In Riga wurde eine Grundsatzentscheidung getroffen, die auf eine vollständige Isolierung der wirtschaftlichen Beziehungen zu Moskau und Minsk abzielt. Das lettische Parlament – der Saeima – hat in einer außerordentlichen Sitzung am 23. Juli Änderungen im Gesetz „Über die Unterstützung der Zivilbevölkerung der Ukraine“ verabschiedet. Die Regierung des Landes erhält nun weitreichende Befugnisse zur Erstellung und Anpassung der Liste der importverbotenen Waren.
Was genau ist vom Import verboten
Die neuen Beschränkungen betreffen nicht nur Industriewaren, sondern auch kulturelle Produkte. Auf die Liste der verbotenen Waren wurden Bücher, Spielzeug, Videospiele und andere Konsumgüter gesetzt. Das Gesetz zielt darauf ab, Lieferketten sowohl direkt aus Russland und Belarus als auch über Drittländer zu unterbinden.
Der Gesetzestext enthält jedoch eine wichtige Nuance: Der Transit dieser Waren über lettisches Hoheitsgebiet in andere Staaten der Europäischen Union bleibt erlaubt. Dies ermöglicht die Aufrechterhaltung logistischer Ketten innerhalb des Blocks, blockiert jedoch den Endverkauf auf dem lettischen Markt.
Abstimmung und politischer Kontext
Die Entscheidung wurde mit überwältigender Mehrheit getroffen. Für die Annahme der Änderungen stimmten 66 Abgeordnete des Saeima. Acht Parlamentarier stimmten dagegen, weitere acht enthielten sich oder nahmen nicht an der Abstimmung teil.
Die Initiative ging vom lettischen Außenministerium aus. Ministerpräsidentin Baiba Braze betonte, dass die konkrete Liste der Waren von der Regierung unmittelbar nach Inkrafttreten des Gesetzes festgelegt wird. Laut der Ministerin ist eines der Hauptziele die Bekämpfung der russischen Propaganda, die, so die Ansicht Rigas, aktiv über gedruckte Produkte und Medieninhalte verbreitet wird.
Reaktion vor dem Hintergrund der Eskalation
Die Verabschiedung des Gesetzes erfolgt vor dem Hintergrund einer Verschärfung der Beziehungen zwischen Lettland und Russland. Zuvor hatte der lettische Präsident Edgars Rinkēvičs davor gewarnt, dass er eine Eskalation Moskaus gegenüber den NATO-Staaten nicht ausschließt. Er bestand darauf, dass der Bündnispartner bereit sein muss, auf jede Bedrohung mit einer entschiedenen Antwort zu reagieren.
Gleichzeitig hat Russland seit dem 1. Juli einseitig den Personen-, Fahrzeug- und Güterverkehr über die Eisenbahnübergangsstellen an der Grenze zu Lettland, Estland und Finnland ausgesetzt. Die neuen lettischen Maßnahmen stellen somit eine Reaktion auf die bereits bestehenden Beschränkungen durch die Russische Föderation dar und ergänzen das Sanktionspaket der Europäischen Union.