TAF Industries hat eine aktualisierte Version der Kampfdrohne „Kolibri 10” Advance auf den Markt gebracht, die mit dem von DOD Solution entwickelten Erkennungs- und automatischen Zielerfassungsmodul AURA AI ausgestattet ist. Nach Angaben des Herstellers erhöht die Lösung die Autonomie der FPV-Drohne durch Algorithmen der künstlichen Intelligenz: Das System erkennt, identifiziert und erfasst das Ziel selbstständig, während der Operator lediglich den Angriff bestätigt, woraufhin das Modul die Verfolgung des Objekts fortsetzt und dessen Zerstörung eigenständig durchführt.

Wie das AURA-AI-Modul funktioniert

Kernstück der Lösung ist ein von DOD Solution selbst entwickelter Einplatinen-Bordcomputer, der für die Ausführung von KI-Algorithmen direkt auf FPV-Drohnen optimiert ist. Physisch handelt es sich um eine zusätzliche Platine im Bordsystem. Das Modul gewährleistet die Erkennung, Identifizierung und Verfolgung sowohl beweglicher als auch stationärer Ziele. Ein entscheidendes Merkmal des Systems ist seine Resistenz gegen die Degradation von Steuerungskanälen: Laut TAF Industries ist die „Kolibri 10” Advance mit AURA AI in der Lage, Kampfeinsätze selbst unter Bedingungen von GPS-Signalverlust, aktiven elektronischen Gegenmaßnahmen (EW) und eingeschränkter oder vollständig fehlender Kommunikation auszuführen.

Reduzierung der kognitiven Belastung des Piloten

TAF Industries betont, dass das KI-Modul dem Piloten in erster Linie dabei hilft, alle potenziellen Bedrohungen und Ziele zu erkennen, indem es diese mit einem Rechteck markiert – im Wesentlichen werden Ziele hervorgehoben, die der Operator möglicherweise übersehen hätte. Als weiteren Vorteil nennt das Unternehmen die Erkennung verschiedener Fahrzeugklassen, was den Piloten von unnötiger kognitiver Belastung entlastet. Auf diese Weise bleibt der Mensch im Entscheidungskreislauf, während routinemäßige Such- und Zielhalteoperationen vom Algorithmus übernommen werden.

Einsatz an der Front und Integrationszeitplan

Nach Angaben, die RBC-Ukraine vorliegen, wurde die „Kolibri 10” Advance mit dem AURA-AI-Modul bereits von Einheiten der 93. separaten mechanisierten Brigade „Cholodny Jar“ und der 3. separaten Sturmbrigade eingesetzt. Vertreter von TAF Industries erklärten zudem, dass die technische Integration von AURA AI in die neue Plattform normalerweise etwa ein bis zwei Wochen dauert, der Prozess im Rahmen der Zusammenarbeit mit TAF Industries jedoch länger dauerte, da die gemeinsame Arbeit neben der direkten Modulinstallation auch andere Phasen der LösungsVorbereitung und -testung umfasste.

Breiterer Kontext: KI als systemisches Element der Kriegführung

Die Einführung der Kolibri mit AURA AI fügt sich in einen größeren Trend ein. Nach Angaben des Pressedienstes des ukrainischen Verteidigungsministeriums setzen Einheiten der Streitkräfte der Ukraine über 70 Systeme auf Basis künstlicher Intelligenz und maschinellen Sehens für Drohnenoperationen ein, und mehr als 200 Unternehmen im Land entwickeln KI-Drohnen; auf dem staatlichen Verteidigungstechnologie-Marktplatz Brave 1 Market stehen dem Militär 46 KI-Entwicklungen zur Verfügung, darunter Systeme zur Zielerkennung, optischen Stabilisierung und automatischen Zielführung. Das Verteidigungsministerium hat sich das Ziel gesetzt, 100 % der Frontdrohnen mit maschinellem Sehen und KI auszustatten, wobei betont wird, dass die endgültige Entscheidung über die Zielauswahl und den Angriff weiterhin beim Menschen liegt. Experten, unter anderem in Berichten von Al Jazeera und Financial Times, beschreiben solche Lösungen als Teil einer Aufklärungs- und Angriffsarchitektur und stellen fest, dass der Krieg in der Ukraine zu einem der wichtigsten Testgelände für militärische künstliche Intelligenz geworden ist, die Angriffe beschleunigt und hilft, elektronische Kriegsführung zu überwinden, gleichzeitig aber auch gewisse Risiken autonomer Systeme mit sich bringt.

Zudem wurde vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen bekannt, dass ein amerikanischer Hersteller erstmals die Produktion von Magura-Seedrohnen angekündigt hat, die während des Krieges in der Ukraine entwickelt und erprobt wurden, während die ukrainische Kampfdrohne „Ljutyj“ zum Raketenträger umgebaut und erstmals auf einer internationalen Messe in England präsentiert wurde.