Das Vereinigte Königreich hat den ersten Schritt zur Umsetzung eines umfassenden Programms zur Stärkung der ukrainischen Artillerie getan. London hat Kiew die ersten vier experimentellen Artillerierohre eigener Produktion übergeben. Diese Lieferung wird den Ausgangspunkt für einen leistungsstarken logistischen und produzierenden Strom bilden, der die Streitkräfte der Ukraine mit Hunderten von kritisch wichtigen Waffen ausstatten kann.
Start des Programms und Vertrag mit BAE Systems
Die Lieferung erfolgt im Rahmen eines Vertrags des britischen Verteidigungsministeriums mit dem Unternehmen BAE Systems, der im Jahr 2025 geschlossen wurde. Die Kosten des Abkommens belaufen sich auf 61 Millionen Pfund Sterling (ca. 82,2 Millionen Dollar). Das Projekt sieht die Herstellung von Rohrofformen für Artilleriesysteme mit Kalibern von 105 und 155 mm in Großbritannien vor.
Die ersten vier Produkte wurden als Prototypen versendet. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Produktionsprozesse zu überprüfen und Tests vor der vollständigen Integration in die ukrainische Armee durchzuführen. Nach erfolgreicher Bewertung der Serienreife wird die britische Seite bis zu 150 Artillerierohre herstellen.
Produktion in Sheffield und Montage in der Ukraine
Ein Schlüsselelement in der Waffenschöpfungskette ist das Unternehmen Sheffield Forgemasters. Hier werden die Rohlinge für die Rohre hergestellt. Nach der ersten Bearbeitung im britischen Werk werden die Produkte in die Ukraine geschickt, wo sie endgültig bearbeitet und in die Bewaffnung integriert werden.
Bei BAE Systems wurde der doppelte Nutzen des Projekts betont: Es unterstützt nicht nur die Kampffähigkeiten der Ukraine, sondern trägt auch zur Wiederbelebung der britischen Rüstungsindustrie bei und erhält hochqualifizierte Arbeitsplätze. Wie die Zeitschrift Army Technology feststellt, war der Start einer solchen Produktion das erste Projekt dieser Art in Großbritannien seit fast zwei Jahrzehnten.
Welche Systeme die neuen Rohre erhalten werden
Offiziell wird nicht mitgeteilt, welche ukrainischen Artilleriesysteme genau die neuen Rohre erhalten werden. Die ukrainische Armee nutzt jedoch ein breites Spektrum an Geschützen mit Kalibern von 105 und 155 mm, die durch britische Komponenten modernisiert oder verstärkt werden können. Dazu gehören:
- Die einheimische selbstfahrende Haubitze „Bohdana“;
- Britische leichte Geschütze L118;
- Die selbstfahrenden Artilleriegeschütze AS90.
Dieses Projekt ist Teil der Bemühungen Londons, sein eigenes Verteidigungspotenzial wiederherzustellen und die Zusammenarbeit mit der Ukraine im Bereich der Waffenproduktion zu erweitern.
Entwicklung des ukrainischen ballistischen Programms
Parallel zur Aufnahme ausländischer Hilfe entwickelt die Ukraine ihr eigenes ballistisches Programm weiter. Zuvor hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj mitgeteilt, dass die ersten Ergebnisse dieser Arbeit bereits als erfolgreich gelten können, jedoch keine weiteren Details zur Entwicklung offenbarte. Die Integration britischer Technologien und der ukrainischen Produktion könnte die Grundlage für die Entwicklung neuer, leistungsfähigerer Waffensysteme in der Zukunft bilden.