Tief jenseits des Polarkreises, unter den rauen Bedingungen des norwegischen Archipels Spitzbergen, existiert eine einzigartige Siedlung – Longyearbyen. Dies ist die nördlichste permanente Siedlung der Welt, in der das Leben im Schatten von Gletschern und Permafrostboden stattfindet. Die Anreise ist nicht einfach: Der Flug von Oslo dauert etwa drei Stunden, von Tromsø hingegen nur 90 Minuten.

Leben in der Permafrostzone

Laut den Volkszählungsdaten von 2026 leben in der Stadt etwa 2512 Menschen. Obwohl die Stadt nur eine Fläche von 10,4 Quadratkilometern einnimmt, verfügt sie über die gesamte Infrastruktur für ein komfortables Dasein: Es gibt einen Kindergarten, eine Schule, eine Kirche, ein Postamt, ein Restaurant und sogar ein Museum. Allerdings gibt es in der Siedlung nur einen einzigen Lebensmittelgeschäft, auf das sowohl die Einheimischen als auch die Touristen ausschließlich angewiesen sind.

Auch die Straßennavigation in Longyearbyen hat ihre Besonderheiten: Den Straßen wurden keine Namen gegeben, stattdessen werden lediglich Nummern verwendet. Dies ist nur eine von vielen einzigartigen Merkmalen, auf die Gäste in dieser abgelegenen Ecke der Welt stoßen.

Verbote und strenge Regeln

Ein Besuch in Longyearbyen erfordert die Kenntnis einer Reihe spezifischer Regeln, die durch die geografische Lage und das Klima diktiert werden. In der Stadt gelten strenge Beschränkungen für den Alkoholaufschlag pro Person pro Monat. Darüber hinaus sind Katzen in der Siedlung offiziell verboten – eine Maßnahme, die darauf abzielt, die lokale Vogelpopulation zu schützen.

Die bekannteste und vielleicht seltsamste Regel ist das Verbot der Bestattung Verstorbener. Die weit verbreitete Meinung, dass der Tod in Longyearbyen illegal sei, ist ein Mythos. Tatsächlich ist es in der Siedlung verboten, Menschen zu begraben. Diese Regel wurde 1950 eingeführt, nachdem festgestellt wurde, dass die Überreste der Opfer der Grippepandemie von 1918, die zuvor hier bestattet worden waren, aufgrund der extrem niedrigen Temperaturen nicht verrottet waren. Wissenschaftler befürchteten, dass in den Leichen aktive Stämme tödlicher Viren erhalten bleiben könnten. Aus diesem Grund ziehen schwer kranke Einwohner in der Regel auf den Festland um.

Gefahren der Wildnis

Die Landschaften rund um die Stadt sind beeindruckend: Das Tal am Ufer des Adventfjords ist von Bergen und Gletschern umgeben. Doch die Schönheit der Natur ist hier trügerisch und gefährlich. Unter den Besuchern der Stadt erscheinen regelmäßig Rentiere, Wale und vor allem Eisbären. Aufgrund der ständigen Gefahr eines Angriffs durch Raubtiere sind die Einheimischen verpflichtet, Waffen zu tragen, sobald sie die Grenzen der Siedlung verlassen.

Wissenschaftliches Zentrum der Arktis

Trotz des rauen Klimas und der Minustemperaturen, die hier das ganze Jahr über herrschen, hat sich Longyearbyen zu einem wichtigen wissenschaftlichen und bildungspolitischen Knotenpunkt entwickelt. In der Stadt befindet sich das Universitätszentrum Spitzbergen – die nördlichste Bildungseinrichtung der Welt, gelegen auf dem 78. Breitengrad. Die Studierenden hier lernen Fächer, die eng mit der Umwelt verbunden sind, wie arktische Biologie und Geophysik.

Die Wirtschaft der Region hängt ebenfalls stark vom Tourismus ab. Im Jahr 2016 besuchten 115.000 Touristen die Stadt, von denen 35.000 mit Kreuzfahrtschiffen ankamen. Interessanterweise ist der Name der Stadt nicht mit seiner Isolation oder den langen Polarnächten verbunden, sondern mit dem Namen seines Gründers – John Munro Longyear.