Das Verteidigungsministerium Lettlands hat auf der Militärbasis Adazi eine Demonstration von Drohnenabwehrsystemen durchgeführt, die auf dem neuen Schützenpanzer Hunter montiert wurden. Wie RBC-Ukraine unter Berufung auf den lettischen öffentlich-rechtlichen Sender LSM berichtet, war die Vorführung im Grunde die letzte Chance für Riga, das Paket der Abwehrmittel gegen Luftbedrohungen festzulegen, bevor die Technik offiziell in Dienst gestellt wird, anstatt es nachträglich nachzulegen.
Was auf der Basis Adazi gezeigt wurde
Auf dem Schützenpanzer Hunter, der auf Lettisch „Mednieks“ heißt, wurde Ausrüstung des spanischen Unternehmens GDELS‑Santa Bárbara Sistemas installiert — desselben Herstellers, der Lettland die Maschine selbst liefert. Wie in der Mitteilung hervorgehoben wird, fand die Demonstration am Donnerstag statt und war auf die finale Phase der Vorbereitung der Technik für die Übergabe abgestimmt: Die ersten Fahrzeuge sollen im Oktober in die Nationalen Streitkräfte überführt werden, weshalb Riga gerade jetzt die Konfiguration des Drohnenabwehrschutzes festlegen konnte, ohne bereits serienmäßige Exemplare umrüsten zu müssen.
Aktive und passive Systeme: So ist der Schutz aufgebaut
Während der Erprobung wurden zwei Klassen von Ausrüstung geprüft. Aktive Systeme sind in der Lage, sich nähernde Drohnen eigenständig zu bekämpfen, während passive Systeme lediglich die Bedrohung feststellen und die Besatzung warnen. Parallel wurde die Zusammenarbeit des Fahrzeugs mit lettischen Bodendrohnen getestet, die nicht gegen den Hunter, sondern gemeinsam mit ihm arbeiten — indem sie Drohnen des Gegners aufspüren und deren Signal stören. Dieser Ansatz, so das Medium, wiederholt die Logik von Erprobungen, die zuvor von der US‑Armee an eigener Technik durchgeführt wurden: Ausrüstung auf dem Panzerfahrzeug zu montieren, die in der Lage ist, eine kleine Drohne abzuschießen oder zu stören, bevor sie eine Granate abwirft oder von oben auf den Panzer stößt.
Die Plattform ASCOD und der Weg des Fahrzeugs in die Truppen
Der Hunter ist auf der Plattform ASCOD aufgebaut, die von mehreren NATO‑Staaten verwendet und für die Bedürfnisse Lettlands lokalisiert wurde. Das Fahrzeug wurde für moderne mechanisierte Infanterieoperationen modernisiert, mit Schwerpunkt auf Feuerkraft, modularer Panzerung und Interoperabilität mit der Technik der Verbündeten. Den Namen für den Schützenpanzer wählten die Soldaten der Mechanisierten Infanteriebrigade selbst, die ihn künftig führen werden. Lettland unterzeichnete im Januar 2025 den ersten Vertrag über 42 Hunter‑Fahrzeuge mit GDELS‑Santa Bárbara Sistemas und verdoppelte die Bestellung bereits im Juni desselben Jahres auf 84 Einheiten.
Widersprüchliche Angaben
Hier gibt es eine Unstimmigkeit, die gesondert herauszustellen ist. Einerseits hatte der Premierminister Lettlands zuvor eingeräumt, dass das Land spezielle Antidrohnen‑Systeme zum Abschlagen von Angriffen Russlands gekauft habe, aber nicht an die Munition für diese gedacht habe. Andererseits werden auf der Basis Adazi bereits aktive Komplexe auf dem Schützenpanzer selbst demonstriert, die per Definition eigene Bekämpfungsmittel erfordern. Das Medium legt nicht offen, ob die auf dem Fahrzeug gezeigten Systeme zu derselben Kategorie gehören, über die der Premier sprach, oder ob es sich um eine spätere, separate Ausrüstungsphase handelt. Somit werden öffentlich zwei Versionen geäußert: Entweder betrifft der Munitionsmangel genau die nationalen stationären/tragbaren Komplexe, während das Fahrzeug einen eigenen autonomen Schutz erhält, oder die Demonstration ist selbst die Antwort auf den zuvor eingeräumten Mangel. Eine offizielle Klarstellung in den vorliegenden Materialien gibt es nicht.
Regionale Einordnung: Warum das jetzt wichtig ist
Die heraufziehende Bedrohung ist in der Region gut verständlich: Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat gezeigt, wie günstige FPV‑Drohnen Panzerfahrzeuge im Wert von Millionen von Dollar außer Gefecht setzen, und Lettland grenzt unmittelbar an die östliche NATO‑Grenze zu Russland. Das Thema der Luftbedrohungen für das Land hatte sich bereits vor dem aktuellen Monat verschärft, als NATO‑Jäger eine Drohne abschossen, die in den Luftraum Lettlands im Bereich mehrerer Gemeinden an der Grenze zu Belarus und Russland eingedrungen war. Vor diesem Hintergrund wirkt die Demonstration auf Adazi nicht wie ein Übungsepisoden, sondern wie eine praktische Vorbereitung darauf, dass jede neue Einheit der Panzertechnik in den Dienst gestellt wird, wenn sie bereits eine fertige Antwort auf die Hauptluftbedrohung der Region mitbringt.