Der Devisenmarkt der Ukraine wird Anfang September 2026 nach Einschätzung von Experten die August-Tendenzen fortsetzen, allerdings könnte der Druck auf den Hrywnia-Kurs aufgrund steigender Importnachfrage und zusätzlicher Unternehmensausgaben zunehmen. Dies erklärte Taras Lesowy, Direktor der Abteilung für Finanzmärkte und Investitionstätigkeit der «Globus Bank», in einem Kommentar für RBC-Ukraine. Laut seiner Prognose wird der Dollar auf dem Interbank-Markt in der ersten Septemberwoche im Korridor von 44,6–45,1 UAH gehandelt, während der Bereich auf dem Bargeldmarkt etwas breiter sein kann — 44,6–45,2 UAH. Der Euro wird seinerseits sowohl auf dem Interbank-Markt als auch in den Einzelhandelsgeldwechselstellen im Bereich von 51–52,5 UAH erwartet.

Importnachfrage übersteigt das Angebot um 15–20 %

Der Schlüsselfaktor, der Anfang September Druck auf den Kurs ausüben kann, bleibt die anhaltende Devisennachfrage seitens der Importeure. Nach Einschätzung von Taras Lesowy könnte die Nachfrage auf dem Interbank-Markt in der ersten Septemberwoche das Angebot um etwa 15–20 % übersteigen. Dieses Ungleichgewicht wird durch den saisonalen Anstieg der Importe, die Notwendigkeit, die Vorräte vor der Heizsaison aufzufüllen, sowie durch die allgemeinen Unternehmensausgaben für Logistik und Sicherheit verursacht. Der Experte betont, dass genau dieser strukturelle Mangel an Devisenangebot die Hauptquelle der Volatilität in den kommenden Wochen ist.

Russische Angriffe und das «Flugrad» der Inflation

Ein weiterer, nicht weniger bedeutender Faktor bleiben die Folgen der russischen Angriffe auf die Infrastruktur. Laut Lesowy verursachen sie nicht nur unmittelbaren Schaden, sondern erhöhen auch die Betriebskosten der Unternehmen erheblich: Die Unternehmen müssen Logistikrouten wechseln, in Notstromversorgung, Schutz der Produktionsanlagen und Sicherheit des Transports investieren. «Ein Teil dieser Ausgaben kann sich schrittweise in den Verbraucherpreisen niederschlagen. Das heißt, das »Flugrad« der Inflation könnte sich deutlicher in Bewegung setzen als im August», so der Experte. Somit wird die Kursdynamik im September nicht nur mit den Devisenflüssen, sondern auch mit dem inneren Preisdruck eng verbunden sein.

Rolle der NBU: gesteuerte Flexibilität und wöchentliche Interventionen in Höhe von 850 Mio. – 1 Mrd. Dollar

Trotz eines möglichen Mangels an Devisenangebot lenkt Lesowy den Blick auf die stabilisierende Rolle der Nationalbank der Ukraine. Der ukrainische Devisenmarkt funktioniert seit fast drei Jahren nach dem Modell der gesteuerten Flexibilität: Die NBU gleicht den Devisenmangel durch eigene Verkäufe aus und balanciert Angebot und Nachfrage auf dem Interbank-Markt. Laut Expertenprognose könnte das wöchentliche Volumen der Deviseninterventionen der Aufsichtsbehörde Anfang September etwa 850 Mio. – 1 Mrd. Dollar betragen. «Genau deshalb sollte man keine direkte mathematische Abhängigkeit der Art »Nachfrage gestiegen — Kurs ist stark gestiegen« erwarten», erläuterte er. Gerade die aktive Präsenz der NBU am Markt glättet die Spitzen der Nachfrage und lässt den Kurs nicht aus den festgelegten Korridoren ausbrechen.

Spreads in den Wechselstellen und der psychologische Faktor

Kurzfristige Wellen erhöhter Nachfrage nach Bargeld Anfang September sind durchaus wahrscheinlich. Auf sie können gleichzeitig Nachrichten über Beschuss, steigende Kraftstoffpreise sowie die Annäherung der Heizsaison einwirken. In einer solchen Situation kann sich laut Lesowy nicht nur der Kurs selbst, sondern auch die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs ändern. Die Wechselstellen könnten den Spread auf 1–1,3 UAH oder sogar mehr erhöhen und damit die psychologische Nervosität der Kunden faktisch in ihre eigene Marge einpreisen. Der Experte warnt: Wenn Währung als langfristige Ersparnis gekauft wird, ändert ein Warten von wenigen Tagen oft nichts Grundlegendes. Gleichzeitig kann die Reaktion auf Meldungen über einen angeblich rekordhohen Dollar-Anstieg dazu führen, dass Währung genau in dem Moment gekauft wird, wenn der Verkäufer den Preis maximal erhöht hat.

Prognose der täglichen und wöchentlichen Schwankungen

Laut der detaillierten Prognose von Lesowy können die täglichen Kursänderungen Anfang September auf dem Interbank-Markt bis zu 0,05–0,15 UAH, in den Geschäftsbanken bis zu 0,1–0,2 UAH und in den Wechselstellen bis zu 0,3 UAH betragen. Die durchschnittlichen wöchentlichen Kursabweichungen werden im Bereich von 1–1,5 % vom Startkurs der Woche erwartet. Ein separater Faktor bleibt der Kraftstoffpreis, der sowohl von der ukrainischen Logistik und den Sicherheitsrisiken als auch von der Lage auf dem weltweiten Ölmarkt abhängen wird. Die Hauptrolle bei der Dämpfung übermäßiger Kursschwankungen wird nach Ansicht des Experten weiterhin die NBU spielen, die den Devisenmangel mit ihren Interventionen ausgleicht.