Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte auf einem wöchentlichen Briefing, dass nur Luftabwehrsysteme und keine oberirdischen Schutzbauten in der Lage seien, die kritischen Einrichtungen der Hauptstadt vor russischen Raketen zu schützen. Seinen Angaben zufolge arbeitet im Stadtgebiet seit dem Frühjahr ein Energiestab, der Kiew auf den Winter unter Berücksichtigung möglicher Angriffe auf die Infrastruktur vorbereitet. Der Bürgermeister betonte, dass bei hoher Angriffshäufigkeit genau der Schutzschirm der Luft entscheidet, ob Energie- und kommunale Anlagen wiederhergestellt werden und weiterarbeiten können.

Energiestab und Szenarien-Ausarbeitung

Wie Klitschko mitteilte, ist der Energiestab zur Lebenssicherung der Hauptstadt seit dem Frühjahr im Betrieb und entwickelt Maßnahmen zur Wintervorbereitung unter Einbeziehung möglicher russischer Angriffe. An seiner Arbeit seien laut dem Bürgermeister Experten, Energieversorger, Praktiker und Wissenschaftler beteiligt, die Krisenszenarien und Reaktionsmechanismen ausarbeiten. „Der Stab hat mögliche Maßnahmen für verschiedene Situation Szenarien ausgearbeitet“, stellte er fest und fügte hinzu, dass die Stadtverwaltung verstärkte Angriffe auf die Energiewirtschaft, Wärmeerzeugung und Wasserversorgung berücksichtigt.

Luftabwehr versus Schutzbauten

Eine Kernaussage der Erklärung des Bürgermeisters besteht darin, dass physische Schutzkonstruktionen massiven Angriffen nicht standhalten können. „Wenn gleichzeitig mehrere Raketen oder ein Drohnenschwarm einschlagen, kommen keine Schutzbauten damit klar“, erklärte Klitschko. Er betonte, dass bei einer solchen Angriffsintensität ohne den Schutz wichtiger Objekte durch Luftabwehrsysteme „die Wiederherstellung, der stabile Betrieb und überhaupt die Existenz dieser Objekte stark infrage stehen“. Nach Einschätzung des Stadtoberhaupts hängt die zuverlässige Versorgung mit kommunalen Dienstleistungen somit von einer Kombination aus Schutzkonstruktionen und Luftabwehrmitteln ab, wobei der Luftverteidigung die entscheidende Rolle zukommt.

„Flur-Kabinett“ und Resilienzplan

Gesondert kommentierte Klitschko die Idee der Schaffung eines „Flur-Kabinetts“ zur Unterstützung Kiews. Der Bürgermeister kritisierte diese Initiative und wies darauf hin, dass sie geäußert wurde, nachdem seiner Aussage nach der Resilienzplan der Hauptstadt fast ein halbes Jahr lang nicht genehmigt worden war. „Jemand spricht heute von irgendwelchen ‚Flur-Kabinetten‘ zur Hilfe für Kiew. Das geschieht, nachdem man fast ein halbes Jahr lang den Resilienzplan der Hauptstadt zynisch nicht genehmigt hat! Und diverse ‚Legenden‘ erzählte“, erklärte er. Die Erinnerung an die Notwendigkeit eines solchen beratenden Organs kam zuvor von Präsident Wolodymyr Selenskyj, der vorschlug, ein spezielles Konsultativgremium bei der Regierung einzurichten, um die Lösung kritischer Fragen der Winterbewältigung zu koordinieren.

Kontext: Ausfälle, Äußerungen und Heizperiode

Die Erklärung des Bürgermeisters erfolgte vor dem Hintergrund der Diskussion über den Schutz kritischer Infrastruktur. Der Volunteer Serhij Sternenko hatte zuvor erklärt, dass er einen unzureichenden Schutz der kritischen Infrastruktur in der Oblast Kiew für eine der Ursachen der großflächigen Stromausfälle in Kiew halte, und berichtete über mögliche Verstöße beim Bau von Schutzbauten an elektrischen Unterstationen der Region. Unterdessen schreitet der Anschluss an die Heizung in der Hauptstadt voran: Stand 5. November wurde der Wärmeträger bereits in fast 45 % der Mehrfamilienhäuser der Hauptstadt eingespeist. Der Start des zentralisierten Netzes mit einer Gesamtlänge von rund dreitausend Kilometern begann am 1. November und nimmt laut Kommunalbetrieben etwas mehr als eine Woche in Anspruch, weshalb die Arbeiten voraussichtlich rechtzeitig vor dem Einsetzen starker Kälte begonnen wurden.