Der legendäre ukrainische Fußballer und Trainer Leonid Burjak sprach in einem exklusiven Interview mit Sport RBC.UA über die Zeit seiner Arbeit beim odessischen „Tschornomorez“ zu Beginn der 1990er-Jahre. Seinen Worten zufolge gelang es der Mannschaft genau in dieser Phase, an ihre eigenen Stärken zu glauben und mit den stärksten Clubs des Landes zu konkurrieren – ein Wendepunkt für den odessischen Fußball und seine Fans.

Zwei Silbermedaillen und der Glaube an die Mannschaft

Burjak betont, dass das wichtigste Ergebnis seiner Arbeit weniger ein konkreter Tabellenplatz als vielmehr ein psychologischer Wandel innerhalb des Teams war. „Wir haben es geschafft, die Spieler davon zu überzeugen, dass der ‚Tschornomorez‘ mit den Besten mithalten kann. Die Mannschaft wurde zweimal Vize-Meister der Ukraine und besiegte das Kyjwer ‚Dynamo‘. Für Odessa war das sehr wichtig – die Menschen glaubten wieder an die Mannschaft, und es kamen viele Fans ins Stadion“, erinnert sich der Trainer. Mit dem „Tschornomorez“ arbeitete er von 1994 bis 1998, und in dieser Zeit beendete die Mannschaft zwei Jahre in Folge auf dem zweiten Platz der ukrainischen Meisterschaft.

Finanzen als größtes Hindernis

Doch laut Burjak begann sich die finanzielle Lage des Clubs mit der Zeit zu verschlechtern, was sich unmittelbar auf die Qualität der Vorbereitung auswirkte. Der Trainer erklärt, dass ohne grundlegende Bedingungen kein maximales Ergebnis von den Spielern verlangt werden kann: „Den Spielern müssen Gehalt und Prämien bezahlt werden, die Mannschaft braucht Reisen, Verpflegung, Medikamente, eine ordentliche Anlage. Wenn all das fehlt, kann ein Trainer von den Spielern kein maximales Ergebnis mehr verlangen“.

Warum Burjak ging

Gerade die angesammelten organisatorischen und finanziellen Probleme, nicht aber die sportlichen Ergebnisse, waren der Grund für seinen Weggang. „Irgendwann habe ich begriffen, dass ich so nicht weiterarbeiten will“, gesteht Burjak. Seinen eigenen Worten zufolge war es unter solchen Umständen – ohne normale Arbeits- und Vorbereitungsbedingungen – unmöglich, die Trainerlaufbahn fortzusetzen.

Der Weg nach dem „Tschornomorez“

Nach seinem Weggang aus dem odessischen Club im Jahr 1998 setzte Burjak seine Trainerkarriere auf anderen Posten fort. Von 2002 bis 2003 trainierte er die ukrainische Nationalmannschaft, mit der er es nicht schaffte, sich für die Endrunde der Euro 2004 zu qualifizieren. 2005 übernahm er auch kurzzeitig das Kyjwer „Dynamo“, arbeitete aber nur etwa zwei Monate mit der Mannschaft. Damit bleibt die Zeit beim „Tschornomorez“ eine der prägendsten und erfolgreichsten Episoden seines Trainerwegs.

Burjaks Erinnerungen erlauben einen Blick auf eine der Schlüsselphasen der Entwicklung des ukrainischen Fußballs aus der Perspektive eines Menschen, der im Zentrum dieser Ereignisse stand: eine Ära, in der regionale Clubs auf Augenhöhe mit den Kyjwer Giganten konkurrieren konnten und in der der Erfolg nicht nur von der Taktik, sondern auch von der finanziellen Stabilität des Clubs abhing.