In den russischen politischen Eliten wird ein radikales Szenario diskutiert: die Einführung eines Kriegsrechts auf dem Territorium der Russischen Föderation nach den September-Wahlen zur Staatsduma. Diese Informationen stammen aus Quellen in den Bundes- und Regionalbehörden sowie in der Führung einer der oppositionellen Fraktionen.
Mechanismus und Auslöser
Laut geltendem Recht reicht für die Verkündung eines Kriegsrechts die Unterzeichnung eines entsprechenden Dekrets durch den Präsidenten, in dem Datum und Uhrzeit des Beginns festgelegt sind. Experten weisen jedoch darauf hin, dass die Umsetzung dieses Szenarios durch die Angst vor der Zerstörung des Systems eingeschränkt sein könnte, das darauf abzielt, die Zivilbevölkerung maximal von militärischen Angelegenheiten fernzuhalten.
Trotzdem gibt es unter den Sicherheitskräften und politischen Technikern, die mit dem Kreml zusammenarbeiten, Unterstützung für die Idee, „das ganze Land zum Krieg zu bewegen“. Nach Ansicht einiger von ihnen könnte der Auslöser für die Einführung des Kriegsrechts ein Scheitern an der Front oder systemische Störungen in der Arbeit der Wehrbehörden sein.
Tatsächliche Beschränkungen gelten bereits
Obwohl es noch kein formelles Dekret über das Kriegsrecht auf dem gesamten Territorium Russlands gibt, wurden bereits eine Reihe entsprechender Maßnahmen eingeführt. Insbesondere herrscht im Land eine strenge Militärzensur. Die Veröffentlichung von Informationen, die der offiziellen Position des Verteidigungsministeriums widersprechen, kann für Medienmitarbeiter strafrechtliche Verfolgung und für Medienressourcen den Entzug der Lizenz zur Folge haben.
Zudem wurde der Kriegsrechtsstatus offiziell in den besetzten Teilen der Gebiete Donezk, Lugansk, Cherson und Saporischschja eingeführt.
Pläne zur Mobilisierung und Auffüllung der Armee
Die Debatte über das Kriegsrecht findet vor dem Hintergrund von Aussagen über eine massive Auffüllung der Reihen der russischen Armee statt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor angemerkt, dass Wladimir Putin eine offene Mobilisierung fürchtet, aber nach den Wahlen zur Staatsduma plant, zwischen 300.000 und 500.000 Russen einzuberufen.
Zu den Plänen des Kremls gehört auch die Beschaffung von etwa 30.000 Soldaten aus Nordkorea. Gleichzeitig hatte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses der Staatsduma, Andrei Kartapolow, erklärt, dass eine neue Mobilisierungswelle nicht erforderlich sei. Diese Aussage erfolgte vor dem Hintergrund der Unterzeichnung eines Dekrets von Putin über eine weitere Erhöhung der Stärke der russischen Armee – bereits die dritte in diesem Jahr.
Parallel dazu hat der russische Führer den Auftrag erteilt, den Haushalt auf eine Fortsetzung des Krieges für weitere drei Jahre vorzubereiten, was auf langfristige Pläne zur Eskalation des Konflikts hindeutet.