In einer Welt, in der die Elektrifizierung des Verkehrs zur Norm wird und Fragen der Energieeffizienz in den Vordergrund rücken, haben Studenten der Clemson University mit Unterstützung von BMW ein revolutionäres Projekt vorgestellt. Der experimentelle Elektrofahrzeug-Prototyp Deep Orange 17, der den inoffiziellen Namen Luminetta trägt, verfolgt ein ambitioniertes Ziel: mehr Energie zu erzeugen, als er im typischen Stadtverkehr verbraucht. Dies ist nicht nur ein Konzeptfahrzeug, sondern ein funktionierender Prototyp, der entwickelt wurde, um reale Herausforderungen der städtischen Mobilität zu lösen.

Von der Idee zur Realität: Zwei Jahre Arbeit am „Energieplus'

Das Projekt startete im Herbst 2024 auf Initiative von BMW. Eine Mannschaft aus 16 Masterstudenten erhielt die anspruchsvolle Aufgabe, ein sogenanntes energiepositives Elektrofahrzeug zu entwickeln. Genau diesen Begriff verwenden die Entwickler, um ein Fahrzeug zu beschreiben, das mehr Energie erzeugt, als es für tägliche Fahrten verbraucht. Nach etwa zwei Jahren intensiver Arbeit stellten die Studenten einen zweitürigen Prototypen vor, bei dem die Effizienz über der Leistung und herkömmlichen Automobilkonzepten steht.

Konstruktion und Aerodynamik: Ein Gewicht von nur 550 kg

Ein Schlüsselfaktor für den Erfolg von Luminetta ist das extreme Leichtbaukonzept. Das Fahrzeug wiegt nur etwa 550 kg – etwa ein Drittel weniger als ein vergleichbares modernes Serienfahrzeug. Dieses Gewicht wurde durch ein kombiniertes Chassis erreicht, das Stahl zum Schutz der Insassen, Aluminium, Kohlefaser und metallische Verbindungselemente verwendet, die mittels 3D-Druck hergestellt wurden. Sogar die eckige Karosserie wurde primär aus Effizienzgründen entworfen. Bei der Gestaltung der Form ließen sich die Entwickler vom Boxfisch inspirieren, der für seine aerodynamisch günstige Form bekannt ist.

Solarrevolution: 1700 Zellen in der Karosserie

Das Hauptmerkmal von Luminetta ist direkt in die Karosserie integriert. Auf den Außenflächen wurden mehr als 1700 Solarzellen angebracht, die unter Beteiligung des deutschen Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) entwickelt wurden. Sie können sowohl während der Fahrt als auch im Parkzustand Strom erzeugen. Dabei produzieren die Solarmodule auch bei teilweiser Verschattung Strom. Für ein Fahrzeug, das den Großteil seiner Zeit in der städtischen Umgebung unter Gebäuden, Bäumen und anderen Fahrzeugen verbringt, ist dies besonders wichtig.

Simulation und Ergebnisse: 50 km Reichweite durch die Sonne

Die Entwickler haben den Einsatz von Luminetta in vier Städten mit unterschiedlichem Klima simuliert: Greenville in den USA, Frankfurt in Deutschland, Madrid in Spanien und Mumbai in Indien. Für eine tägliche Strecke von etwa 19 km erzeugten die Solarmodule im Durchschnitt eine Energiemenge, die einer Reichweite von etwa 50 km entspricht. Im berechneten Szenario deckt die Solarenergieerzeugung also etwa das 2,5-fache der täglichen Fahrstrecke. Aus diesem Grund bezeichnen die Entwickler Luminetta als energiepositives Fahrzeug.

Zukunft des Projekts: Vom Masterstudium zur CES 2027

Am 7. August 2026 haben alle 16 Projektteilnehmer ihr Masterstudium im Bereich Fahrzeugtechnik abgeschlossen, aber die Geschichte von Luminetta endet damit nicht. Der Prototyp verbleibt im Internationalen Zentrum für Automobilforschung der Clemson University in Greenville und wird weiterhin als Forschungsplattform genutzt. Die öffentliche Premiere des Fahrzeugs ist auf der Messe CES 2027 geplant. Auch an die Elektronik wurde gedacht. Für das Fahrzeug wurde eine eigene Benutzeroberfläche entwickelt, die in Echtzeit die Fahrzeugparameter und den Status des Energiesystems anzeigt. Das Infotainmentsystem unterstützt Apple CarPlay und Android Auto.