Unter Kriegsbedingungen und der Notwendigkeit, sich auf die Heizperiode vorzubereiten, wird in der Ukraine die Möglichkeit des Zugangs zum Auslandsmarkt diskutiert. Experten sind der Ansicht, dass ein kontrollierter Export eines Teils des ukrainischen Gases zu einem Schlüsselfaktor für die Entwicklung der Branche werden könnte, indem er privaten Akteuren Mittel für die Modernisierung und das Bohren neuer Bohrungen zur Verfügung stellt.

Balance zwischen Profit und Sicherheit

Wladimir Omelchenko, Direktor der Energieprogramme des Zentrums für wirtschaftliche und politische Forschung Alexander Razumkov, erklärte, dass der Verkauf von Gas ins Ausland streng geregelt sein muss. Der Staat muss den Export nur in solchen Mengen erlauben, die keine Risiken für die Vorbereitung des Landes auf den Winter schaffen.

Ein freier oder unbeschränkter Export ist unter den aktuellen Bedingungen ausgeschlossen. Die Priorität bleibt die Befüllung der unterirdischen Speicher und die Garantie eines stabilen Herbst-Winter-Zeitraums. Nach Ansicht des Experten ist der vom Regierung vorgeschlagene Mechanismus jedoch grundsätzlich akzeptabel, sofern er Fragen der Energiesicherheit berücksichtigt.

Wirtschaftlicher Anreiz für Privatunternehmen

Das Hauptproblem für private Unternehmen ist derzeit der Rückgang der inländischen Nachfrage, was den Absatz der geförderten Ressourcen erschwert. Omelchenko stellt fest, dass die Möglichkeit des Exports dieses Problem lösen und der Branche zusätzliche Mittel bringen könnte.

„Wenn sie mehr Gas verkaufen, exportieren würden, wenn es einen kontrollierten Export gäbe, könnten sie mehr verdienen und mehr in die Steigerung der Förderung und die Vergrößerung der Erdgasreserven investieren', betonte der Experte.

Die schrittweise Öffnung des Marktes könnte das Investitionsklima verbessern, die Belastung für „Naftogaz' und den Staatshaushalt verringern und gleichzeitig die private Förderung unterstützen. Die Aufgabe der Regierung besteht darin, Vor- und Nachteile auszugleichen, um das Geschäft zu stimulieren, ohne der Sicherheit zu schaden.

Aktuelle Kennzahlen und Ziele

Die Situation mit der Gasansammlung im Land sieht positiv aus. Bis zur zweiten Julihälfte wurden in unterirdischen Speichern etwa 13 Milliarden Kubikmeter Gas angesammelt. Das sind 40 % mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Hauptgrund für das Wachstum der Reserven war weniger der Verzicht auf Verbrauch, sondern vielmehr die Steigerung der Fördervolumen.

Die vom Regierung gesetzte Richtlinie von 14,6 Milliarden Kubikmetern hält der Experte für durchaus erreichbar. Prognosen zufolge könnte die Ukraine bis Anfang November mehr als 15 Milliarden Kubikmeter Gas ansammeln, was nach Einschätzung des Kabinetts der Minister für einen komfortablen Verlauf der Heizperiode ausreichen sollte.

Geschichte der Beschränkungen

Wichtig ist zu beachten, dass ein vollständiges Verbot des Exports von Erdgas ukrainischen Ursprungs vom Kabinett der Minister zu Beginn der umfassenden Invasion Russlands im Jahr 2022 eingeführt wurde. Jetzt wird die Möglichkeit einer Rückkehr zum teilweisen Export diskutiert, jedoch nur als ein vom Staat begrenzter und vollständig kontrollierter Mechanismus. Diese Position wurde zuvor auch von Artem Petrenko, Direktor der Vereinigung der ukrainischen Gasförderunternehmen, geäußert.