Die internationale Kommission des Fachjournals The Lancet zu globalen Gesundheitsbedrohungen im 21. Jahrhundert hat einen umfassenden Bericht veröffentlicht, der 17 Hauptfaktoren systematisiert, welche die Gesundheit und die Existenz der Menschheit zwischen 2025 und 2100 gefährden könnten. Die Ergebnisse der Arbeit von 35 weltweit führenden Fachleuten wurden auf dem Weltgesundheitsgipfel in Berlin vorgestellt. Die Forscher analysierten Daten aus 204 Ländern und Gebieten, um zu bewerten, welchen Teil des potenziellen Schadens die Zivilisation noch abwenden kann.

Die DALYs-Metrik und eine Karte aus 17 Bedrohungen

Um die Dimensionen verschiedener Risiken zu vergleichen, verwendeten die Autoren die DALYs-Metrik – die Anzahl der gesunden Lebensjahre, die durch Krankheit, Behinderung oder einen vorzeitigen Tod verloren gehen. Dieser Ansatz ermöglichte es, die Folgen sowohl chronischer Erkrankungen als auch existenzieller Szenarien in einheitlichen Einheiten auszudrücken. Zu den 17 hervorgehobenen Bedrohungen gehören Klimawandel, Luftverschmutzung, militärische Konflikte, wirtschaftliche Ungleichheit und der gefährliche Einsatz neuer Technologien. Die Kommission betont, dass diese Bedrohungen miteinander verknüpft sind, weshalb eine isolierte Bekämpfung unwirksam ist.

Zwei Szenarien, die zum Aussterben führen könnten

Zwei Bedrohungen stuften die Experten als potenziell fähig ein, den Untergang der Zivilisation herbeizuführen: der böswillige Einsatz von Künstlicher Intelligenz und ein großflächiger nuklearer Konflikt. Im ersten Fall hängen die Befürchtungen damit zusammen, dass neue Technologien die Erstellung gefährlicher biologischer Erreger und Waffen erleichtern könnten. Im zweiten Fall beschränken sich die Folgen nicht auf unmittelbare Zerstörungen: Wissenschaftler warnen vor der Gefahr einer „nuklearen Hungersnot“, bei der nachgiebige Klimaveränderungen die Nahrungsmittelsproduktion drastisch reduzieren. Dabei wird die Wahrscheinlichkeit beider Szenarien als relativ gering, ihre Folgen jedoch als katastrophal eingeschätzt.

Risikogeografie: Adipositas in reichen Ländern, Bildung in armen

Die Struktur der Bedrohungen unterscheidet sich je nach Einkommensniveau der Regionen erheblich. In wohlhabenden Ländern stellen nichtübertragbare Krankheiten – vor allem Adipositas und psychische Probleme – die Hauptgefahr dar. In armen Regionen hängen die meisten Verluste gesunder Lebensjahre mit sozialen Faktoren und einem niedrigen Bildungsniveau zusammen. Das bedeutet, dass es keine Universallebensrezepte gibt: Die Gesundheitspolitik muss die lokalen Risikospezifika berücksichtigen.

Der Preis von Kürzungen der Hilfe und des Klimaszenarios

Besondere Aufmerksamkeit widmete die Kommission der Kürzung internationaler Hilfsbudgets durch wichtige Geber. Nach Berechnungen der Autoren könnte ein Einbruch oder eine drastische Kürzung von Gesundheitszuschüssen die Menschheit bis 2100 bis zu 1,5 Milliarden gesunde Lebensjahre kosten, wobei fast 70 % dieser Verluste auf Länder südlich der Sahara entfallen. Gleichzeitig würde die Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,8 °C statt eines pessimistischen Szenarios von 4,4 °C nach Einschätzung der Forscher die Erhaltung von 1,89 Milliarden gesunden Lebensjahren ermöglichen.

„Nicht einschüchtern, sondern eine Risikokarte liefern“

Die Forscher betonen, dass das Ziel des Berichts nicht darin besteht, die Gesellschaft zu ängstigen, sondern Regierungen eine klare Risikokarte für effektive Entscheidungen an die Hand zu geben. Die Kommission plant, ihr Ranking jährlich zu aktualisieren, und ruft Führungspersönlichkeiten dazu auf, in die richtigen technologischen Innovationen zu investieren und die Gesundheitssysteme systematisch zu stärken, um die Anfälligkeit der Bevölkerung gegenüber Krisen zu verringern.