Die vergangene Woche wurde zu einer echten Prüfung für Halbleiterhersteller. Der Markt, der in den letzten Monaten in der Euphorie über den KI-Boom gelebt hat, begann sich rasch abzukühlen. Investoren auf der ganzen Welt, von Europa bis Asien, stellen die unbequeme Frage: Sind wir zu weit gegangen und können die Unternehmen die Rekordinvestitionen in die KI-Infrastruktur rechtfertigen?

Panik an den Börsen

Die Statistik ist gnadenlos. Der Philadelphia Semiconductor Index, der als Barometer für die Branche dient, verlor in einer Woche etwa 10 %. Betrachtet man das historische Hoch Ende Juni, belief sich der Rückgang auf fast 20 %. Selbst vor dem Hintergrund dieser Korrektur zeigt der Index seit Jahresbeginn immer noch ein Wachstum von mehr als 60 %, doch die Stimmung der Marktteilnehmer hat sich grundlegend geändert.

Die Korrektur verschonte auch andere wichtige Märkte nicht. Der südkoreanische KOSPI-Index, der im vergangenen Jahr um 62 % gestiegen war, ist offiziell in die Phase eines „Bärenmarktes' übergegangen. Der japanische Nikkei ist ebenfalls in eine Korrekturzone eingetreten, und der europäische Technologiesektor, der im zweiten Quartal das beste Ergebnis seit 2001 verzeichnete, gehörte zu den Hauptverlierern der Woche.

Gründe für den Kapitalabfluss

Analysten sind sich einig: Investoren realisieren Gewinne und überarbeiten die Struktur ihrer Portfolios. Chip-Hersteller sind traditionell ein zyklischer Sektor, dessen Aktien immer stark auf kleinste Stimmungsänderungen reagieren. Diesmal waren zwei Faktoren der Auslöser.

Erstens war es die Ankündigung des chinesischen Startups Moonshot, das ein Modell mit offenen Gewichten und einem Volumen von 2,8 Billionen Parametern vorstellte. Dies veranlasste Investoren, die Notwendigkeit milliardenschwerer Ausgaben amerikanischer Giganten für die Entwicklung eigener KI-Modelle zu hinterfragen.

Zweitens war es die Meldung von Bloomberg, dass Google bei der Veröffentlichung seines Flaggschiff-Modells Gemini 3.5 Pro um mehrere Monate hinter dem Zeitplan zurückliegt. Zweifel an dem Tempo der technologischen Entwicklung haben das Vertrauen in eine schnelle Amortisation der Investitionen untergraben.

Wer hat am meisten verloren

Der S&P 500 Momentum Index, der Aktien mit der stärksten Dynamik zusammenfasst, fiel im Juli um 11 %, während der breite Index weniger als 1 % verlor. Der auf Chip-Hersteller ausgerichtete ETF Direxion Daily Semiconductor Bull 3X fiel im Vergleich zum Juni-Hoch mehr als um die Hälfte.

Am Freitag wurde an der Börse ein Rückgang der Aktien der wichtigsten Akteure verzeichnet:

  • Nvidia verlor 2,2 %;
  • Intel verlor 2 %;
  • Applied Materials fiel um 5,6 %;
  • SanDisk — um 4 %.

Besonders hervorzuheben sind die Aktien von SpaceX, die nach der Absage des 13. Testflugs von Starship 5,4 % verloren. Die Aktien von Micron gingen nur unwesentlich zurück — um 0,5 %, und die amerikanischen Depositary Receipts von SK hynix, die zwar unter den Emissionspreis fielen, den Tag am Ende mit einem leichten Plus beendeten.

Erwartungen und Perspektiven

Trotz des Verkaufsrauschs beeilen sich die Marktteilnehmer nicht, den Technologiesektor vollständig zu verlassen. Trader nutzen die aktuelle Korrektur für Käufe, und das Interesse an den Aktien von SK hynix, Micron und SanDisk wird durch „Bullen'-Optionen gestützt. Experten gehen davon aus, dass der Markt einen kurzfristigen Tiefpunkt der Überverkauft erreichen könnte.

Das entscheidende Wort in den nächsten Tagen wird der Quartalsbericht sein. Nächste Woche werden Investoren mit pochendem Herzen auf die Berichte von Alphabet, Tesla und Intel warten. Genau diese Dokumente werden zeigen, wie berechtigt die aktuellen Bedenken des Marktes sind und ob die Branche in der Lage ist, die überhöhten Erwartungen zu erfüllen.