Der ukrainische Ministerpräsident Serhij Korezkyj hat in seinem Telegram-Kanal die wichtigsten Parameter des Entwurfs des Staatshaushalts für das Jahr 2027 vorgestellt und dabei betont, dass die Finanzierung der Verteidigungskräfte absolute Priorität hat. Laut seinen Angaben sind im Haushaltsentwurf 4 Billionen 885 Milliarden Hrywnia für die Verteidigung vorgesehen – ein Rekordwert in der Geschichte des Landes. Gleichzeitig erklärte Korezkyj offen, dass die tatsächlichen Bedürfnisse der Streitkräfte für 2027 „deutlich höher“ liegen als die im Dokument veranschlagten Zahlen, und dass „der Preis des Krieges steigt“.

Rekordzahlen: Fast 87 % der Haushaltseinnahmen fließen in die Verteidigung

Die Gesamteinnahmen des Staatshaushalts für 2027 sind auf 5 Billionen 648 Milliarden Hrywnia geplant. Das bedeutet, dass die Verteidigungsausgaben (4 885 Mrd. Hrywnia) rund 86–87 % aller geplanten Einnahmen abdecken. Der Ministerrat hat den Gesetzentwurf über den Staatshaushalt 2027 bereits in der Werchowna Rada eingebracht, wo die Finanzierung des Sektors für Sicherheit und Verteidigung als Hauptpriorität bezeichnet wird. Zum Vergleich: Auch im aktuellen Jahr 2026 lagen die Verteidigungsausgaben bereits auf einem historischen Höchststand, doch laut Regierungsangaben wird die Dynamik der Verteuerung militärischer Operationen anhalten.

Stütze durch Partner: Mindestens 1 Billion Hrywnia externe Hilfe

Korezkyj präzisierte, dass ein Teil der benötigten Mittel von den Partnerländern in Form materiell-technischer Hilfe bereitgestellt werden soll. Die Regierung rechnet damit, dass das Volumen dieser Unterstützung mindestens 1 Billion Hrywnia betragen wird. Der Ministerpräsident betonte zudem, dass die Ukraine von ihren Verbündeten für 2027 Hilfe in einem Umfang erwartet, der das aktuelle Jahresniveau übersteigt. Dennoch wird selbst unter Berücksichtigung dieses Beitrags die innere Finanzierung nicht ausreichen, um die Bedürfnisse der Verteidigungskräfte vollständig zu decken, was laut Korezkyj die „Abschlussberechnung exakter Zahlen“ erfordert.

Risiken für Sozialleistungen: Warnung von Marchenko

Der Finanzminister Serhij Marchenko hatte zuvor davor gewarnt, dass die Sozialleistungen an die Bevölkerung verzögert werden könnten, wenn die Werchowna Rada die für die Aufnahme von Finanzmitteln aus der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds nötigen Gesetze nicht verabschiedet. Dies erzeugt zusätzlichen Druck auf den Gesetzgebungsprozess: Das Parlament muss gleichzeitig den rekordhohen Verteidigungshaushalt billigen und die makroökonomischen Bedingungen für den Zustrom externer Mittel sicherstellen. Im Haushaltsentwurf ist zudem eine Gehaltserhöhung für Lehrer und Ärzte verankert, was den Versuch belegt, die militärischen und sozialen Ausgaben angesichts des Defizits auszubalancieren.

Widersprüchliche Daten

In öffentlichen Quellen finden sich mehrere Formulierungen zum Umfang der Verteidigungsausgaben. RBC-Ukraine und die Erklärung Korezkyjs operieren mit der Summe von 4 885 Mrd. Hrywnia. Einige Medien (darunter osnmedia.ru und news.mail.ru) übersetzen diese Zahl in den Dollar-Äquivalentwert – rund 109 Milliarden US-Dollar. Die Abweichung bei der exakten Umrechnung (je nach verwendetem Kurs von 108 bis 110 Milliarden Dollar) ist kein faktischer Widerspruch, birgt jedoch das Risiko einer Verzerrung bei der Zitierung. Darüber hinaus weist Korezkyj darauf hin, dass die 1 Billion Hrywnia externe Hilfe ein berechneter Mindestwert und kein bestätigtes Volumen bereits vereinbarter Verträge ist, was Raum für eine Überarbeitung der Zahlen bis zur endgültigen Haushaltsbilligung lässt.

Zusammenfassend fixiert der Haushaltsentwurf 2027 eine beispiellose Konzentration staatlicher Ressourcen auf den Verteidigungssektor, während gleichzeitig anerkannt wird, dass selbst solche Volumina nicht ausreichen. Die Abschlussberechnung exakter Zahlen, von der laut Ministerpräsident die Anpassung des Dokuments abhängt, wird zum entscheidenden Schritt vor der Abstimmung in der Werchowna Rada.