Der Herbst 2024 verspricht, entscheidend für die ukrainische Verteidigung zu werden. Geheimdienste und Experten warnen: Russland bereitet eine Massenmobilisierung vor, die mehr als eine halbe Million Menschen umfassen soll. Diese Daten bestätigte Andrij Kowalenko, Leiter des Zentrums zur Bekämpfung von Desinformation beim Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine.

Strategie des „Stopfens der Löcher' und neue Fronten

Laut den erhaltenen Informationen sieht der Plan der russischen Behörden eine strenge Differenzierung der Mobilisierten vor. Ein erheblicher Teil der Einberufenen – bis zu mehreren zehntausend – wird praktisch sofort, innerhalb der ersten zwei Wochen nach Beginn der Kampagne, an die Front geschickt. Die Hauptaufgabe dieser Welle ist die dringende Schließung von Lücken an der Ostfront, wo die Lage weiterhin angespannt ist.

Die Strategie Moskaus beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Verstärkung der aktuellen Positionen. Eine zweite, größere Gruppe der Mobilisierten wird einen Monat lang ausgebildet. Ziel dieser Phase ist die Bildung von Reserven für die potenzielle Eröffnung neuer Angriffsrichtungen. Kowalenko betonte, dass dies für die Ukraine einen extrem belastenden und schweren Herbst- und Winterzeitraum bedeutet.

Charakter zukünftiger Kämpfe

Experten warnen, dass die ukrainischen Verteidiger in schwierigen Infanterieschlachten standhalten müssen. Der moderne Krieg hat sich weiterentwickelt, und auf dem Schlachtfeld werden nicht nur Menschen, sondern auch komplexe technische Systeme aufeinandertreffen. In der Schlacht werden Drohnen, schwere Artilleriesysteme (KABs) und andere Vernichtungsinstrumente aufeinandertreffen, was vom Personal hohe Ausbildung und psychische Stabilität erfordert.

Politischer Kontext und verdeckte Vorbereitung

Die Entscheidung über eine neue Mobilisierung steht in engem Zusammenhang mit den inneren politischen Prozessen in Russland. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor darauf hingewiesen, dass Moskau den Einberufungsvorgang nach den Wahlen zur Staatsduma intensivieren könnte. Dies würde dem Kreml ermöglichen, die finanziellen Kosten für die Anwerbung von Vertragsleuten zu senken, indem er diese durch kostenlose mobilisierte Kräfte ersetzt.

Auch das Hauptnachrichtendienstamt (HUR) des ukrainischen Verteidigungsministeriums bestätigt, dass Russland verdeckt auf eine allgemeine Mobilisierung zur Fortsetzung des Krieges vorbereitet. Dabei vermeidet die russische Führung öffentliche Erklärungen zu diesem Thema, da sie eine Zunahme der Unzufriedenheit in der Gesellschaft fürchtet.

Druck auf Regionen und Unternehmen

Trotz des offiziellen Schweigens wurden die Mechanismen der Vorbereitung auf die Mobilisierung bereits vor Ort in Gang gesetzt. Es gibt Berichte darüber, dass die Behörden der russischen Regionen beginnen, Druck auf Unternehmer auszuüben. Dem Unternehmen wird angeboten, Mitarbeiter für die Front bereitzustellen. Wenn ein Unternehmen nicht bereit ist, Personal abzugeben, kann ihm eine finanzielle Alternative angeboten werden – die Zahlung sogenannter „Abfindungen', um den Verlust von Personal zu vermeiden.