Der Sommer 2026 wurde für Europa zu einem der tödlichsten in der neueren Geschichte: Vier aufeinanderfolgende Wellen extremer Hitze, die den Kontinent seit Mai überzogen, haben nach vorläufigen Schätzungen zu mindestens 35.000 zusätzlichen Todesfällen geführt. Nach den zusammengefassten Daten nationaler Gesundheitsbehörden und Wetterdienste stellten drei Länder den größten Beitrag zur übermäßigen Sterblichkeit — Deutschland, Frankreich und Spanien, wo die Gesamtzahl der „zusätzlichen“ Todesfälle bereits 25.000 überschritten hat. Dabei betonen Analysten, dass die endgültigen Zahlen noch nicht abgeschlossen sind: Mit dem Einlaufen und der Zusammenfassung der Daten für die zweite Augusthälfte könnte der Wert voraussichtlich deutlich steigen.
Chronologie der vier Wellen und Temperaturrekorde
Die Hitze in Europa begann in diesem Jahr ungewöhnlich früh — noch im Frühling, im Mai, als im Westen des Kontinents die ersten Temperaturrekorde verzeichnet wurden. Seitdem folgten die Hitzewellen eine nach der anderen und erfassten nacheinander Westeuropa. Die extremsten Werte wurden Ende Juni gemessen: In Deutschland stieg das Thermometer an 46 Wetterstationen über 40 Grad, in Spanien hielt sich die Temperatur über einen langen Zeitraum hinweg über 42 Grad. In Frankreich wurde die Marke von 40 Grad an mehr als 500 Wetterstationen überschritten. Klimatologen führen diese Abfolge und Intensität der Extremereignisse auf einen seltenen atmosphärischen „Omega“-Block zurück, der laut Berichten die heiße Luft über dem europäischen Gebiet „einsperrte“.
Sterblichkeit nach Ländern: Was die nationalen Institute sagen
Nach Schätzung der Zeitung The Guardian konnte die Hitze in Deutschland im Zeitraum vom 6. April bis 9. August mit etwa 14.000 Todesfällen in Verbindung stehen; das Robert-Koch-Institut berichtete separat, dass allein in der Woche vom 22. bis 28. Juni rund 9600 Menschen starben. Das Sterblichkeits-Monitoring-System des Carlos-III-Instituts für Gesundheit in Spanien verknüpfte 4947 Todesfälle mit der Hitze — das übertrifft bereits den vorherigen nationalen Negativrekord von 2022, als 4520 Menschen an der Hitze gestorben waren. Die französische nationale Gesundheitsbehörde verzeichnete 7300 zusätzliche Todesfälle aus allen Ursachen im Zeitraum von Ende Mai bis 22. Juli. Im Vereinigten Königreich schätzte die Agentur für medizinische Sicherheit die Zahl der hitzebedingten Todesfälle in England für Mai und Juni auf 2877 Fälle. Belgien meldete einen Anstieg der Sterblichkeit um 39 % im Zeitraum vom 18. bis 29. Juni — das entspricht etwa 1222 zusätzlichen Todesfällen, und in den Niederlanden starben vom 22. Juni bis 5. Juli mindestens 900 Menschen mehr als üblich.
Warum Hitze fast nie in der Todesbescheinigung angegeben wird
Es ist wichtig, die methodische Schwierigkeit zu verstehen: Hohe Temperaturen werden selten als unmittelbare Todesursache angegeben. Die Hitze verschlimmert in der Regel den Verlauf bereits bestehender Erkrankungen — sie löst Herzinfarkte, Schlaganfälle, Nierenversagen und Verschlechterungen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus. Daher wenden die Länder unterschiedliche Methoden an: Spanien und Deutschland modellieren die Indikatoren beispielsweise in Echtzeit, indem sie die Lufttemperaturdaten mit der Dynamik der Sterblichkeit abgleichen. Die endgültige Feststellung der Todesursache dauert Wochen und sogar Monate, weshalb viele europäische Staaten Anfang August noch keine vollständigen Daten veröffentlicht hatten. Das bedeutet, dass alle genannten Zahlen vorläufig und konservativ niedrig angesetzt sind.
Widersprüchliche Daten
In den öffentlichen Quellen gibt es Abweichungen in den Gesamtschätzungen. Basisdaten und eine Reihe europäischer Agenturen verwenden die Formulierung „mindestens 35.000“ zusätzliche Todesfälle, während die ukrainische Ausgabe RBC.ua in der Schlagzeile von „fast 40.000 Leben“ berichtet. Der Unterschied erklärt sich sowohl durch den unterschiedlichen Umfang der Länder und Zeiträume als auch dadurch, dass ein Teil der Augustdaten noch nicht aggregiert wurde: Mit ihrem Einlaufen verschiebt sich die Untergrenze der Schätzung nach oben. Außerdem zitieren einzelne Medien (etwa Korrespondent) wöchentliche Schnitte — „mehr als 1300 Todesfälle pro Woche“ —, was nicht mit der kumulativen letalen Bewertung für den gesamten Sommer gleichzusetzen ist und einen falschen Eindruck über das Ausmaß erwecken kann. Schließlich sind die Methoden zur Berechnung der übermäßigen Sterblichkeit in den verschiedenen Ländern nicht einheitlich, sodass die direkte Addition der nationalen Zahlen nur einen Näherungswert und keine exakte Summe ergibt. Beide Versionen — „ab 35.000“ und „etwa 40.000“ — spiegeln dieselbe Größenordnung wider, unterscheiden sich jedoch im Grad der Datenabgeschlossenheit.
Klimakontext: ein Trend, kein Zufall
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist die hitzebedingte Sterblichkeit in der europäischen Region in den letzten 20 Jahren um mehr als 30 % gestiegen. Die Wissenschaftler sind sich einig, dass die anthropogene globale Erwärmung extreme Wetterereignisse häufiger und intensiver macht, und es wird erwartet, dass die Zahl der Todesfälle, die mit hohen Temperaturen in Verbindung stehen, weiter steigen wird. Der Sommer 2026 ist somit keine isolierte Anomalie, sondern die Fortsetzung eines beständigen Trends, der die Hitze zu einem der wichtigsten „unsichtbaren“ Sterblichkeitsfaktoren in Europa macht.