Im Kreml wurde erstmals in derart offenherziger Form die Möglichkeit eines Wiederaufnehmens der Verhandlungsspur zur Beendigung des Krieges gegen die Ukraine im dreiseitigen Format zugelassen. Wie RBC-Ukraine unter Berufung auf „TASS“ berichtet, erklärte der offizielle Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peschow, dass Moskau „nicht ausschließt, dass im Oktober dreiseitige Verhandlungen zur Ukraine stattfinden“. Die Erklärung erfolgte vor dem Hintergrund, dass Kiew bereits die Bereitschaft zu einer neuen Runde des Dialogs im selben Zeitfenster bestätigt hat, was den Oktober 2026 zum Schlüsselmonat für eine mögliche diplomatische Entspannung macht.
Position des Kremls: „Wir schließen es nicht aus“
Die Formulierung Peschows – „wir schließen es nicht aus“ – bedeutet in der russischen diplomatischen Praxis traditionell, dass keine Entscheidung getroffen wurde, aber die technische und politische Vorbereitung auf einen Kontakt zugelassen ist. Der Kreml-Sprecher nannte weder die Zusammensetzung der Teilnehmer noch das Format (direkt oder über Vermittler) und den Ort des Treffens, sondern beschränkte sich auf die Feststellung des dreiseitigen Charakters möglicher Konsultationen. Dies lässt Spielraum: Moskau kann die Bereitschaft je nach Verlauf der Kampfhandlungen und der Reaktion Washingtons sowohl bestätigen als auch zurückziehen.
Uschakow: Die Forderungen sind „unverändert“
Am selben Tag versuchte der Assistent des russischen Präsidenten, Juri Uschakow, Fragen zu einer angeblichen Verschärfung der Position Moskaus auszuräumen. Nach seinen Worten „bleiben die Forderungen unverändert, es gibt keine Verschärfung“, und die Position des Kremls beschränkt sich darauf, dass diese Forderungen „früher oder später, besser früher, erfüllt wurden“. Damit erklärt Russland faktisch, dass es bereit ist zu verhandeln, aber nur auf der Grundlage der bereits zuvor geäußerten Forderungen und nicht beabsichtigt, sie unter dem Druck des Verhandlungsprozesses zu überdenken.
Position Kiews: Oktober und dreiseitiges Format
Von ukrainischer Seite war das Signal synchron. Am Vortag der Erklärung Peschows teilte der Leiter des Büros des Präsidenten der Ukraine, Kirill Budanow, mit, dass eine neue Runde der Friedensverhandlungen im Oktober 2026 im dreiseitigen Format geplant sei. Auf die Frage eines RBC-Ukraine-Journalisten, ob das Treffen auf dem Nahen Osten stattfinden werde, präzisierte Budanow den Ort der potenziellen Verhandlungen jedoch nicht, was darauf hindeutet, dass Logistik und Ort noch nicht offiziell festgelegt wurden.
Frage der G20 und eines bilateralen Treffens
Eine eigene Dialoglinie bildet der Vorschlag des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, sich im Dezember 2026 auf dem G20-Gipfel öffentlich mit Wladimir Putin zu treffen. Die Reaktion des Kremls auf diese Initiative war kategorisch: Peschow erklärte, ein solches bilaterales Treffen sei „unmöglich“. Damit trennt Moskau das zulässige dreiseitige Format im Oktober von dem aus seiner Sicht unzulässigen bilateralen Kontakt auf der G20-Bühne.
Widersprüchliche Angaben
In den Erklärungen beider Seiten gibt es eine Reihe von Unstimmigkeiten, die zu berücksichtigen sind. Erstens zum Format im Oktober: Kiew spricht von einer „geplanten“ Runde, während Moskau lediglich „nicht ausschließt“, dass sie stattfindet – das Maß der Verpflichtung unterscheidet sich also. Zweitens bleibt der Ort der Verhandlungen unbestimmt: Die Frage nach dem Nahen Osten bestätigte oder widerlegte Budanow nicht, daher sind jegliche Aussagen über einen konkreten Ort vorerst unbegründet. Drittens erklärt Uschakow die „Unveränderlichkeit der Forderungen“, ohne deren Aufzählung offenzulegen, was eine unabhängige Überprüfung, ob sie mit dem übereinstimmen, was die Ukraine für den Beginn des Dialogs als akzeptabel hält, nicht zulässt. Bis zu einer offiziellen Bestätigung der Zusammensetzung, des Datums und des Ortes bleiben all diese Parameter auf der Ebene der Absichten.
Fazit: Der Oktober 2026 wird zum Zeitfenster, in dem beide Seiten einen dreiseitigen Kontakt zulassen, wobei keine von ihnen weder ein Datum noch einen Ort noch die vollständige Zusammensetzung der Teilnehmer festgelegt hat. Ein Schlüsselindikator für einen echten Wandel wird das Auftreten konkreter diplomatischer Signale sein – Einladungen, Besuche von Vermittlern oder ein abgestimmter Kalender –, die derzeit offiziell nicht vorliegen.