Die russischen Streitkräfte setzen ihre Dichte an Personal und Technik in Richtung Lyman fort, was nach Einschätzung des Instituts für Kriegsstudien (ISW) auf die Vorbereitung verstärkter Offensivoperationen hindeuten könnte. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf einen aktuellen Analysebericht des US-amerikanischen Instituts. Die Richtung Lyman liegt nordöstlich von Slawiansk und ist in letzter Zeit einer der am stärksten belasteten Frontabschnitte, an dem die russischen Truppen laut russischem Generalstab bereits im Juli 2026 die Umgebung von Krasny Lyman erreichten.
Ausländische Rekruten: bis zu 30 % der Stärke in einzelnen Abschnitten
Die ISW-Analysten stellen fest, dass die russischen Kräfte ausländische Kämpfer zunehmend einbinden. Laut einem Vertreter der ukrainischen Brigade, die in Richtung Slawiansk operiert, ist der Anteil ausländischer Rekruten in den russischen Streitkräften in diesem Abschnitt kürzlich auf etwa 30 % gestiegen. Nach seiner Einschätzung handelt es sich dabei vorwiegend um Soldaten aus Lateinamerika, Afrika und Südostasien. Der gleiche ukrainische Soldat betonte jedoch, dass die russischen Einheiten trotz der sichtbaren Aufbau von Kräften für große Operationen unzureichend vorbereitet bleiben.
Angriffe auf Logistik und Flussübergänge
Parallel zum Aufbau der Kräfte konzentrieren die russischen Truppen ihre Angriffe auf ukrainische Logistikobjekte und Flussübergänge. Insbesondere werden Angriffe auf Übergänge über die Flüsse Osokil und Sewersky Donez festgestellt. Nach Einschätzung des ISW könnten diese Maßnahmen Teil der Vorbereitung auf eine bevorstehende Verstärkung der Offensivoperationen in Richtung Lyman sein: Die Zerstörung von Übergängen und der rückwärtigen Logistik erschwert das Manövrieren ukrainischer Reserven und die Verstärkung der Verteidigung in bedrohten Abschnitten.
Offizielle Position Kiews: Das Tempo der Vorstoße verlangsamt sich
Der stellvertretende Leiter des Präsidialamts der Ukraine, Pawel Palisa, erklärte, dass Kiew eine Verlangsamung des Vorstoßtempos der russischen Truppen an der Front feststellt. Nach seinen Angaben bleibt die aktive Kontaktlinie etwa 1200 km lang, doch bereiten die Verteidigungskräfte in einzelnen Richtungen weitere aktive Maßnahmen vor. Er betonte auch, dass die Ukraine den Abstand zwischen den von Russland besetzten Gebieten und den Abschnitten, die die ukrainischen Truppen seit Beginn des Jahres 2026 befreien konnten, schrittweise verringert.
Widersprüchliche Daten
In den Einschätzungen der Seiten und Quellen gibt es erhebliche Abweichungen, die zu berücksichtigen sind. Einerseits interpretiert das ISW den Aufbau der Kräfte und die Angriffe auf Übergänge als Vorbereitung einer verstärkten Offensive in Richtung Lyman. Andererseits spricht das offizielle Kiew (Erklärung Palisas) von einer Verlangsamung des russischen Vorstoßtempos und davon, dass die ukrainischen Kräfte eigene aktive Maßnahmen vorbereiten. Diese beiden Bilder schließen sich nicht unbedingt gegenseitig aus – der Aufbau kann einer noch nicht erfolgten Offensive vorausgehen –, doch sie senden gegensätzliche Signale über die kurzfristige Dynamik der Front. Darüber hinaus stützt sich die Kennzahl „30 % ausländischer Rekruten“ auf die Aussage eines einzigen Vertreters einer ukrainischen Brigade und wurde nicht durch unabhängige Faktenprüfung bestätigt; sie sollte daher als grobe und nicht als genaue Einschätzung verstanden werden.