Laut Informationen von Bloomberg, auf die sich Kreml-nahen Quellen stützen, führt die Intensivierung der Kampfhandlungen in der Ukraine dazu, dass immer mehr russische Beamte die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Wladimir Putin zu einem bestimmten Zeitpunkt die Anwendung taktischer Nuklearwaffen gegen die Ukraine erwägen könnte. Wie das Medium jedoch betont, geht es ausschließlich um ein Extrem-Szenario: Anzeichen dafür, dass Russland sich tatsächlich auf den Einsatz von Nuklearwaffen vorbereitet, wurden zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht festgestellt.

Nuklearszenario als letzte Option

In Moskau werden laut Bloomberg mögliche Optionen für eine weitere Eskalation des Konflikts intensiver diskutiert. In letzter Zeit haben in Russland die Befürworter einer härteren Linie an Einfluss gewonnen: Für einen Teil der Beamten könnte eine Niederlage im Krieg ein weniger akzeptables Szenario darstellen als seine Fortsetzung. Taktische Nuklearwaffen, so erinnern Analysten, unterscheiden sich von strategischen durch geringere Reichweite und Sprengkraft; ihr Zweck ist der Einsatz auf dem Schlachtfeld, jedoch können die Folgen einer Explosion und radioaktiven Kontamination erheblich sein.

Positionen der Experten: Von der Prüfung der Grenzen bis zur geringen Wahrscheinlichkeit

Fiona Hill, Senior Fellow des Brookings-Instituts und ehemalige Nationalsecurityberaterin von drei US-Präsidenten, ist der Ansicht, dass Putin weiterhin prüft, wie weit er in der Konfrontation mit dem Westen gehen kann. Ihren Worten zufolge sind daher koordinierte Maßnahmen der Ukraine-Verbündeten und ein konsequenter diplomatischer Druck von entscheidender Bedeutung.

Alexander Gabujew, Direktor des Zentrums „Carnegie Russia–Eurasia“, bewertet das Risiko eines Einsatzes taktischer Nuklearwaffen durch Russland als äußerst gering. Seiner Meinung nach hat eine solche Waffe auf dem heutigen verteilten Schlachtfeld eine begrenzte militärische Wirksamkeit, und der politische Preis für den Bruch des Nukleartabus wäre extrem hoch. „Solange Moskau die Möglichkeit hat, den Konflikt mit konventionellen Waffen zu eskalieren, einschließlich durch die Intensivierung von Raketenschlägen, hat es wenig Anreize, die Nuklearschwelle zu überschreiten“, so Gabujew.

Widersprüchliche Daten

Hier liegt ein Widerspruch in den Einschätzungen vor. Einerseits behaupten Bloomberg-Quellen, die dem Kreml nahe stehen, dass innerhalb der russischen Führung die Zahl derer wächst, die ein Nuklearszenario als letzte Maßnahme in Betracht ziehen, und dass in Moskau die Eskalation intensiver diskutiert wird. Andererseits betonen unabhängige Experten, dass keine Anzeichen einer unmittelbaren Vorbereitung auf den Einsatz von Nuklearwaffen zu beobachten sind, und bezeichnen die Wahrscheinlichkeit eines solchen Schrittes als äußerst gering. Somit koexistieren Aussagen über „zunehmende Diskussionen“ innerhalb der Eliten und die Schlussfolgerung, dass keine tatsächliche Bereitschaft zum Übergang zu Nuklearwaffen vorliegt, in einem einzigen Informationsfeld, und es ist dem Leser wichtig, interne politische Debatten und die tatsächliche Vorbereitung auf den Einsatz zu unterscheiden.

Intensivierung der Raketenschläge und Sackgasse der Verhandlungen

Gleichzeitig erwägt Russland, die Schläge mit ballistischen Raketen auf die Ukraine, insbesondere auf Kiew und die Infrastruktur anderer Städte, zu intensivieren. Laut Bloomberg hält der Kreml es für gegeben, dass die Friedensverhandlungen in eine Sackgasse geraten sind und die diplomatischen Bemühungen Moskau bisher nicht das gewünschte Ergebnis liefern. In diesem Kontext bleibt die Nuklearrhetorik, die Putin während des Vollskalenkriegs bereits mehrfach eingesetzt hat, um Entscheidungen der Ukraine unterstützenden Länder zu beeinflussen, eines der Hauptbedenken westlicher Beamter.