Information darüber enthalten, ob Protokolle über Verwaltungsdelikte erstellt oder ein Strafverfahren gegen den Honda-Fahrer eingeleitet wurde. Die Streifenpolizei beabsichtigt, wie aus der Erklärung hervorgeht, sich auf die vollständigen Videoaufnahmen vom Tatort für eine objektive Ermittlung zu stützen. Die endgültige rechtliche Qualifikation des Verhaltens beider Seiten wird nach Abschluss der Überprüfung erwartet.