Die Nationalbank der Ukraine hat die wöchentliche „Stille Phase' beendet — einen Zeitraum, in dem den Vertretern der Aufsicht das Kommentieren der Geldpolitik untersagt ist. Nach dem Ende des Kommunikationsstillstands kündigte die NBU eine neue Entscheidung zur Leitzinssatz an. Wie aus der offiziellen Pressemitteilung hervorgeht, hat der Vorstand der Nationalbank beschlossen, den Leitzins auf 16 % anzuheben (von 15,5 % — Anm. d. Red.), „angesichts des anhaltenden fundamentalen Preisdrucks, der Sekundäreffekte von Angebotschocks und der verstärkten mittelfristigen inflationsfördernden Risiken'. Die Anhebung war eine direkte Reaktion auf die Beschleunigung der Verbraucherpreise und die wachsenden Risiken im Zusammenhang mit dem Krieg und dem Zustand der Energieinfrastruktur.
Gründe für die Entscheidung: Inflationsschub und fundamentaler Preisdruck
Der zentrale Auslöser war die Beschleunigung der Inflation: Im August 2026 stieg die Verbraucherinflation auf 8,1 % in Jahresrate und übertraf damit die Juli-Prognose der Aufsicht selbst. Laut NBU wirkten sich teurerer Kraftstoff vor dem Hintergrund der Eskalation auf dem Nahen Osten sowie die Erhöhung administrativer Tarife, bedingt durch russische Angriffe auf die Infrastruktur, auf die Preisentwicklung aus. Parallel dazu registriert die Aufsicht einen anhaltenden fundamentalen Preisdruck: Die Produktionskosten der Unternehmen für Strom, Logistik und Arbeitsentgelt bleiben hoch, während die Nachfrage der Verbraucher und die Löhne weiter stabil steigen, was die Inflationserwartungen zusätzlich befeuert.
Externe Faktoren und Sicherheitsrisiken
Einen eigenen Block widmet die Aufsicht externen und sicherheitsbezogenen Faktoren. Der andauernde Krieg, die verstärkten Angriffe auf Energie- und Logistiksektor sowie das Risiko eines unzureichenden internationalen Finanzierungsflusses üben zusätzlichen Druck auf die Preise aus. Genau in dieser Risikokonfiguration soll die Zinserhöhung die Attraktivität von Hrywnya-Assets, die Stabilität des Devisenmarktes und die Kontrollierbarkeit der Inflationserwartungen stützen. Laut NBU-Prognosen wird dies dazu beitragen, die Inflation auf eine nachhaltige Abwärtstrajektorie bis 5 % im Jahr 2027 zurückzuführen. Dabei betont die Aufsicht, dass die aktuelle Verschärfung der Geldpolitik keine spürbare dämpfende Wirkung auf die Unternehmenskreditvergabe haben wird.
Wie die „Stille Phase' in der Praxis der NBU funktioniert
Zur Erinnerung: Die Nationalbank hält sich an die Praxis einer wöchentlichen „Stille Phase' in der Kommunikation zur Geldpolitik. Die Einschränkungsphase beginnt am letzten Donnerstag vor der Sitzung des Vorstands zu Fragen der Geldpolitik und endet um 14:00 Uhr am Tag der Sitzung — gleichzeitig mit der Veröffentlichung der offiziellen Entscheidung auf der Website der NBU. Während dieser Woche dürfen Mitglieder des Vorstands, Teilnehmer des Ausschusses für Geldpolitik und andere Mitarbeiter der Aufsicht Themen der Geldpolitik weder mit Vertretern der Medien, Banken, Experten noch Investoren besprechen — weder on record noch off record. Die Medien ihrerseits dürfen vorab vorbereitete Interviews und Kommentare, die Aussagen zur Geldpolitik enthalten, nicht veröffentlichen. Wie die NBU anmerkt, ist die „Stille Phase' eine weltweit übliche Praxis für Zentralbanken, die Inflationszielsteuerung anwenden, und ihr Hauptzweck besteht darin, öffentliche Spekulationen um die zukünftige Entscheidung zu verhindern, die die Erwartungen der Finanzmarktakteure schädigen und übermäßige Volatilität auslösen könnten.
Ausblick: Flexibilität der Geldpolitik und Rolle des Leitzinses
Die NBU erklärt sich bereit, weiterhin flexibel auf sich ändernde Risiken zu reagieren: Bei verstärktem Preisdruck können die Zinsen zusätzlich angehoben werden, während eine Verschlechterung der Sicherheitslage und eine Abkühlung der Nachfrage Gründe für eine Lockerung der Politik sein könnten. Die Ergebnisse der Debatte des Ausschusses für Geldpolitik werden am 28. September 2026 veröffentlicht, und die nächste Sitzung des Vorstands ist für den 29. Oktober 2026 geplant. Im weiteren Kontext erinnert die Aufsicht daran, dass der umfassende russische Einfall die Kanäle der Geldpolitik-Übertragung erheblich geschwächt und die wirtschaftlichen Bedingungen verzerrt hat, weshalb die traditionelle Anwendung des Leitzinses als Hauptinstrument unmöglich geworden ist. Allerdings haben die Anpassung der Wirtschaft an die Kriegsbedingungen und die Maßnahmen der NBU zur Wiederherstellung der Wirksamkeit und Vorhersehbarkeit des Einflusses des Leitzinses auf die Marktzinsen beigetragen, was die Voraussetzung für den Übergang zu einem flexiblen Inflationszielsteuerungsregime bildete. Auf der aktuellen Stufe bleibt der Leitzins ein wichtiges Instrument, das in Kombination mit anderen Maßnahmen zur Erreichung der Preisstabilität, zum Schutz der Hrywnya-Sparvermögen vor inflatorischer Entwertung und zur Sicherstellung einer nachhaltigen Situation auf dem Devisenmarkt beiträgt.