Der ukrainische Minister für Agrarpolitik und Lebensmittel, Taras Wysokyj, erklärte im Rahmen eines TV-Marathons, dass die Lebensmittelpreise in den kommenden Tagen und Wochen nicht wesentlich steigen und insgesamt „stabil bleiben“. Gleichzeitig schloss er eine Verteuerung in Zukunft nicht aus, nannte die wichtigsten Risikofaktoren und antwortete direkt auf die Frage, ob Ukrainer zusätzliche Vorräte anlegen sollten. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf die Aussagen des Ministers.

Aktuelle Entwicklung: kein Mangel, gute Ernte

Laut Einschätzung des Chefs des Landwirtschaftsministeriums gibt es physisch keinen Mangel an Waren in den Regalen. Der Minister betonte, dass die Ernte des laufenden Jahres gut ist, daher werde das Produktionsvolumen die Preise nicht negativ beeinflussen. Das bedeutet, dass das grundlegende Angebot an Lebensmitteln im Land stabil bleibt und mögliche zukünftige Preisschwankungen nicht mit einem Mangel an Nahrungsmitteln, sondern mit den Kosten für deren Lieferung und dem Energiefaktor zusammenhängen werden.

Logistik als Hauptfaktor der Verteuerung

Als einen der Hauptfaktoren eines möglichen Preisanstiegs nannte Wysokyj die Änderung der Logistik. Eine vorläufige wirtschaftliche Berechnung zeigt, dass der Wechsel zur Lieferung per Lkw „direkt vom Rad“ den Lebensmittelpreisindex im Durchschnitt um 2,5–3 % verteuern kann. Grund dafür ist die Notwendigkeit, mehr Fahrzeuge, Arbeitszeit und andere begleitende Kosten einzusetzen. Wichtig ist, dass diese Zahl vorläufigen Charakter hat und das Ergebnis einer Modellierung ist, kein in den Regalen festgestellter Fakt.

Energiekomponente und externe Risiken

Gesondert hob der Minister die Energiekomponente hervor – die Kosten für Kraftstoff, Strom und Gas. Genau dieser Faktor könne, so Wysokyj, in Zukunft die Preise beeinflussen, insbesondere nach direkten Drohungen seitens des Aggressorstaates. Andere kritische Herausforderungen für den Endpreis der Lebensmittel werden laut Einschätzung des Landwirtschaftsministeriums derzeit nicht beobachtet.

Warum keine Vorräte für ein bis zwei Wochen nötig sind

Gründe, Lebensmittelvorräte für ein bis zwei Wochen anzulegen, sieht der Minister nicht. Er erklärte, dass die Lagerungsmöglichkeiten zu berücksichtigen seien: Einige Säcke Zucker oder Mehl könnten einfach verderben oder Schädlinge anziehen. Nach seinen Worten war der wöchentliche Planungshorizont für Einkäufe bei den meisten Familien auch früher üblich, und die benötigten Produkte innerhalb einer Woche könne man in jedem Siedlungsgebiet finden, daher sei es sinnlos, zusätzliche Vorräte mit dem Risiko des Verderbens anzulegen.

Kontext: Angriffe auf Lebensmittelbetriebe

Die Aussagen des Ministers fielen vor dem Hintergrund einer Serie von Angriffen auf die Infrastruktur der Lebensmittelbranche. Im Sommer wurden Verteilungskapazitäten von Lebensmittelherstellern, darunter Danone, Lactalis und der Jägerin-Molkerei für Babykost, von Russland angegriffen; aufgrund zerstörter Lager warnte die Branche vor möglichen Lieferstörungen. Erst am 27.–28. August wurden eine Reihe von Betrieben – von „Epizentru“ bis „Chortyza“ – getroffen. Genau diese Ereignisse bilden die logistischen und energetischen Risiken, auf die sich das Landwirtschaftsministerium bezieht.