Kiew, Ukraine. In fünf ukrainischen Städten – Kropywnyzkyj, Krementschuk, Lwiw, Nikolajew und Schytomyr – startet die Umsetzung der ersten Pilotprojekte für den Bau von Sozialwohnungen. Die Finanzierung wird durch die Europäische Investitionsbank (EIB) sichergestellt, die der Ukraine bereits 100 Millionen Euro aus einem Gesamtkreditvolumen von 400 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat.
Dies teilte Jelena Schuljak, Vorsitzende des Ausschusses des Werchowna Rada für Fragen der Organisation der Staatsgewalt, der lokalen Selbstverwaltung, der regionalen Entwicklung und des Städtebaus, in einem Interview mit RBC-Ukraine mit.
Umsetzungsmechanismus und Auswahlkriterien
Ursprünglich reichten 25 lokale Gemeinden Anträge auf Teilnahme am Pilotprojekt ein. Im Rahmen eines mehrstufigen Auswahlverfahrens qualifizierten sich fünf Städte für das Finale. Derzeit befinden sich die Finanzmodelle dieser Gemeinden in der Prüfung durch das ukrainische Finanzministerium. Experten bewerten ihre finanzielle Stabilität, wonach die EIB mit der aktiven Finanzierung des Baus beginnen wird.
Ein Schlüsselmerkmal des Projekts ist, dass die neu gebauten Wohnungen im Eigentum der jeweiligen lokalen Gemeinden verbleiben und nicht in private Hände übergehen. Dies ermöglicht es den Kommunen, den Bestand an Sozialwohnungen eigenständig zu verwalten.
Wer erhält Wohnungen?
Das Vorrangsrecht auf Sozialwohnungen erhalten die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Laut Aussage von Jelena Schuljak geht es in erster Linie um:
- Großfamilien;
- Menschen mit Behinderungen;
- Familien von Militärangehörigen und gefallenen Verteidigern;
- Waisenkindern und Kindern, die der elterlichen Fürsorge beraubt wurden.
Besonderes Augenmerk liegt auf Binnenvertriebenen (BVL), für die die Miete von Wohnraum oft zu einer kritischen finanziellen Belastung wird.
Mietkosten und Bedingungen
Wichtig ist, dass jede Gemeinde die konkreten Bedingungen für die Bereitstellung von Wohnraum, einschließlich der Mietkosten, eigenständig in den Sitzungen der lokalen Räte festlegt. Es gibt jedoch allgemeine Orientierungswerte: Die Miete für Sozialwohnungen sollte im Durchschnitt 25–30 % des Gesamteinkommens der Familie nicht überschreiten.
Die Berechnung erfolgt individuell. Für bestimmte Kategorien von Bürgern oder Familien mit extrem niedrigem Einkommen kann die Miete kostenlos gewährt werden.
Unterschied zwischen Sozialwohnungen und bezahlbarem Wohnraum
Experten betonen die Notwendigkeit einer klaren Trennung der Begriffe „Sozialwohnung“ und „bezahlbarer Wohnraum“, die im Rahmengesetz „Über die Grundprinzipien der Wohnungspolitik“ verankert ist.
- Bezahlbarer Wohnraum wird Familien angeboten, die über ein Einkommen verfügen, das ausreicht, um eine vergünstigte Hypothek oder andere Instrumente zum Erwerb von Immobilien zu nutzen.
- Sozialwohnungen werden an Personen vermietet, die sich selbst bei staatlicher Unterstützung keinen Kauf leisten können.
Rechtsgrundlage und Zukunft des Projekts
Der Bau der ersten Sozialwohnungen wird parallel zur Vorbereitung eines Gesetzentwurfs zur Schaffung eines Fonds für Wohnraum sozialer Bestimmung erfolgen. Das Dokument soll im nächsten Jahr verabschiedet werden. Angesichts der Dringlichkeit der Wohnungsnot haben sich die europäischen Partner jedoch darauf geeinigt, die Finanzierung bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes zu beginnen.
Neben dem Neubau diskutieren die zuständigen Behörden die Möglichkeit, den Fonds durch den Kauf bereits bestehender Wohnungen oder die Abtretung eines Teils des Wohnraums durch Bauträger zu bilden. Die Umsetzung des Pilotprojekts in fünf Städten wird es ermöglichen, ein effektives Modell zu erarbeiten, das in Zukunft auf andere Regionen der Ukraine ausgeweitet werden soll.