Der 17. August 2026 wurde zu einem markanten Tag in der Geschichte der jordanisch-chinesischen Beziehungen: König Abdullah II. unternahm seinen ersten Besuch in der Volksrepublik China seit 2015 – und den neunten während seiner gesamten Regierungszeit. Der Besuch, der auf persönliche Einladung des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping stattfand, war keine bloße diplomatische Formalität, sondern ein strategischer Schritt Ammans angesichts wachsender regionaler Instabilität und wirtschaftlicher Herausforderungen.

Diplomatische Mission und wirtschaftliche Ziele

Während seines Aufenthalts in China wird König Abdullah II. eine Reihe von Treffen mit der höchsten Führung Chinas abhalten: Staatspräsident Xi Jinping, Premierminister Li Qiang und dem Sprecher der Nationalen Volksversammlung Zhao Leji. Geplant ist ebenfalls ein Besuch in Shanghai und Shenzhen, den wichtigsten Wirtschaftszentren des Landes. Ziel des Besuchs ist die Vertiefung der bilateralen Zusammenarbeit, insbesondere im Bereich Handel, Investitionen und Infrastruktur. Wie von der jordanischen Königsfamilie bekanntgegeben, wird der König eine Delegation von Wirtschaftsfachleuten anführen, um mit chinesischen Geschäftsführern zu verhandeln. Es ist die Unterzeichnung einer Reihe von Abkommen geplant, die auf die Diversifizierung der jordanischen Wirtschaft und die Verringerung der Abhängigkeit von westlichen Partnern abzielen.

Wirtschaftlicher Kontext: China als Hauptpartner

China ist bereits der größte Handelspartner Jordaniens: Der bilaterale Warenhandel erreichte 6,7 Milliarden US-Dollar, und der Anteil chinesischer Importe macht etwa 20 % des gesamten Importvolumens des Landes aus. Dies macht Peking zu einem kritisch wichtigen Akteur für die Wirtschaft Ammans, insbesondere vor dem Hintergrund steigender Importkosten aufgrund von Störungen im Schiffsverkehr zwischen Ostasien und dem Nahen Osten. Der jordanische Minister für Investitionen, Tarek Abu Gazaleh, betonte, dass das Land bestrebt sei, die Partnerschaft mit China auf ein „breiteres und diversifizierteres Niveau“ zu heben, das den gegenseitigen Interessen dient und die nachhaltige Entwicklung beider Volkswirtschaften unterstützt.

Regionale Spannungen und geopolitisches Gleichgewicht

Der Besuch findet vor dem Hintergrund eines verstärkten Drucks auf die jordanische Wirtschaft aufgrund der Instabilität im Nahen Osten statt. Im Februar 2026 wurde Jordanien iranischen Angriffen ausgesetzt, die teilweise durch die Präsenz amerikanischer Truppen im Land provoziert wurden. Im Juli kamen bei einem Angriff auf eine Luftwaffenbasis im Osten Jordaniens drei US-Soldaten ums Leben. Vor diesem Hintergrund strebt Amman danach, die wirtschaftlichen und handelspolitischen Beziehungen zu China auszubauen, um Risiken zu mindern und neue Unterstützungsquellen zu finden. Gleichzeitig bleibt Jordanien ein langjähriger Verbündeter der USA und ist von der militärischen Hilfe Washingtons abhängig, wo Tausende US-Militärangehörige stationiert sind.

Widersprüchliche Angaben

Es gibt Diskrepanzen bei der Einschätzung des Umfangs des Besuchs. Laut dem chinesischen Außenministerium werden die Führer ihre Ansichten zu bilateralen Beziehungen und regionalen Fragen austauschen, um einen positiven Beitrag zum Frieden und zur Stabilität im Nahen Osten zu leisten. Jordanische Quellen konzentrieren sich jedoch ausschließlich auf wirtschaftliche Aspekte und erwähnen keine politischen oder militärischen Themen. Auch gibt es keine einheitliche Position darüber, ob Abkommen über militärische oder technologische Kooperation unterzeichnet werden – die chinesische Seite bleibt schweigsam, während jordanische Beamte nur von einer „breiten und diversifizierten“ Zusammenarbeit sprechen.

Ausblick und langfristige Bedeutung

Dieser Besuch könnte ein Wendepunkt in der Außenpolitik Jordaniens werden und signalisieren, dass Amman eine ausgewogenere geopolitische Position anstrebt. Die Stärkung der Beziehungen zu China bedeutet nicht den Verzicht auf die Partnerschaft mit den USA, sondern zeigt die Bereitschaft Jordaniens, eine multivektorale Diplomatie einzusetzen, um seine Sicherheit und wirtschaftliche Entwicklung zu gewährleisten. Angesichts der globalen Neugestaltung von Handelsrouten und des verstärkten Wettbewerbs zwischen den Supermächten könnte Jordanien zu einem wichtigen Akteur in der Region werden, der in der Lage ist, zwischen Ost und West zu balancieren.