Am Donnerstag, dem 20. August, begann das Zentralstatistische Amt (CSB) Lettlands mit der Veröffentlichung einer Liste von in dem Land registrierten Unternehmen, die Waren in die Russische Föderation oder die Republik Belarus exportieren oder von dort importieren. Bis zu diesem Zeitpunkt waren solche Informationen nicht öffentlich zugänglich: Die bei der Steuerbehörde gespeicherten Daten unterlagen Vertraulichkeitsbeschränkungen und wurden nicht in offener Form veröffentlicht. Auf diese Weise haben die lettischen Behörden die geschlossenen Steuerdaten faktisch in öffentliche Statistik umgewandelt und die Handelsbeziehungen mit den beiden Staaten einem offenen Monitoring unterzogen.
Rechtliche Grundlage: Änderungen des Saeimas
Die rechtliche Grundlage für die Veröffentlichung bildeten Änderungen, die der lettische Saeima am 18. Juni in das Gesetz über die Unterstützung der Zivilbevölkerung in der Ukraine einbrachte. Gemäß den angenommenen Änderungen wurde der Staatlichen Steuerverwaltung (GST) die Aufgabe übertragen, die entsprechenden Daten zu ermitteln und an das CSB zu übermitteln, während das Zentralstatistische Amt verpflichtet ist, auf seiner Website eine Liste von Handelsunternehmen zu veröffentlichen, die Exporte nach Russland oder Belarus tätigen oder Importe aus diesen Ländern vornehmen. In der Begründung der Änderungen wird betont, dass diese notwendig sind, um die ukrainische Gesellschaft im Widerstand gegen den Aggressorstaat zu unterstützen, sowie um zu verhindern, dass die Budgets der Aggressorstaaten durch den lettischen Warenverkehr gefüllt werden.
Wer landete auf der Liste
Ausgehend von den Daten für Juli wurden etwa 170 Unternehmen in die veröffentlichte Liste aufgenommen. Darunter befinden sich der Pharmakonzern „Grindeks', „Lauma Fabbis', die chemische Fabrik „Biolars' in Oleni und „Olfa' sowie eine Reihe anderer Unternehmen. Das Erscheinen solcher bekannter Namen im offenen Register macht das neue Instrument nicht nur statistisch, sondern auch reputationswirksam: Unternehmen, die Handelsbeziehungen mit Russland und Belarus aufrechterhalten, geraten nun automatisch in den Fokus der Öffentlichkeit, von Partnern und Regulierungsbehörden.
Reaktion der Wirtschaft und Position der Behörden
Einige Unternehmen haben bereits auf die Veröffentlichung reagiert. Bei „Grindeks' wurde mitgeteilt, dass die Anpassung der Exportziele bereits begonnen hat, jedoch ist dies in der Pharmaindustrie ein langfristiger Prozess, der Zeit für die Umstrukturierung von Logistik, Verträgen und Zertifizierungen erfordert. Auf politischer Ebene passen die Schritte des CSB in die zuvor festgelegte Linie: Im Juni erklärte der neue lettische Ministerpräsident Andris Kučinskis, er werde dem Außenminister Bajbe Breže anweisen, eine Lösung zu finden, die den Export und Import mit Russland beendet, wobei er jedoch feststellte, dass in bestimmten Branchen Ausnahmen möglich sind. Somit wird die Veröffentlichung der Listen zu einem Instrument zur Kontrolle darüber, wie genau diese Ausnahmen umgesetzt werden und wie schnell die Wirtschaft den Handel umstellt.
Geopolitischer Kontext
Das neue Register entsteht vor dem Hintergrund einer Verschärfung der Rhetorik rund um die Sicherheit in Europa. Nach Worten des lettischen Präsidenten Edgars Rinkēvičs hat Russland bereits einen hybriden Krieg gegen die EU-Staaten begonnen, um die Staaten einzuschüchtern, die die Ukraine unterstützen. In dieser Logik wird die Transparenz der Handelsströme von Riga als ein Element des Drucks auf die Wirtschaft und der Entziehung von Einnahmen für die Aggressoren betrachtet. Es wird erwartet, dass die vom CSB veröffentlichten Listen regelmäßig sein und monatlich aktualisiert werden, wodurch sie zu einem ständigen Mechanismus der öffentlichen und politischen Kontrolle über den lettisch-russischen und lettisch-belarussischen Warenverkehr werden.