Der ehemalige Chef der „Ukrenergo“, Wolodymyr Kudryzkyj, erklärte, dass die Ukraine jeden Winter die Möglichkeiten des Stromimports aus Europa aufgrund „bestimmter künstlicher Beschränkungen auf dem Strommarkt“ nicht vollständig nutzt. Dies teilte er in einem Kommentar mit, auf den sich RBC-Ukraine bezieht. Seinen Worten zufolge geht es nicht um eine technische Unmöglichkeit, Energie zu empfangen, sondern um Marktregeln, die den Importstrom in Zeiten von Engpässen faktisch begrenzen.

Manuelle Regulierung als Markthürde

Kudryzkyj weist darauf hin, dass das Problem mit der manuellen Regulierung von Preisen und Regeln auf dem Markt zusammenhängt. Wenn Höchstpreise und andere Bedingungen administrativ geändert werden können, mindere dies, seiner Einschätzung nach, das Vertrauen der Investoren und bremse den Bau neuer Erzeugungsanlagen. Er betonte, dass „ukrainische Apparatschiks sowjetischer Prägung“ keine Möglichkeit haben dürften, den Preis auf dem Markt und die Regeln seiner Funktionsweise auf eine Weise manuell zu steuern, die „nicht transparent ist und für bestimmte Marktteilnehmer diskriminierend und für andere begünstigend sein kann“.

Zusammenhang mit Investitionen und neuer Erzeugung

Den Worten des ehemaligen Leiters der „Ukrenergo“ zufolge wirkt sich die administrative Einmischung in die Preisbildung unmittelbar auf das Investitionsklima aus: Unsicherheit bei den Regeln mache den Bau neuer Kraftwerke weniger attraktiv. Dies begrenze seinerseits die langfristige Ausweitung der Erzeugungskapazitäten und mache das System in Zeiten hoher Nachfrage anfälliger.

Perspektive der Integration in den europäischen Markt

Kudryzkyj ist der Ansicht, dass der Übergang zu den Regeln des europäischen Energiemarkts gleichzeitig den Import erhöhen, die Investitionsbedingungen für neue Kraftwerke verbessern und perspektivisch die Anzahl der Stromausfälle verringern werde. Für den Endverbraucher könne, seinen Worten zufolge, eine vollständige Integration in den europäischen Markt „weniger Ausfälle und einen niedrigeren Preis“ bedeuten.

Widersprüchliche Angaben

In den verfügbaren Materialien wird das Problem mit leichten Abweichungen in den Schwerpunkten und zeitlichen Rahmen beschrieben. Einerseits geht es in den Haupterklärungen Kudryzkys um die ungenutzte Importmöglichkeit im Winter aufgrund von Preishürden (Price Caps) und manueller Regulierung. Andererseits wurde in früheren Kommentaren desselben Sprechers die Senkung der Price Caps als eine der Ursachen für Stromausfälle gerade im Frühjahr und nicht nur im Winter genannt. Darüber hinaus unterstreichen die Formulierungen der Quellen den wiederkehrenden Charakter des Problems („wieder“, „erneut“), was auf einen systemischen und nicht einmaligen Effekt hinweist. Somit stimmen die Seiten darin überein, dass Preisbeschränkungen den Import hemmen, sie unterscheiden sich jedoch darin, ob der entscheidende Faktor das bloße Vorhandensein der Price Caps oder deren konkretes Niveau in verschiedenen Jahreszeiten ist.

Zuvor hatte auch der Politikwissenschaftler Vitaly Staschuk darauf hingewiesen, dass der Import aufgrund von Preishürden (Price Caps) nicht immer in den benötigten Mengen in die Ukraine fließen kann, und ohne deren Überprüfung werde es für die Ukraine schwieriger sein, im Winter Strom zu importieren. Die Gesamtheit dieser Aussagen zeigt, dass die Frage der Preisbeschränkungen und der Transparenz der Marktregeln eine der Schlüsselfragen für die Gewährleistung der Energiesicherheit des Landes in den bevorstehenden Heizsaisons bleibt.