Der moderne Krieg in der Luft erfordert nicht nur leistungsstarke Störsender, sondern ein tiefes Verständnis der Technologien des Gegners. In einer Zeit, in der Drohnen immer komplexer werden, entwickeln sich die Methoden der elektronischen Kampfführung (RЭB) von der einfachen „Störung' hin zu gezielten Cyberangriffen. CEO von Kvertus, Jaroslaw Filimonow, erläuterte in einem Interview mit RBC-Ukraine, wie moderne Schutzsysteme funktionieren und warum einige Drohnen mit herkömmlichen Methoden nicht gestoppt werden können.
Zwei Strategien: Analoge Methoden und Smart-Technologien
Laut dem Experten lassen sich alle Methoden zur Beeinflussung unbemannter Luftfahrzeuge (UAVs) grob in zwei Richtungen unterteilen: analoge Technologien und Smart-Technologien. Die erste Richtung bleibt im Frontbereich relevant. Analoge RЭB-Mittel blockieren effektiv die festen Frequenzen, auf denen viele einfache Drohnen arbeiten.
Mit der Weiterentwicklung der Technologien wechselt der Gegner jedoch zu komplexeren Kommunikationsschemata. Hier kommen Smart-RЭB ins Spiel. Diese Systeme greifen nicht die Drohne selbst an, sondern die Kommunikationskanäle: Datenübertragungskanäle und Kanäle zur Satellitenverbindung. Der Prozess beginnt mit der Funkaufklärung, die die vom Drohne verwendeten Frequenzen erkennt, woraufhin die RЭB-Mittel die Bedrohung auf diesen Frequenzen effektiv neutralisieren.
Das Problem der satellitengesteuerten „Schaheds' und CRPA-Antennen
Besonders schwierig sind Drohnen, die sich ausschließlich an Satellitensignalen orientieren, wie die iranischen „Schaheds'. An Bord dieser Geräte befindet sich oben eine leistungsstarke CRPA-Antenne. Moderne Versionen dieser Antennen sind bereits 16-Kanal-Systeme.
Jaroslaw Filimonow stellt fest, dass diese Antennen konstruktiv so gut ausgelegt sind, dass sie mit herkömmlichen Methoden vom Boden aus praktisch nicht gestört werden können. Sie sind vor bodengebundenen Störungen geschützt, und die Verbindung zwischen Drohne und Satellit bleibt auch bei aktiver Einwirkung herkömmlicher RЭB-Mittel stabil.
Cyberangriff statt Störung
Um gegen solche geschützten Systeme vorzugehen, haben die Ingenieure von Kvertus eine Lösung entwickelt, die man als Cyberangriff auf die Antenne bezeichnen kann. Anstatt den Signal mit Rauschen zu unterdrücken, macht das System die Funktion der Antenne selbst unmöglich. Infolgedessen verliert die Drohne ihre Orientierung: Sie sieht keine Satelliten mehr und kann ihre Position nicht bestimmen.
Zudem verlieren die Drohnen den Kontakt zum Operator, wenn es gelingt, die Mesh-Netzwerke (vermaschte Kommunikationsnetze) zu beeinflussen. In diesem Fall wechseln die UAVs in den Notfallmodus. Sie können einfach abstürzen, versuchen zu landen oder in einen weiten Bogen abdriften und „Acht' in den Himmel zeichnen, während sie auf die Wiederherstellung der Verbindung warten.
Zeit ist die wichtigste Ressource
Die Hauptaufgabe moderner RЭB-Systeme besteht nicht unbedingt darin, die Drohne sofort abzuschießen, sondern Zeit zu gewinnen. Wie Filimonow erklärte, sollte die Erkennung einer Bedrohung mobilen Feuergruppen oder Operatoren von Abfangdrohnen die Möglichkeit geben, das feindliche Gerät physisch zu neutralisieren. Je früher das Überwachungssystem eine Drohne erkennt, desto höher sind die Chancen auf eine erfolgreiche Abfangaktion. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, das Erkennungssystem zu verzweigen und ein dichtes Netzwerk zur Überwachung des Luftraums zu schaffen.
Die Gegenmaßnahme des Gegners
Während die Ukraine ihre Schutzmaßnahmen verbessert, modernisiert Russland weiterhin seine Drohnen. Es gibt Berichte darüber, dass „Schaheds' Manöver ausführen, wenn sich ukrainische Abfangjäger nähern. Auch im Internet wurden Anzeichen dafür registriert, dass die russischen Drohnen „Gerber' modernere Antennen erhalten haben, was auf eine Ausweitung der Produktion von störresistenten Systemen hindeuten könnte. Dies bestätigt, dass das Wettrüsten im Bereich der RЭB und UAVs erst an Fahrt aufnimmt.