Das Ministerium für Sozialpolitik, Familie und Einheit der Ukraine hat eine dienstliche Untersuchung des staatlichen Erholungslagers „Artek' in der Transkarpatien eingeleitet. Auslöser für das Eingreifen der Behörden waren Massenbeschwerden der Eltern von Kindern aus Wyschnewe, die nach einem russischen Schlag gegen die Stadt in den Urlaub geschickt wurden.
Die Situation entflammte in den sozialen Medien, wo Eltern schockierende Fotos und Beschreibungen der Lebensbedingungen veröffentlichten, unter denen sich ihre Kinder befanden. Das offizielle Kiew bestätigte den Beginn der Ermittlungen.
Kontext: Evakuierung von Kindern aus dem Kriegsgebiet
Das Erholungsprogramm wurde in einem Notfall nach dem Angriff der russischen Luft- und Raumfahrtkräfte auf Wyschnewe am 6. Juli gestartet. Infolge des Anschlags wurden etwa 300 Wohnhäuser beschädigt, von denen 90 als nicht wiederherstellbar eingestuft wurden. Um die Kinder von den traumatischen Ereignissen abzulenken und ihre Sicherheit zu gewährleisten, organisierten die Behörden ihre Verlegung in ein Lager in der Transkarpatien.
Insgesamt wurden 110 Kinder aus der Gemeinde in das Lager geschickt. Die Organisation des Programms übernahmen das Ministerium für Sozialpolitik, der Staatliche Dienst für Kinderangelegenheiten, die Staatliche Verwaltung der Oblast Kiew und die lokale Verwaltung von Wyschnewe. Ursprünglich wurde versprochen, dass die Kinder fünfmal täglich verpflegt, psychologische Unterstützung erhalten und Sport und Kreativität betreiben würden.
„Haare im Essen und Schimmel in den Zimmern': Was die Eltern schreiben
Die Realität, auf die die Kinder stießen, erwies sich jedoch als weit entfernt von den Versprechungen. Die Einheimische Nyka Chorunzha veröffentlichte als erste Beweise für Verstöße. Ihren Worten zufolge waren die Bedingungen so inakzeptabel, dass ihre 17-jährige Schwester vorzeitig aus dem Lager abgeholt werden musste.
In den sozialen Medien erschien eine Liste von Beschwerden bezüglich Hygiene und Alltagsleben:
- Im Essen wurden Fremdkörper, einschließlich Haare, entdeckt.
- Möbel in den Zimmern waren beschädigt und Handtücher schmutzig.
- Sanitärräume wurden seit langem nicht renoviert; in Zimmern und Badezimmern wurden Schimmel und Pilz festgestellt.
- Auf 12 Kinder kamen nur zwei Nachttische für persönliche Gegenstände.
- Duschen und Toiletten reichten nicht aus, Hygieneartikel wurden unregelmäßig ausgegeben.
Neben den Alltagsproblemen äußerten die Eltern Unzufriedenheit mit der Organisation der Freizeitgestaltung. Die Kinder beklagten einen übermäßig strengen Tagesablauf: eine lange „Ruhezeit', Schlafenszeit um 21:30 Uhr und ein Verbot der freien Bewegung auf dem Gelände. Außerdem fehlen im Lager eine Bibliothek und Brettspiele, was die Freizeit der Kinder langweilig und eingeschränkt macht.
Kollektive Beschwerde und Reaktion der Behörden
In Wyschnewe begann die Sammlung von Unterschriften für eine kollektive Beschwerde, die im Lyzeum Nr. 2 ausgelegt wurde. Die Eltern betonen, dass ihr Ziel nicht die Suche nach Schuldigen ist, sondern die Überprüfung der Übereinstimmung der Bedingungen mit der staatlichen Finanzierung. Im Dokument wird gebeten, die Qualität der Verpflegung, den Hygienezustand, die Verfügbarkeit von Hygieneartikeln und die Einhaltung der pädagogischen Ethik durch die Lagermitarbeiter zu bewerten.
Separat bedankten sich die Eltern in der Beschwerde bei den Mitarbeitern des Sozialdienstes und stellten fest, dass es keine Beanstandungen ihrer Arbeit gibt. Obwohl Nyka Chorunzha ihren ursprünglichen Beitrag mit der Beschwerde gelöscht hat, hat die Situation bereits breite Resonanz gefunden.
Der Minister für Sozialpolitik, Familie und Einheit, Denys Ulyutin, bestätigte, dass die Untersuchung bereits begonnen hat. Sie wird von der Nationalen Sozialdienstbehörde der Ukraine durchgeführt.
„Artek' ist eine staatliche Einrichtung, die an dem aus dem Haushalt finanzierten Erholungsprogramm teilnimmt. Daher wird das Ministerium die Qualität der Dienstleistungen streng überwachen. Über die Ergebnisse der Untersuchung wird nach deren Abschluss berichtet. Die Interessen der Kinder sind für uns ein unbedingter Priorität', so Ulyutin.