In Lettland werden gesetzliche Änderungen vorbereitet, die den internationalen Personenbusverkehr nach Russland und Belarus ab dem kommenden Jahr 2027 vollständig beenden sollen. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf das lettische Nachrichtenportal Delfi. Das Verbot soll nach den Plänen der Behörde nicht nur direkte Linien, sondern auch Transitstrecken durch das lettische Gebiet in beide Länder umfassen.
Was das Verkehrsministerium plant
Die Behörde hat nicht nur einen Entwurf der Änderungen, sondern auch einen Informationsbericht über die weitere Organisation des internationalen Straßenverkehrs nach Russland und die Verbesserung der Rechtsvorschriften vorbereitet. Im Dokument wird der Austausch von Genehmigungen für den Straßenverkehr zwischen Lettland und Russland für die Jahre 2022–2026 analysiert, sein Einfluss auf die Wirtschaft und die Beschäftigung sowie der Zustand des Personenverkehrs. Der Bericht soll die Notwendigkeit weiterer Gesetzesänderungen bestimmen und der Regierung zur Prüfung vorgelegt werden.
Die einzige reguläre Linie und ihre Zukunft
Gemäß dem geltenden internationalen Abkommen verkehrt von Lettland nach Russland nur eine einzige reguläre Buslinie. Die täglichen Fahrten nach Moskau werden von der Gesellschaft Norma-A unter der Marke Ecolines durchgeführt — genau diese gelben Doppeldeckerbusse stehen auf den Plattformen des Rigaer Busbahnhofs. Die Genehmigung für diese Linie gilt bis zum 9. Januar 2027, und das Verkehrsministerium erklärte, dass eine Verlängerung nicht geplant ist.
Beschränkungen gelten bereits und werden verlängert
Gleichzeitig bereitet die Behörde eine Verordnung zur Verlängerung des Verbots für nicht-regelmäßigen Personenverkehr nach Russland und Belarus um ein weiteres Jahr vor. Zuvor hatte die lettische Regierung die Initiative zur Einführung eines solchen Verbots vom 1. November 2025 bis zum 31. Oktober 2026 unterstützt — das heißt, im September 2026 gilt es bereits.
Warum das Verbot nicht vollständig sein wird
Das Verkehrsministerium selbst räumt ein, dass die Beschränkung der regulären Linien keine vollständige Wirkung erzielen wird. Passagiere können Umsteigelinien über Estland und Litauen sowie Kleinbusse nutzen, auf die die Vorschriften für den Busverkehr nicht anwendbar sind. Daher beabsichtigt die Behörde, die sicherheitspolitischen, wirtschaftlichen und völkerrechtlichen Aspekte weiterhin zu bewerten, um eine koordinierte Lösung auf Ebene der baltischen Staaten und der Europäischen Union zu erarbeiten.
Kontext: Handelsbeschränkungen und Sicherheitsrhetorik
Die Entscheidung, den Busverkehr einzustellen, fügt sich in einen breiteren Kurs ein. Seit dem 1. September gilt in Lettland ein weitreichendes Verbot des Imports einer breiten Palette industrieller Waren aus Russland und Belarus, das sowohl den direkten Import als auch Lieferungen über Drittländer betrifft; das Land hat zudem begonnen, Listen von Unternehmen zu veröffentlichen, die mit Russland und Belarus handeln und zuvor durch Vertraulichkeit geschützt waren. Die Nationale Union Lettlands fordert die vollständige Einstellung des Personenverkehrs mit Russland und appelliert daran, die Lizenzen der Betreiber regulärer Linien nicht zu verlängern. Laut der Partei nutzten im ersten Halbjahr 2026 9079 Passagiere die Linie Riga–Moskau, und die Nachfrage stieg im Juni im Vergleich zu Januar um mehr als ein Viertel. Der lettische Präsident Edgars Rinkēvičs erinnert seinerseits daran, dass „feindliche Operationen bereits heute stattfinden“ und nicht in einer fernen Zukunft.