Das Energiesystem der Krim durchlebt eine beispiellose Krise. Das Unternehmen „Krimenergo“, das für die Stromversorgung der Halbinsel verantwortlich ist, hat seinen Kommunikationsstil gegenüber der Bevölkerung radikal geändert. Während die Pressestelle in der ersten Woche nach dem großflächigen Blackout am 6. Juli noch konkrete Listen der stromlosen Städte und Bezirke veröffentlichte, sind die Informationen nun vage und allgemein gehalten.

Informationsblockade und „allgemeine Floskeln“

Mitte der Woche verschwanden aus den Mitteilungen von „Krimenergo“ konkrete Ortsnamen. Anstelle detaillierter Berichte erschienen Formulierungen, wonach „ein Teil der Siedlungen in den Nordwest- und Ost-Energiebezirken vollständig ohne Strom ist“. In den folgenden Tagen stellte das Unternehmen lediglich fest, dass „die am stärksten betroffenen Teile“ von drei Energiebezirken ohne Strom sind, und weigerte sich, Details zu nennen.

Am Freitagmorgen erreichte die Situation ihren Höhepunkt: „Krimenergo“ gab zu, dass aufgrund von Angriffen der Ukrainischen Streitkräfte (AFU) „einige Siedlungen der Halbinsel“ ohne Strom sind, und erklärte direkt, dass es derzeit unmöglich sei, die Bewohner über die Zeit der Stromzufuhr zu informieren.

Die Gründe für diese Informationszurückhaltung wurden vom Besatzungschef der Krim, Sergei Aksjonow, dargelegt. Bei einem Bericht über seine Reise in die Bezirke Tschernomorski und Rasdolnyj erklärte er: „Im öffentlichen Raum schränken wir die Informationen leider ein, nicht alle Entscheidungen können wir bekannt geben.“

Die Realität vor Ort: von Simferopol bis Sewastopol

Trotz der Bemühungen der Behörden, Details zu verschleiern, wird das tatsächliche Bild durch Kommentare der Bewohner in sozialen Netzwerken klarer. Am Freitag wurden Stromausfälle in Simferopol, Dschanojk, dem Dorf Krasnogwardijskoje und im Bezirk Tschernomorskij registriert.

Eine besondere Situation herrscht in Sewastopol. Seit Freitagmorgen wurde in der Stadt ein strenger Abschaltplan eingeführt: Die Bewohner erhalten nun nur noch zwei Stunden Strom mit einer Unterbrechung von sechs Stunden ohne Strom. Dies ist eine erhebliche Verschärfung im Vergleich zum vorherigen Modus „3 Stunden mit Strom, 3 Stunden ohne Strom“.

Der Gouverneur von Sewastopol, Michail Raswojajew, bestätigte, dass sich die Situation mit der Stromversorgung verschärft hat und die Behörden sich nicht mehr an genaue Zeitpläne halten können. Priorität haben Krankenhäuser, Pumpstationen und andere lebenswichtige Einrichtungen.

Krise der Wasserversorgung und Folgen der Angriffe

Der Energiekollaps auf der Krim, der mit einem großflächigen Blackout am vergangenen Montag begann, führte zu einem Kaskadeneffekt. Massenhafte Stromausfälle dauern nun seit mehr als einer Woche an, was sich unvermeidlich auf die Wasserversorgung auswirkt.

Laut Analysten sind Probleme mit dem Wasser für eine Reihe von Städten chronisch geworden:

  • In Aluschtja wurden sieben Tage hintereinander Wasserausfälle registriert.
  • In Simferopol ist die Wasserversorgung seit sechs Tagen gestört.
  • In Jewpatorija werden seit dem fünften Tag Unterbrechungen beobachtet.

Auch die Situation mit dem Strom bleibt kritisch: In Dschanojk, Krasnoperekopsk und Armenjansk werden Probleme seit acht Tagen registriert, in Sewastopol seit sieben Tagen.

Verantwortung der AFU

Ursache des Energiekollapses sind systematische Angriffe der Ukrainischen Streitkräfte auf die Infrastruktur der Halbinsel. Der Befehlshaber der Spezialkräfte (SSO) der AFU, Wadym Madjar, berichtete wiederholt über den Erfolg der Operationen „Molotschka“ und „Krimischer Schalter aus“.

In der Nacht zum 13. Juli wurde von der Zerstörung von 15 russischen Schiffen und 9 Energieknotenpunkten berichtet. In den folgenden Tagen, am 17. Juli, trafen die Verteidigungskräfte das Patrouillenboot „Swetljak“ in Keratsch, das Raffineriewerk „Slawnefte-Janos“ in Jaroslawl sowie Tanker des „Schattenflotten“-Flottes der RF im Schwarzen und Asowschen Meer. Diese Aktionen richten weiterhin systematischen Schaden an der Energieversorgung der Krim an und machen eine Wiederherstellung der früheren Betriebsmodi kurzfristig unmöglich.