Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat öffentlich erklärt, bereit zu sein, ein persönliches Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im Rahmen des Gipfels der „Gruppe der Zwanzig“ zu führen, der für Dezember 2026 in Miami geplant ist. Laut dem ukrainischen Staatschef werde er nach Miami reisen, falls Putin ebenfalls an der Zusammenkunft der G20-Staats- und Regierungschefs teilnehme. „Wir müssen dort sein. Wir müssen uns treffen, sprechen und eine Entscheidung treffen“, betonte Selenskyj und machte damit die Bedingung für einen möglichen direkten Dialog zwischen den beiden Präsidenten deutlich.

Die Bedingungen Selenskyjs für ein Treffen

Kiew stellt eine klare Bedingung: Ein persönliches Treffen ist nur möglich, wenn Putin physisch auf dem Gipfel anwesend ist. Der Kreml lehnt es derzeit ab, zu kommentieren, ob der russische Präsident nach Miami reisen werde. Zuletzt war Putin vor etwa sieben Jahren persönlich an einer Zusammenkunft der „Gruppe der Zwanzig“ teilgenommen, was ein mögliches Erscheinen auf dem Dezember-Gipfel zu einem bemerkenswerten politischen Signal machen würde. Die Initiative Selenskyjs wird so faktisch zu einem Test für die Bereitschaft Moskaus zu einem direkten Kontakt auf höchster Ebene.

Worte versus Ergebnisse

Auf die Frage, was er Putin genau sagen wolle, verlagerte Selenskyj den Fokus von der Rhetorik auf das Endergebnis. „Es geht nicht um Worte. Was ich ihm sage oder was er mir sagen will – das ist nicht wichtig. Die Ergebnisse sind wichtig. Das ist alles“, erklärte der ukrainische Präsident. Dieser Ansatz zeigt, dass Kiew ein mögliches Treffen nicht als Plattform für gegenseitige Vorwürfe betrachtet, sondern als Instrument zur Erreichung konkreter Vereinbarungen über die Beendigung des Konflikts.

Die Position des Kremls und Signale aus Washington

Angesichts der Unklarheit Moskaus gab es andere Signale aus dem amerikanisch-russischen Track. Im August erhielt der russische Finanzminister Anton Siluanow eine Einladung der USA zur Teilnahme an einer G20-Veranstaltung in North Carolina, was eine Welle der Kritik seitens europäischer Politiker auslöste. Parallel dazu forderte Putins Team die USA auf, die Unterstützung für die Ukraine einzustellen, als Bedingung für das Ende des Krieges. Diese Umstände schaffen einen widersprüchlichen Hintergrund: Einerseits gibt es Elemente diplomatischer Aktivität, andererseits harte Forderungen und das Fehlen einer Bestätigung der Teilnahme Putins am Gipfel.

Die Geschichte der Verhandlungen: seit 2019

Wichtig ist zu beachten, dass Selenskyj und Putin seit Februar 2022, als Russland den Vollangriff auf das ukrainische Territorium begann, keine Verhandlungen geführt haben. Das einzige persönliche Treffen des amtierenden ukrainischen Präsidenten mit dem russischen Präsidenten fand am 9. Dezember 2019 in Paris im Rahmen des Gipfels der „Normandie-Vier“ statt. Damals führten sie bilaterale Gespräche unter vier Augen von etwa 10–15 Minuten Dauer, woraufhin umfangreichere Verhandlungen der Delegationen beider Länder stattfanden. Seitdem wurde der direkte Kontakt auf Ebene der Staatschefs nicht wieder aufgenommen.

Widersprüchliche Angaben

In den gesammelten Quellen gibt es einige Unstimmigkeiten, die offen benannt werden sollten. Erstens wird der G20-Gipfel in einem Kontext mit Miami und Dezember 2026 in Verbindung gebracht, während die Einladung an Siluanow auf eine Zusammenkunft in North Carolina im August verweist; dies könnte auf verschiedene Formate oder Phasen der G20-Veranstaltungen hindeuten, doch in den Originalquellen werden sie nebeneinander dargestellt, was Verwirrung über Geografie und Chronologie erzeugt. Zweitens drückt Selenskyj die Bereitschaft aus, nach Miami zu reisen, „wenn Putin kommt“, während Experten zufolge eine Reise des russischen Präsidenten zum Gipfel in Miami faktisch ausgeschlossen ist und der Kreml seine Teilnahme nicht bestätigt. Die Initiative Kiews könnte daher auf das Fehlen eines zweiten Teilnehmers stoßen, und beide Versionen – „Treffen möglich“ und „Treffen unwahrscheinlich“ – sind derzeit nicht miteinander vereinbar.

Kontext: Dreiseitige Gespräche zwischen Putin, Trump und Xi Jinping

Zusätzlichen Kontext schafft die Tatsache, dass laut vorliegenden Informationen Putin, der US-Präsident Donald Trump und der chinesische Staatschef Xi Jinping über ein eigenes Treffen verhandeln. Dies könnte bedeuten, dass sich der Fokus der diplomatischen Aktivität auf multilaterale und bilaterale Kontakte mit Beteiligung Washingtons und Peking verschiebt, und ein möglicher Kontakt zwischen Selenskyj und Putin auf der G20 entweder Teil dieses breiteren Prozesses wird oder aufgrund des Unwillens Moskaus nicht realisiert wird. In jedem Fall belegt die Erklärung Selenskyjs, dass Kiew den Kanal für einen direkten Dialog offen hält und bereit ist, die G20-Plattform für den Versuch einer Vereinbarung über die Beendigung des Krieges zu nutzen.