Warschau wertet die Berichte über Gespräche des CIA-Direktors in Moskau als weiteren Grund, die eigene Verteidigungsvorbereitung zu beschleunigen. Dies erklärte der stellvertretende Ministerpräsident und polnische Außenminister Radosław Sikorski, der den Besuch des Chefs der US-Nachrichtendienste in der russischen Hauptstadt kommentierte. Nach seinen Worten sind Moskaus Zusicherungen, Russland beabsichtige keinen Angriff auf die NATO, nicht auf ihre Wortlaut zu nehmen, da der Kreml vor dem vollumfänglichen Einmarsch in die Ukraine bereits ähnliche Versprechen gegeben hatte.
Zusicherungen, die Warschau nicht auf ihre Wortlaut nimmt
Sikorski betonte, dass „Putins Spione dem CIA-Direktor offenbar gesagt haben, dass er die NATO nicht provozieren werde“, und erinnerte daran, dass ähnliche Zusicherungen bereits zuvor ertönt seien. „Putin sagte dem CIA-Direktor von Präsident Biden, dass er nicht in die Ukraine einmarschieren werde“, so der Chef der polnischen Diplomatie, der auf den wiederkehrenden Charakter der russischen Versprechen hinwies, die sich seiner Einschätzung nach in der Praxis nicht bestätigt hätten. Genau diese Erfahrung müsse, so der Minister, Warschaus Haltung gegenüber neuen Garantien Moskaus bestimmen.
Geheimer Besuch und Bestätigung des Kremls
Den Hintergrund für Sikorskis Erklärung bildete der Besuch des CIA-Direktors John Ratcliffe in Moskau, der laut Medienberichten in dieser Woche in geschlossener Form stattfand. Berichten zufolge warnte der US-Nachrichtendienstler Russland während des Treffens vor Angriffen auf die NATO. Anschließend bestätigte der Kreml den Fakt der Gespräche Ratcliffes mit den russischen Nachrichtendiensten, was der Erklärung des polnischen Ministers zusätzlichen Resonanz verlieh: Selbst offiziell anerkannte Kontakte ändern Warschaus Einschätzung nach nichts an der Notwendigkeit, die Verteidigung zu stärken.
Aufruf zur Beschleunigung der Verteidigungsvorbereitung
Angesichts dieser Ereignisse rief der Chef der polnischen Diplomatie offen dazu auf, die Verteidigungsvorbereitung des Landes zu beschleunigen. Die Logik von Sikorskis Position beruht darauf, dass diplomatische und nachrichtendienstliche Signale aus Moskau nicht als Sicherheitsgarantie betrachtet werden können; die einzige verlässliche Antwort bleibe daher der Ausbau der eigenen Streitkräfte und die Integration in die Verteidigungsstrukturen des Bündnisses. So wurde der Besuch des CIA-Direktors in Warschau nicht als Anlass für Optimismus, sondern als Signal gedeutet, dass die Bedrohung bestehe und praktische, nicht bloß deklaratorische Maßnahmen erfordere.
Widersprüchliche Angaben
In den verfügbaren Quellen gibt es zwei Unstimmigkeiten, die zu berücksichtigen sind. Erstens beschrieben die Medien Ratcliffes Reise als „geheimen Besuch“, während der Kreml die Gespräche öffentlich bestätigte – der Fakt der Kontakte war also nicht geheim, umstritten bleibt lediglich der Grad der Verschlossenheit und der Inhalt des Treffens. Zweitens bezieht sich Sikorski auf Zusicherungen, die dem „CIA-Direktor von Präsident Biden“ gegeben wurden, während der aktuelle Besuch bereits in einer anderen administrativen Realität stattfindet; dieser zeitliche Verweis kann bei oberflächlicher Leseart fälschlich als Hinweis auf den amtierenden Direktor verstanden werden. Darüber hinaus beziehen sich Teile des zusätzlichen Materials zu Sikorski (insbesondere seine Juni-Erklärungen, wonach die Verhandlungen über einen Ukraine-Beitritt zur EU nicht einfach werden würden) auf eine andere diplomatische Spur und bestätigen die Details des CIA-Besuchs nicht direkt; sie wurden daher nur als Kontext der aktiven Haltung des polnischen Außenministeriums herangezogen.
Insgesamt lässt sich Warschaus Position darauf reduzieren, dass weder nachrichtendienstliche Signale noch öffentliche Zusicherungen Moskaus die Notwendigkeit einer beschleunigten Verteidigungsstärkung aufheben. Für die polnische Seite ist dies die Fortsetzung eines Kurses, in dem diplomatische Aktivität – einschließlich Erklärungen zu den Perspektiven der europäischen Integration der Ukraine – mit dem praktischen Ausbau der Verteidigungsfähigkeiten einhergeht.